TK: Was hat sich für Ihr Fachzentrum aufgrund Corona verändert?

Jana Glowatzki: Wir spüren deutlich, dass die Menschen, die uns anrufen, sehr verunsichert sind. Unsere Beratungsgespräche dauern auffallend länger. Oft geht es nur vordergründig um Pflegegrade oder konkrete Leistungen. Die meisten Anrufer wollen mit uns über ihre Situation reden. Sie suchen Halt, Hilfe und Orientierung. Unsere Mitarbeiter können die Probleme gut nachfühlen, denn sie sind von den Corona-Einschränkungen ebenfalls betroffen - 35 Prozent haben Kinder. Deshalb haben die Mitarbeitenden die Möglichkeit, im Schichtsystem zu arbeiten. Das Antragsvolumen ist das gleiche geblieben, die Bearbeitung der einzelnen Anliegen deutlich aufwendiger geworden. Uns ist ganz wichtig, unsere Versicherten genau so gut wie vorher zu betreuen.

TK: Wobei können Sie konkret helfen?

Glowatzki: Es ist erstaunlich, was in Krisenzeiten in der Nachbarschaft auf einmal alles möglich ist! Ich habe von vielen Bespielen gehört, in denen Pflegebedürftige plötzlich und ungeahnt Hilfe erhalten. Denn den ambulanten Pflegediensten fehlen im Moment wegen Krankheit oder Quarantäne selbst die Fachkräfte. Die verbliebenen Pflegepersonen können vor Ort oft nur das Notwendigste übernehmen, also Körperpflege und medizinische Versorgung. Deshalb fehlt ihnen Zeit für Einkaufen, Essenzubereiten oder das Reinigen der Wohnung. In diesen Notsituationen erstatten wir unbürokratisch die Kosten für freiwillige Nachbarschaftshelfer. Besondere Qualifikationen sind nicht nötig. Jeder hilfsbereite Bekannte kann einen Pflegebedürftigen in dessen Haushalt unterstützen. 

Jana Glowatzki

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Leiterin des Dresdner Fachzentrums Pflegeleistungen

TK: Stichwort "unbürokratisch", wie gehen Sie aktuell mit Anträgen auf Pflegestufen um?

Glowatzki: Nicht völlig ohne Formalitäten, aber mit geringerem Aufwand. Denn die persönliche Untersuchung in ihrer Wohnung muten wir unseren Pflegebedürftigen schon wegen des Infektionsrisikos nicht zu. Die TK hat sich als erste Pflegekasse bereits im März dafür stark gemacht, solche Wohnungsbesuche auszusetzen. Jeder Antrag wird trotzdem zügig bearbeitet. In der jetzigen Ausnahmesituation brauchen alle Beteiligten schnell Gewissheit. Auch das hilft, Gefühle von Unsicherheit bei unseren Versicherten abzubauen. Gerade jetzt ist es für alle pflegebedürftigen Menschen unverzichtbar, dass sie sich auf das Funktionieren ihrer Pflegeversicherung verlassen können. 

TK: Was liegt Ihnen noch am Herzen? 

Glowatzki: Besonders danke ich den pflegenden Angehörigen. Sie leisten schon in normalen Zeiten Enormes. Jetzt ist ihr Einsatz um ein Vielfaches höher, denn Einrichtungen der Tages- und Nachtpflege sind wegen des Corona-Virus geschlossen, Betreuungskräfte fehlen und  Entlastungsleistungen können nicht im erforderlichen Maße in Anspruch genommen werden. 

TK: Welche positiven Erlebnisse sind Ihnen in der Corona-Situation begegnet?

Glowatzki: Es ist unglaublich, welche große Hilfsbereitschaft wir in den vergangenen Monaten miterlebt haben. Was vor Ort alles möglich gemacht wird, gehört zu den positiven Überraschungen der Pandemie. Außerdem hinaus finde ich  gut, dass die Digitalisierung einen besonderen Schub erhalten hat. Viele Versicherte entdecken und nutzen unsere Online-Angebote wie den TK-Pflegelosten. Und schließlich: In den letzten Wochen ist die gesellschaftliche Anerkennung für diejenigen, die mit großem Engagement bedürftige Menschen pflegen, deutlich gestiegen. Das wünsche ich mir auch für die Zukunft nach Corona.

Zur Person

Jana Glowatzki ist Chefin im Fachzentrum Pflegeleistungen der TK in Dresden. Hier betreuen sie und ihre 224 Mitarbeitenden über 100.000 Pflegebedürftige bundesweit. Die gebürtige Rostockerin ist seit ihrer Berufsausbildung bei der TK als Kundeberaterin und Führungspersönlichkeit aktiv. So leitete Jana Glowatzki bereits das Kundenservice-Zentrum der TK in Halle/Leipzig, bevor sie nach Dresden zur Pflegeversicherung wechselte. Vom Berufsalltag abschalten kann sie als Teil der "Generation-Netflix" am besten mit skandinavischen Krimiserien.