Der Arzt wird unter anderem fragen, wo und bei welchen Bewegungen die Schmerzen auftreten, ob sie ins Bein ausstrahlen, seit wann die Schmerzen bestehen, welche Bewegungen sie verstärken oder abschwächen und ob weitere Beschwerden hinzukommen, zum Beispiel Gefühlsstörungen im Bein. Außerdem wird er nach Risikofaktoren fragen, die auf gefährliche Ursachen oder einen chronischen Verlauf hindeuten. Dabei fragt er auch nach psychosozialen Faktoren wie Stress, Depressionen und Ängste.

Weitere Hinweise liefert die körperliche Untersuchung, bei der er unter anderem auf die Haltung und Form der Wirbelsäule achtet. Außerdem untersucht der Arzt die Rückenmuskulatur und die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Bei Bedarf erfolgt auch eine neurologische Untersuchung, um Beeinträchtigungen der Nerven erkennen zu können.

Anamnese und körperliche Untersuchung reichen in den meisten Fällen aus, um schwerwiegende Ursachen auszuschließen. Meist kann auf eine Röntgenaufnahme verzichtet werden. Röntgenbilder werden nur verordnet, wenn sie unbedingt nötig sind, denn ein Übermaß an Röntgenstrahlung ist schädlich. Deshalb sollten Röntgenuntersuchungen und die Computertomografie grundsätzlich zurückhaltend eingesetzt werden, sie liefern auch bei Schmerzen, die erst seit Kurzem bestehen, meistens keinen zusätzlichen Nutzen.

Wenn Hinweise auf spezifische Ursachen, vor allem auch auf gefährliche Verläufe bestehen oder nach sechs Wochen die Schmerzen noch unverändert oder stärker sind, sind meist bildgebende Untersuchungsmethoden notwendig.

Mögliche Untersuchungsmethoden sind:

  • MRT (Magnetresonanztomografie, Kernspintomografie), ohne Röntgenstrahlen
  • CT (Computertomografie)
  • Einfache Röntgenaufnahme (selten nötig)

Bei MRT und CT werden Sie in eine "Röhre" geschoben. Hier entsteht durch Magnetfelder (MRT) oder Röntgenstrahlen (CT) im Computer ein Bild Ihrer Wirbelsäule. Röntgenfachärzte (Radiologen) beurteilen das Bild. Auf dieser Grundlage kann Ihr Arzt dann gemeinsam mit Ihnen über weitere Maßnahmen entscheiden.

Auch Blut- und Urinuntersuchungen sind in den meisten Fällen nicht notwendig. Bei Schmerzen, die längere Zeit bestehen, und vor allem bei Verdacht auf eine entzündliche Erkrankung können Laboruntersuchungen jedoch zur Feststellung der Ursache beitragen.

Wie werden unspezifische Rückenschmerzen behandelt?

Akute unspezifische Kreuzschmerzen bessern sich meistens von allein.

Die beste Behandlung können Sie selbst durchführen: Bleiben Sie in Bewegung!

  • Halten Sie bei unspezifischen Kreuzschmerzen keine Bettruhe ein.
  • Versuchen Sie, Ihre alltäglichen Tätigkeiten möglichst beizubehalten. Sie sollten möglichst so aktiv sein wie vorher. Wenn Sie noch keinen Sport betreiben, dann nutzen Sie alltägliche Gelegenheiten, um fit zu werden.
  • Ihrem körperlichen Zustand angemessenes Gehen, Schwimmen oder Radfahren trainiert die Muskulatur und stärkt damit Ihren Rücken. Besprechen Sie im Zweifelsfall mit Ihrem Arzt, welche Sportart beziehungsweise welches Leistungsniveau für Sie das Richtige ist. 

Welche Medikamente gegen Rückenschmerzen?

Um "Ihre" Medikamente einem Wirkstoff oder einer Medikamentengruppe zuordnen zu können, können Sie auf dem Beipackzettel nachschauen und herausfinden, um welchen Wirkstoff es sich handelt.

