Podcast Maschinenraum Gesundheit: Wie die Notfallmedizin der Sepsis entgegentritt
Artikel aus Mecklenburg-Vorpommern
Eine Sepsis, umgangssprachlich auch Blutvergiftung genannt, ist ein medizinischer Notfall, ähnlich wie ein Herzinfarkt oder Schlaganfall. Sie entsteht durch ein fehlregulierte Immunantwort des Körpers auf eine Infektion. Im Podcast "Maschinenraum Gesundheit" spricht Manon Austenat-Wied mit Dr. Matthias Gründling über sein Engagement, um Sepsis gut zu behandeln und wie digitale Tools in der Klinik helfen.
Dr. Gründling, Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie, Anästesie-, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin der Universitätsmedizin Greifswald engagiert sich seit über 20 Jahren für ein Ziel: Die Sterblichkeit bei Sepsis-Patienten zu senken. Sein Ansatz ist dabei eine Kombination aus High-Tech und einer gehörigen Prise Beharrlichkeit.
Sepsis Dialog: mit Kommunikation und Schulung Awareness schaffen
Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus Pflegekräften, Ärztinnen und Studenten sorgt Dr. Gründling dafür, dass das Thema Sepsis überall im Klinikum präsent ist.
Wir sind eine Universität und wollen forschen, aber es ist uns genauso wichtig, die Basisarbeit zu leisten.
"Wir sind eine Universität und wollen forschen, aber es ist uns genauso wichtig, die Basisarbeit zu leisten", betont Gründling. Damit meint er die unermüdliche Präsenz direkt auf den Stationen sowie Weiterbildung in den Pflegeschulen. Das Ziel: Jede Pflegekraft muss für Anzeichen einer Sepsis sensibilisiert sein. Das frühe Erkennen ist der wichtigste Hebel.
Dr. Matthias Gründling
Digitales Frühwarnsystem unterstützt Ärztinnen und Pflegekräfte
Wenn eine Ärztin nachts zwölf Patienten überwacht, können erste medizinische Warnsignale zur Zustandsverschlechterung untergehen. Hier setzt Dr. Gründling auf digitale Innovation. Sein Team hat zusammen mit einem Softwarepartner eine Lösung entwickelt: den sogenannten SOFA-Score. Dies ist ein Maß für Organversagen, welches automatisch und stündlich ausgerechnet wird. Steigt der Wert über eine bestimmte Grenze, schlägt das System Alarm.
"Das ist genial", so Gründling. "Das Tool triggert uns. Wir gehen hin, prüfen die Ursache und können sofort handeln: Blutkulturen abnehmen, Antibiotika geben oder den Operationssaal vorbereiten." Diese Form der digitalen Mustererkennung ist ein Paradebeispiel dafür, wie Technik den Menschen nicht ersetzt, sondern ihn in kritischen Momenten unterstützt.
Die Lücke in der Kette: Von der Hausarztpraxis bis zur Nachsorge
Trotz der Erfolge in der Klinik weist Dr. Gründling auf eine gefährliche Lücke hin: die Sektorentrennung. Eine Sepsis kann überall beginnen, in der Hausarztpraxis oder im Rettungsdienst.
"Es kommt darauf an, die Krankheit auf dem Zettel zu haben und gezielt danach zu suchen - das Schlagwort heißt Screening", betont er. Besonders kritisch sieht er zudem die Zeit nach dem Klinikaufenthalt. Etwa 75 Prozent der Überlebenden leiden unter massiven Langzeitfolgen. Hier fehlen flächendeckende Strukturen für eine koordinierte Nachsorge.
Dr. Matthias Gründling erklärt im Podcast, dass medizinischer Fortschritt zwei Seiten hat. Es braucht die intelligenten Algorithmen, die uns warnen, aber es braucht vor allem Menschen die den Dialog suchen: zwischen den Disziplinen, zwischen Klinik und Praxis und zwischen Ärzten und Patientinnen.
Den Podcast finden Sie hier: