Rund 390.000 Niedersachsen benötigen pflegerische Unterstützung. Das sind 4,9 Prozent der Bevölkerung und eine der höchsten Pflegequoten insgesamt hinter Mecklenburg-Vorpommern (5,7), Thüringen (5,4) Brandenburg (5,3), Sachsen und Sachsen-Anhalt (beide 5,0 Prozent). Die Pflegequote liegt in Niedersachsen damit deutlich über dem Bundesdurchschnitt von 4,1 Prozent. Im Hinblick auf die nächsten Jahrzehnte braucht es ein gut ausgebautes Netz an Angeboten, das auf die veränderten Bedürfnisse der Betroffenen eingeht - für Pflegebedürftige, pflegende Angehörige und die Pflegekräfte. Der Pflegeberuf muss gestärkt und die Digitalisierung in der Pflege vorangetrieben werden. Hierfür möchte die TK Wegbereiter und Impulsgeber sein.

Pflegende Angehörige entlasten

Ein Großteil der pflegebedürftigen Niedersachsen wird zuhause in den eigenen vier Wänden versorgt. Das zeigt auch, dass die Betroffenen möglichst lange im gewohnten Umfeld leben möchten. Rund die Hälfte der Pflegebedürftigen werden von ihren Angehörigen gepflegt. Auch wenn die Pflege eines Angehörigen erfüllend sein kann, dürfen die möglichen körperlichen und mentalen Belastungen nicht außer Acht gelassen werden. Die TK hat deshalb den TK-Pflege-Coach entwickelt, um die Pflegenden mit Pflege-Know-how zu unterstützen. Mittels Smartphone, Tablet oder PC können sie die Anwendung als digitalen Pflegekurs oder digitales Nachschlagewerk nutzen. 

Wer sich um pflegebedürftige Angehörige kümmert, kommt nicht selten auch an seine psychischen Grenzen und benötigt schnell und unbürokratisch Rat oder Hilfe. Über das Internet-Portal pflegen-und-leben.de erhalten pflegende Angehörige von Versicherten persönliche Unterstützung durch ein speziell ausgebildetes Psychologen-Team.

Im Alter selbstständig zu Hause sein

Für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen bietet insbesondere der technische Fortschritt Chancen auf Entlastung, denn digitale Hilfen können im Versorgungsalltag unterstützen. So sorgen etwa smarte Technologien für mehr Sicherheit bei den Pflegebedürftigen und deren Angehörigen. Eine unserer letzten Umfragen zum Thema Pflege hat gezeigt, dass 85 Prozent der Norddeutschen für digitale Lösungen offen sind.

Mit zunehmenden Alter steigt die Gefahr zu stürzen und folglich die Angst, dann keine Hilfe zu erhalten. Hier setzt das Projekt "Sicher Zuhause" an, das sich des Sturzrisikos von Pflegebedürftigen annimmt und Stürze sowie Krankenhausaufenthalte vermeiden soll. Dabei verknüpft "Sicher Zuhause" die Kompetenz geschulter Fachkräfte mit den Vorteilen digitaler Datenverarbeitung. Pflegebedürftige, die am Programm teilnehmen, tragen einen Funksensor, der Bewegungsdaten für die Sturzerkennung registriert. Unter Einbeziehung der persönlichen Situation, der Krankengeschichte sowie der Medikation ermittelt ein selbstlernender Algorithmus tagesaktuell das Sturzrisiko. Ist ein Grenzwert überschritten, nimmt ein Gesundheitsberater Kontakt mit dem Pflegebedürftigen auf, um über Ursachen und sinnvolle präventive Maßnahmen wie Krankengymnastik oder einen Arztbesuch zu sprechen. "Sicher Zuhause" wird derzeit im Rahmen einer gemeinsamen Studie von Philips und der TK erprobt.

An Pflegebedürftige mit einer Demenzerkrankung richtet sich die App-Auguste . Bei der App handelt es sich um ein digitales Gedächtnistraining, das von der Alzheimer Gesellschaft Niedersachsen entwickelt wurde. Vergleichbar mit einem Memory-Spiel haben die Angehörigen via Tablet oder Smartphone die Möglichkeit, gemeinsam mit ihrem betroffenen Familienmitglied spielerisch einem Hirnleistungstraining mit therapeutischem Ansatz nachzugehen. Die App-Entwicklung wurde von der TK-Landesvertretung Niedersachsen finanziell gefördert.

Pflegekräfte stärken

In der Pflege werden dringend zusätzliche Pflegekräfte gebraucht. Um das zu erreichen, muss der Pflegeberuf attraktiver werden. Die TK spricht sich deshalb für den Masterplan Pflege aus. In Niedersachsen sind der Fachkräftemangel und die Vergütung der Pflegekräfte ein Schwerpunktthema in der Konzertierten Aktion Pflege (KAP.Ni). Dazu wurde von den Beteiligten der KAP.Ni bereits ein Stufenkonzept verabredet, das unter anderem die kurzfristige Refinanzierung von Tarifsteigerungen sowie die kurzfristige Überprüfung der angemessenen Vergütung zur Finanzierung von Tarifen im Rahmen eines Benchmarkings vorsieht. 

Eine bessere Entlohnung allein reicht aber nicht aus. Die Gesundheit von Pflegekräften muss gefördert werden, damit sie länger in ihrem Beruf tätig sein können. Deshalb bietet die TK Pflegeeinrichtungen, Bewohnern und Pflegekräften spezielle Präventionsprogramme an.

Die TK berät im Präventionsprogramm Starke Pflege stationäre und ambulante Pflegeeinrichtungen sowie Krankenhäuser, um ihre gesundheitsfördernden Potenziale zu mobilisieren und nachhaltige Strukturen einzuführen. Neben individuellen Maßnahmen wie Kursen oder Einzelberatungen sollen auch die betrieblichen Rahmenbedingungen und Prozesse auf eine bessere Gesundheit ausgerichtet werden.

TK-Position Pflege Niedersachsen

Auf dem Sektor Pflege wird an vielen Stellschrauben gedreht. Die politische Diskussion um die Digitalisierung in der Pflege nimmt aber erst langsam Fahrt auf. In der Position "Soziale Pflegeversicherung: Digitalisierung stärker voran bringen" schlägt die TK Maßnahmen zur Beschleunigung des technischen Wandels in der Pflege vor.

Positionspapier Digitale Pflege (PDF, 98 kB)