Zur Behandlung von Rückenschmerzen gibt es zahlreiche Medikamente. Die nachstehende Tabelle zeigt eine beispielhafte (nicht vollständige) Auswahl.

GruppeWirkstoff
SchmerzmittelParacetamol

Entzündungshemmer/

Schmerzmittel

Entzündungshemmer/

Schmerzmittel Acetylsalicylsäure

Diclofenac

Ibuprofen

Naproxen

Piroxicam

Opioide

Buprenorphin

Dihydrocodein

Fentanyl

Hydromorphon

Morphin

Oxycodon

Pethidin

Tilidin

Tramadol

Muskelentspannende Medikamente

Methocarbamol

Orphenadrin

Tetrazepam

Tizanidin

Die Schmerzwahrnehmung beeinflussende

Medikamente vom Antidepressiva-Typ

Amitryptilin

Clomipramin

Imipramin

Trimipramin

Duloxetin


Die Techniker kann Ihnen die entsprechenden Handelsnamen aus wettbewerbsrechtlichen Gründen nicht nennen.

Wann Schmerzmittel einnehmen?

Bei unspezifischen Kreuzschmerzen kann es sinnvoll sein, für eine bestimmte Zeit ein Schmerzmittel einzunehmen. Es kann helfen, den Teufelskreis der Schmerzentstehung zu durchbrechen. Es dämpft die Schmerzen und hilft Ihnen, in Bewegung zu bleiben. Die Schmerzmitteleinnahme sollten Sie mit Ihrem Arzt absprechen. Zur Linderung von Rückenschmerzen empfohlen werden:

  • Paracetamol
  • Acetylsalicylsäure
  • Diclofenac
  • Ibuprofen und ähnlich wirkende Stoffe

Wenn diese Medikamente nicht infrage kommen oder wenn sie nicht ausreichend wirken, können Muskelrelaxanzien (muskelentspannende Medikamente) als "Ersatz" oder in Kombination mit schmerzlindernden Medikamenten eingenommen werden.

Bei Bedarf kann der Arzt stärker wirksame Mittel gegen die Schmerzen verordnen, zum Beispiel Opioide.

Zusätzlich kann der Arzt Medikamente verordnen, die die Schmerzwahrnehmung beeinflussen.

Generell sollen Schmerzmittel akute Schmerzzustände überbrücken und Ihnen helfen, möglichst in Bewegung zu bleiben. Sie sind jedoch keine Dauerlösung!

Um größtmögliche Schmerzfreiheit zu erreichen, sollten Sie das Schmerzmittel regelmäßig einnehmen (Menge und Häufigkeit laut Beipackzettel) und nicht erst, wenn der Schmerz besonders stark geworden ist. So können Sie aktiv bleiben und eine Verstärkung der Schmerzen in vielen Fällen verhindern. Dennoch sollten Sie Schmerzmittel grundsätzlich so niedrig dosiert und so kurz wie möglich anwenden, um Nebenwirkungen vorzubeugen.

Einige der Medikamente - zum Beispiel Acetylsalicylsäure, Diclofenac, Ibuprofen und andere - können besonders bei längerem Gebrauch zu Magenblutungen führen. Bei Zeichen für eine Magenblutung, zum Beispiel bei schwarzem Stuhl, sollten Sie die Medikamente nicht mehr einnehmen und Ihren Arzt aufsuchen.

Was bewirken Wärme und Kälte?

Wärme wird von vielen Patienten als angenehm empfunden. Die muskelentspannende Wirksamkeit von Wärme bei Rückenschmerzen konnte auch wissenschaftlich bestätigt werden, zumindest in der Anfangsphase.

Der einfachste Weg, den Rücken warm zu halten, ist winddichte, warme Kleidung. Auch wenn es nicht immer zur Witterung (und zur Mode) passt: Ein dickes langes Unterhemd hält Sie warm.

