Wie diese Schmerzen entstehen, lässt sich oft nicht mit letzter Sicherheit sagen. In allen Bereichen des Körpers befinden sich Schmerzfühler, sogenannte Schmerzrezeptoren. Sie reagieren auf unterschiedliche Reize wie beispielsweise Druck, Hitze, Kälte oder körpereigene chemische Substanzen, die Schmerzmediatoren.

Bei einer Gewebeschädigung oder Entzündung werden diese Schmerzmediatoren oder Schmerzrezeptoren aktiviert. Gleichzeitig bilden sich schmerzverstärkende Substanzen, welche die Empfindlichkeit der Schmerzrezeptoren steigern.

Schmerzreize gelangen über Nervenbahnen zunächst ins Rückenmark und von dort weiter ins Gehirn, wo sie weiterverarbeitet beziehungsweise gespeichert werden.

Häufige Ursache von Rückenschmerzen sind Muskelverspannungen. Den Ablauf der Schmerzentstehung kann man am ehesten so erklären: Verspannte, harte Muskeln können in der Nähe liegende Nerven "reizen". Das empfinden wir als Schmerz. Werden die Teile eines Nervs "gereizt", die für entfernte Bereiche verantwortlich sind, können die Schmerzen zum Beispiel bis ins Bein ausstrahlen.

Seltener "drückt" eine verschobene Bandscheibe auf den Nerv. Bandscheiben können sich veranlagungs-, alters- oder belastungsbedingt in ihrer Beschaffenheit verändern. Durch diese Veränderung können sie sich verformen und ihrerseits Nerven "reizen".

Aber: Es findet sich häufig kein Zusammenhang zwischen Verschleißerscheinungen oder der Beschädigung einer Bandscheibe und den Schmerzen des Patienten. Anders ausgedrückt: Es gibt Menschen, die trotz massiver Abnutzungszeichen der Wirbelsäule und der Bandscheiben keine Schmerzen haben, während andere bei leichten oder gar keinen Veränderungen sehr starke Schmerzen empfinden.

Rückenschmerzen sind also individuell sehr unterschiedlich und nur schwer nach einheitlichen Maßstäben messbar.

Ein schmerzender Rücken führt oft in einen Teufelskreis: Um die Schmerzen zu verringern, verspannt sich die Muskulatur, bis die Wirbelsäule "schief" steht. Dadurch wird die andere Rückenseite belastet, die Muskeln verspannen sich und der Rücken schmerzt nun auch auf der bisher schmerzfreien Seite. Schließlich können sogar die Hüften wegen des schiefstehenden Beckens schmerzen.

Wenn dieser Teufelskreis einmal eingesetzt hat, ist der Grund seiner Entstehung nicht mehr so wichtig, denn die Behandlung ändert sich dadurch nicht. Durch eigenes Engagement können Sie viel dazu beitragen, diesen Mechanismus zu durchbrechen:

  • Lassen Sie sich nicht von Ihrem Schmerz leiten, sondern übernehmen Sie das Kommando!
  • Bewegen Sie sich im Alltag (zum Beispiel: Treppe statt Fahrstuhl), werden Sie fit, treiben Sie Sport!  

Wodurch entstehen Muskelverspannungen?  

Muskelverspannungen entstehen zum Beispiel nach regelmäßiger Fehlhaltung oder einseitigen Belastungen der betroffenen Körperteile. Andere Faktoren sind: Bewegungsmangel, Übergewicht, sitzende Tätigkeit.

Auch falsche Hebetechniken - zum Beispiel etwas heben und tragen mit gebeugtem Rücken - und körperliche Schwerarbeit belasten den Rücken. Stress, familiäre oder berufliche Probleme und seelische Belastungen können zu einer permanenten inneren Anspannung führen, die auch zu einer Verspannung der Muskulatur führen können.

Eine längere Bettruhe wird das Ungleichgewicht zwischen verspannten und nicht verspannten Muskeln nur verstärken. Daher ist es besser, die Muskulatur des Rückens durch Bewegung und gegebenenfalls Sport zu kräftigen und zu stärken.

Seltenere Ursachen von Rückenschmerzen

Wesentlich seltener als Verschleißerscheinungen und Muskelverspannungen verursachen andere Auslöser Rückenschmerzen, zum Beispiel:

  • Bandscheibenvorfall
  • Knochenschwund und Brüche der Wirbelkörper aufgrund einer Osteoporose
  • Entzündliches Rheuma
  • Erkrankungen von Gallenblase oder Bauchspeicheldrüse
  • Krankheiten der weiblichen Geschlechtsorgane
  • Nierenerkrankungen
  • Nervenerkrankungen
  • Psychische Erkrankungen
  • Krebserkrankungen
  • Infektionen  

Wie häufig sind Rückenschmerzen? 

Rückenschmerzen sind häufig: Drei von vier Deutschen leiden mindestens einmal im Leben daran. Rückenschmerzen gehören zu den häufigsten Ursachen für Arbeitsunfähigkeit (Krankschreibungen).

Die einzelnen Wirbelsäulenabschnitte werden unterschiedlich stark belastet. Deswegen sind sie auch unterschiedlich häufig von Beschwerden betroffen: die Lendenwirbelsäule zu etwa zwei Dritteln (= Kreuzschmerzen) und die Halswirbelsäule zu etwa einem Drittel. Nur in etwa zwei Prozent der Fälle ist die Brustwirbelsäule betroffen.

Warum bekommen manche Menschen immer wieder Rückenschmerzen?  

Die akuten Rückenschmerzen verschwinden bei den meisten Patienten nach etwa zwei Wochen wieder. Lediglich einer von zehn Betroffenen hat nach zwölf Wochen noch Beschwerden.

Es kann jedoch passieren, dass Sie nach einigen Wochen, Monaten oder Jahren erneut Rückenschmerzen bekommen. Genau wie die erste, sind auch alle folgenden Schmerzattacken unangenehm, aber normalerweise ungefährlich. Auch wiederkehrende Schmerzen bedeuten nicht, dass Ihr Rücken dauerhaft geschädigt ist.

Um wiederkehrenden Schmerzattacken vorzubeugen, sollten Sie sich regelmäßig bewegen. Es ist sinnvoll, die gelernten Bewegungsübungen, die Bewegung im Alltag oder die angefangene Sportart weiterzuführen, auch wenn es Ihnen wieder gut geht.