Im Thüringen-Monitor 2019 sagten 45 Prozent der Befragten, dass sie aktuell einen Angehörigen pflegen oder es in der Vergangenheit taten. Diese nahestehenden Personen verdienen nicht nur höchste Anerkennung, sondern vor allem Beachtung und Unterstützung. 

Folgerichtig wurden sie im Thüringen-Monitor auch nach der empfundenen Belastung durch die Pflege gefragt. Demnach ist besonders der zeitliche Aufwand enorm. 60 Prozent der Befragten empfinden ihn als sehr hoch oder hoch, weitere 30 Prozent als angemessen.

Für vier von zehn Menschen, die ihre Angehörigen pflegen, bedeutet die Tätigkeit eine hohe oder sogar sehr hohe gesundheitliche Belastung. Sieben Prozent der befragten Pflegenden gaben sogar ihren Beruf wegen privater Pflegetätigkeiten auf - bei immerhin 36 Prozent belastet die Pflege die eigene Berufstätigkeit stark.

Hohe Belas­tung für pfle­gende Ange­hö­rige

TK-Infografik zur Belastung pflegender Angehöriger. Ergebnisse aus dem Thüringen-Monitor 2019. Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Die Belastung der pflegenden Angehörigen ist hoch - besonders in zeitlicher Hinsicht. Ergebnis aus dem Thüringen-Monitor 2019.

Pflegeland Thüringen - Angehörige als Pflegekräfte

Dieser Belastung muss etwas entgegengesetzt werden - besonders, da immer mehr Thüringer in Zukunft mit ihr konfrontiert werden. Ende des Jahres 2017 waren in Thüringen 115.620 Menschen pflegebedürftig. Das entspricht einer Pflegequote, also einem Anteil Pflegebedürftiger an der Thüringer Bevölkerung, von 5,4 Prozent. Im Vergleich der Bundesländer liegt Thüringen damit auf Platz zwei hinter Mecklenburg-Vorpommern. Zwei Jahre zuvor hatte der Freistaat mit 4,3 Prozent die vierthöchste Pflegequote aller Bundesländer - die Bezeichnung als "Pflegeland Thüringen" trifft also immer mehr zu. 

Mehr als drei Viertel der Pflegebedürftigen werden zu Hause betreut, 22 Prozent vollstationär im Pflegeheim. Von den über 90.000 zu Hause gepflegten Menschen werden mehr als zwei Drittel allein durch Angehörige versorgt. Bei den anderen ist ein ambulanter Pflegedienst mindestens unterstützend tätig. 

Zeitlich unabhängige Unterstützung: TK-Pflegecoach

Unterstützung und Entlastung sind das, was pflegende Angehörige am dringendsten benötigen. Ein Beispiel dafür ist der TK-Pflegecoach. Er kann von jedem - nicht nur TK-Versicherten - als digitaler Pflegekurs, aber auch als mobiles Nachschlagewerk auf dem Smartphone, Tablet oder am Computer genutzt werden. Für die zeitlich stark belasteten Pflegenden kann das sehr wertvoll sein, weil sie eben nicht dazu kommen, sich professionell beraten zu lassen oder gar an einem Pflegekurs teilzunehmen. 

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In vier Modulen werden die Themengebiete "Verständnis und Zuwendung", "Pflegeumgebung", "Richtig pflegen" und "Selbstschutz" behandelt. Die Module bestehen aus interaktiven Fragebögen zum eigenen Pflegealltag und geben im nächsten Schritt Informationen und praktische Tipps, wie Menschen beispielsweise mit Belastungen im Rahmen der Pflege besser umgehen können. Konkrete Pflegetechniken, wie das An- und Auskleiden oder wie Pflegebedürftige am besten liegen, werden in Videoform veranschaulicht. 

Pflegende Angehörige entlasten - Landesregierung mit sinnvollem Vorstoß

Eine Erweiterung der Pflegeversicherung kann ebenfalls Unterstützung bringen. Die TK setzt sich dafür ein, dass Smart-Home-Lösungen wie Notfallsysteme und Sensoren, die zu Hause für mehr Sicherheit und Autonomie sorgen und Pflegebedürftige wie Angehörige entlasten, zukünftig im Leistungskatalog der Pflegeversicherung berücksichtigt werden. 

Deswegen unterstützen wir eine entsprechende Bundesratsinitiative, welche die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner (DIE LINKE) im Januar 2020 vorstellte, ausdrücklich. Die Pflegeversicherung muss sich nicht nur den demografischen, sondern auch den digitalen Entwicklungen stellen. 

Eigener Zukunftswunsch: Pflege durch Angehörige

Wird das Pflegen in der eigenen Wohnung leichter, macht das den Wunsch vieler Thüringer realistischer: Vier von zehn Befragten (41 Prozent) halten es für wünschenswert, durch Familienangehörige in den eigenen vier Wänden gepflegt zu werden, wenn sie nicht mehr alle Dinge selbst erledigen können. Fast ebenso viele (40 Prozent) können sich auch das Leben in einer Seniorengemeinschaft oder einem Mehrgenerationenhaus gut vorstellen. In ein Pflegeheim zu ziehen, gaben neun Prozent der Befragten als wünschenswert an. Die Hälfte schätzt es als "akzeptabel" ein, und für vier von zehn Befragte kommt es nicht infrage.

Bundesratsinitiative 

Die Bundesratsinitiative zur Refinanzierung digitaler altersgerechter Assistenzsysteme (AAL) fordert von der Bundesregierung einen Gesetzentwurf, in dem die Genehmigung und Finanzierung digitaler AAL für alle Pflegekassen geregelt ist. Zudem soll das Anerkennungsverfahren technischer Unterstützungsangebote vereinfacht und standardisiert werden. Zu berücksichtigen sei ein Weg für einen besseren Austausch zu anerkannten technischen Lösungen und bestmöglichem Verbraucherschutz. 
Der Bundesrat verfolgt damit das Ziel, dass Pflegebedürftige und ihre Angehörigen möglichst bald von digitalen Lösungen profitieren können.
Ende Februar 2020 hatten sich Berlin und Brandenburg der Initiative angeschlossen. Der Plan war, die Initiative in der Bundesratssitzung am 13. März zu behandeln.