Einen schmerzlindernden und funktionsverbessernden Effekt haben jedoch nur Wärmepflaster und warme Umschläge. Die Beschwerden bessern sich vor allem dann, wenn die Patienten gleichzeitig in Bewegung bleiben.

Die Anwendung von Wärmekissen oder Wärmedecken scheint dagegen keine Wirkung zu haben, vermutlich weil die zusätzliche Bewegung fehlt.

Beachten Sie bitte: Rheumasalben oder Wärmepflaster können unter Umständen allergische Hautreaktionen verursachen; Rotlicht oder Heizkissen führen bei unsachgemäßem Gebrauch zu Verbrennungen.

Bei chronischen Kreuzschmerzen können Wärme und Kälte möglicherweise ebenfalls hilfreich sein und zumindest das Wohlbefinden steigern, auch wenn die Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist.

Welche sonstigen Maßnahmen gibt es?

Bewegung

Bettruhe und absolute Schonung ist keine geeignete Behandlung für Ihren Rücken. Bettruhe bringt mehr Schaden als Nutzen! Wenn Sie Ihre bisherigen körperlichen Aktivitäten beibehalten, gehen die Kreuzschmerzen schneller wieder zurück, als wenn Sie sich ins Bett legen.

Lediglich in Einzelfällen, zum Beispiel bei sehr starken Schmerzen, kann Bettruhe für wenige Stunden bis wenige Tage notwendig sein.

Ansonsten sollten Sie möglichst genauso aktiv oder aktiver sein, als vor dem Beginn der Schmerzen. Wenn Sie sich vorher wenig bewegt haben, fangen Sie spätestens jetzt damit an. Nutzen Sie alltägliche Gelegenheiten, um fit zu werden. Benutzen Sie die Treppe und nicht den Fahrstuhl, fahren Sie mit dem Fahrrad zur Arbeit, legen Sie kürzere Strecken zu Fuß und nicht mit dem Auto zurück. Ihr gestärkter und gesunder Rücken wird es Ihnen danken!

Bei Bedarf kann Ihr Arzt Schmerzmittel verordnen, damit Sie weitgehend schmerzfrei aktiv sein können.

Massage

Die Massage ist bei Patienten sehr beliebt. In einigen wissenschaftlichen Studien konnte ein positiver Effekt von Massagen bei chronischen Kreuzschmerzen nachgewiesen werden - besonders, wenn sie mit Bewegungsübungen kombiniert wurden.

Massagen eignen sich zur Behandlung von länger bestehenden oder chronischen Rückenschmerzen. Ihre Wirkung bei akuten Kreuzschmerzen wurde bisher nicht untersucht. Besser als eine passive Behandlung ist Ihr eigenes Bewegungstraining!

Krankengymnastik

Ähnlich wie bei Rückenschulungsprogrammen wird bei der Krankengymnastik (Bewegungstherapie, Physiotherapie) versucht, Schäden am Bewegungsapparat, die durch falsche Bewegungsmuster entstanden sind, abzuwenden oder zu mildern.

Streckbehandlungen und Spannungsübungen, entspannende Lagerung und die Einübung normaler und rückenschonender Bewegungsabläufe gehören dazu. Viele Patienten machen mit dieser Therapie gute Erfahrungen.  Bewegungstherapie kommt bei subakuten, also länger als sechs Wochen anhaltenden, und chronischen Kreuzschmerzen zum Einsatz.

Manipulation/Mobilisation

Bei einer Manipulation oder Mobilisation wirkt der Arzt mit seinen Händen auf einzelne Wirbel oder Teile der Wirbelsäule ein. Dadurch löst er Bewegungen der Wirbelgelenke aus. In bestimmten Fällen nehmen die Schmerzen dann ab.

Standardisierte Schulungsprogramme (Rückenschule)

Generell ist Bewegung gut für Sie und für Ihren Rücken! Ein Schulungsprogramm besteht neben bestimmten Muskelübungen normalerweise aus Informationen über Aufbau und Funktion des Rückens und über Belastung des Rückens in verschiedenen Körperhaltungen. Die Teilnahme an solchen Rückenprogrammen ist für Patienten mit länger als sechs Wochen andauernden Kreuzschmerzen sinnvoll. Auch die TK bietet spezielle Rückenprogramme an.

Entspannungsverfahren

Mit Verfahren wie der progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson können die Patienten lernen, sich muskulär und mental zu entspannen. Besteht das Risiko, dass Kreuzschmerzen chronisch werden, oder wenn die Schmerzen bereits chronisch sind, kann das Erlernen von Entspannungsverfahren hilfreich sein.

Ergotherapie

Bei chronischen unspezifischen Kreuzschmerzen können auch ergotherapeutische Maßnahmen sinnvoll sein. Dabei lernen die Patienten bestimmte Bewegungsabläufe und Fähigkeiten, die ihnen bei der Ausführung ihrer täglichen Aktivitäten, sei es im Beruf oder in der Freizeit, helfen.

Psycho- und Verhaltenstherapie

Da Stress und seelische Überforderung zu Muskelverspannungen führen, die sich als Rückenschmerzen äußern können, bestehen zwischen Rückenschmerzen und seelischen Belastungen enge Beziehungen. Daher lassen sich länger anhaltende Rückenschmerzen oft auch durch die Behandlung der Psyche bessern. Die Verhaltenstherapie ist ein psychotherapeutisches Verfahren.

Durch eine Verhaltenstherapie können sich bestehende Angewohnheiten und Einstellungen ändern, die beispielsweise zu einer Verspannung geführt haben. Häufig kommen körperliche Belastung und seelischer Stress zusammen. Diese Methode ist für Patienten geeignet, die über einen längeren Zeitraum unter Rückenschmerzen leiden.

Akupunktur

Die Akupunktur ist eine alte chinesische Behandlungsmethode, die auf dem philosophischen Konzept basiert, dass jede Krankheit ein Zeichen des Ungleichgewichts im Körper zwischen den zwei Kräften Yin und Yang ist. Die Schulmedizin kann den Wirkmechanismus nicht erklären.

Die bisherigen Untersuchungsergebnisse zur Akupunktur bei Rückenschmerzen erlauben keine Schlussfolgerung zur Wirksamkeit dieser Methode bei akuten Kreuzschmerzen. Daher sollte eine Akupunktur bei akuten unspezifischen Kreuzschmerzen nicht erfolgen. Bei chronischen unspezifischen Kreuzschmerzen ist die Wirksamkeit nicht eindeutig nachgewiesen, daher ist die Akupunktur nur eingeschränkt empfehlenswert.

Unwirksame Methoden

Die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) wird auch als Reizstrombehandlung bezeichnet. Dabei wird mithilfe kleiner elektrischer Ströme versucht, die Muskelverspannungen zu lösen und die Beweglichkeit zu verbessern. Allerdings ist ihre Wirksamkeit bei Kreuzschmerzen bisher nicht nachgewiesen. Daher sollte sie nicht zum Einsatz kommen.

Auch die perkutane elektrische Nervenstimulation (PENS), bei der eine elektrische Stimulation über Akupunkturnadeln erfolgt, hat bei Kreuzschmerzen keinen nachgewiesenen Nutzen.

Weitere Methoden, die zwar zur Behandlung von Rückenschmerzen angeboten werden, deren Wirksamkeit aber nicht nachgewiesen ist, sind die Kurzwellendiathermie, die Lasertherapie, die Magnetfeldtherapie und Ultraschall.

Bei der Korsettbehandlung (Lendengurte, Orthesen) wird der Rücken teilweise "geschient", um ihm mehr Stabilität zu geben. Dies soll zu einer Abnahme der Schmerzen führen. Diese Behandlung hat bei langfristiger Anwendung aber den nachteiligen Effekt, die Muskulatur zu schwächen und sollte daher weder bei akuten noch bei chronischen Kreuzschmerzen zum Einsatz kommen.