Dr. Gründling, Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie, Anästesie-, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin der Universitätsmedizin Greifswald engagiert sich seit über 20 Jahren  für ein Ziel: Die Sterblichkeit bei Sepsis-Patienten zu senken. Sein Ansatz ist dabei eine Kombination aus High-Tech und einer gehörigen Prise Beharrlichkeit.

Sepsis Dialog: mit Kommunikation und Schulung Awareness schaffen

Gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus Pflegekräften, Ärztinnen und Studenten sorgt Dr. Gründling dafür, dass das Thema Sepsis überall im Klinikum präsent ist.

Wir sind eine Universität und wollen forschen, aber es ist uns genauso wichtig, die Basisarbeit zu leisten.
Dr. Matthias Gründling

"Wir sind eine Universität und wollen forschen, aber es ist uns genauso wichtig, die Basisarbeit zu leisten", betont Gründling. Damit meint er die unermüdliche Präsenz direkt auf den Stationen sowie Weiterbildung in den Pflegeschulen. Das Ziel: Jede Pflegekraft muss für Anzeichen einer Sepsis sensibilisiert sein. Das frühe Erkennen ist der wichtigste Hebel.

Dr. Matthias Gründ­ling

Dr. Matthias Gründling Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Oberarzt an der Klinik für Anästhesiologie, Anästesie-, Intensiv-, Notfall- und Schmerzmedizin der Universitätsmedizin Greifswald

Digitales Frühwarnsystem unterstützt Ärztinnen und Pflegekräfte

Wenn eine Ärztin nachts zwölf Patienten überwacht, können erste medizinische Warnsignale zur Zustandsverschlechterung untergehen. Hier setzt Dr. Gründling auf digitale Innovation. Sein Team hat zusammen mit einem Softwarepartner eine Lösung entwickelt: den sogenannten SOFA-Score. Dies ist ein Maß für Organversagen, welches automatisch und stündlich ausgerechnet wird. Steigt der Wert über eine bestimmte Grenze, schlägt das System Alarm.

"Das ist genial", so Gründling. "Das Tool triggert uns. Wir gehen hin, prüfen die Ursache und können sofort handeln: Blutkulturen abnehmen, Antibiotika geben oder den Operationssaal vorbereiten." Diese Form der digitalen Mustererkennung ist ein Paradebeispiel dafür, wie Technik den Menschen nicht ersetzt, sondern ihn in kritischen Momenten unterstützt.

Die Lücke in der Kette: Von der Hausarztpraxis bis zur Nachsorge

Trotz der Erfolge in der Klinik weist Dr. Gründling auf eine gefährliche Lücke hin: die Sektorentrennung. Eine Sepsis kann überall beginnen, in der Hausarztpraxis oder im Rettungsdienst.

"Es kommt darauf an, die Krankheit auf dem Zettel zu haben und gezielt danach zu suchen - das Schlagwort heißt Screening", betont er. Besonders kritisch sieht er zudem die Zeit nach dem Klinikaufenthalt. Etwa 75 Prozent der Überlebenden leiden unter massiven Langzeitfolgen. Hier fehlen flächendeckende Strukturen für eine koordinierte Nachsorge.

Dr. Matthias Gründling erklärt im Podcast, dass medizinischer Fortschritt zwei Seiten hat. Es braucht die intelligenten Algorithmen, die uns warnen, aber es braucht vor allem Menschen die den Dialog suchen: zwischen den Disziplinen, zwischen Klinik und Praxis und zwischen Ärzten und Patientinnen.

Den Podcast finden Sie hier: