Was ist Gelenkrheuma (chronische Polyarthritis)?

Es gibt eine Vielzahl von rheumatischen Erkrankungen. Doch wenn von "Rheuma" gesprochen wird, ist meist die rheumatoide Arthritis gemeint. Sie wird auch als chronische Polyarthritis bezeichnet und ist die häufigste entzündlich-rheumatische Erkrankung. Bei einer rheumatoiden Arthritis sind in der Regel mehrere Gelenke dauerhaft entzündet. Dadurch können sie sich allmählich verformen und versteifen. Mit der Zeit nimmt auch die Muskelkraft ab.

 

Bei fortgeschrittenem Rheuma können einfache Tätigkeiten wie die Körperpflege, das Essen mit Messer und Gabel oder das Schließen von Knöpfen schwer fallen. Neben den Einschränkungen der Beweglichkeit können Schmerzen und Abgeschlagenheit sehr belastend werden. Die Erkrankung kann auch andere Bereiche des Körpers beeinträchtigen, etwa die Blutgefäße oder bestimmte Organe.

 

Eine rheumatoide Arthritis schreitet meist über viele Jahre langsam voran. Verschiedene Behandlungen können die Schmerzen lindern und das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamen. Um Gelenkschäden vorzubeugen, versucht man, die Erkrankung früh zu erkennen und zu behandeln.

 

Welche Beschwerden verursacht Gelenkrheuma?

Typische erste Anzeichen für Rheuma sind Schwellungen an einzelnen Gelenken, die zu Gelenkschmerzen und -steife führen, vor allem an den Fingermittel- und Fingergrundgelenken. Mit der Zeit können weitere rheumatypische Beschwerden wie Kraftlosigkeit hinzukommen. Allerdings äußert sich die Erkrankung nicht immer so: Bei manchen Menschen macht sie sich zunächst durch allgemeine Beschwerden bemerkbar, zum Beispiel durch Müdigkeit oder Appetitlosigkeit, manchmal auch leichtes Fieber.

 

Zu den rheumatypischen Symptomen gehören:

  • Warme, geschwollene Gelenke: In der Regel schwellen auf beiden Seiten des Körpers die gleichen Gelenke an, zum Beispiel die Fingergelenke der rechten und der linken Hand.
  • Schmerzende Gelenke
  • Steife Gelenke: Nach längeren Ruhepausen, besonders morgens nach dem Aufstehen, sind die Gelenke steif. In der Regel werden sie erst nach über einer Stunde oder nach längerer Bewegung wieder beweglich.
  • Kraftlosigkeit: Schmerzende, steife Gelenke werden häufig nicht mehr so viel bewegt. Dadurch kann mit der Zeit auch die Muskulatur schwächer werden.
  • Erschöpfung: Rheuma ist eine entzündliche Erkrankung, die den ganzen Körper betrifft. Daher führt sie häufig zu Müdigkeit, allgemeinem Schwächegefühl und manchmal zu tiefgehender Erschöpfung ("Fatigue").
  • Rheumaknoten: Wenn die Erkrankung fortschreitet, bilden sich manchmal kleine harte Knötchen unter der Haut. Diese Rheumaknoten sind meist unempfindlich gegenüber Druck oder Berührungen.

Die rheumatypischen Symptome unterscheiden sich von Mensch zu Mensch: So können verschiedene Gelenke betroffen sein, oder es sind jeweils andere Beschwerden, die am meisten Probleme verursachen.

 

Verdickte oder steife Fingerendgelenke sind sehr häufig. Sie haben aber in der Regel nichts mit einer rheumatoiden Arthritis zu tun, sondern deuten eher auf eine bestimmte Form von Arthrose hin. Rheumatoide Arthritis und Arthrose werden häufig miteinander verwechselt. Doch die rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Erkrankung, während Arthrose durch Verschleiß bedingt ist. Auch die Behandlung und der Verlauf dieser beiden Erkrankungen unterscheiden sich deutlich voneinander.

Wie kommt es zu Gelenkrheuma und wie häufig ist die Krankheit?

Die rheumatoide Arthritis gehört zu den sogenannten Autoimmunerkrankungen. Von einer solchen Erkrankung spricht man, wenn das Immunsystem den eigenen Körper angreift. Das Abwehrsystem unterscheidet normalerweise zwischen körpereigenen und körperfremden Zellen, Organismen und Stoffen. Dadurch schützt es den Körper vor Krankheitserregern und anderen schädlichen Substanzen.

 

Bei Menschen mit einer Autoimmunerkrankung funktioniert dieser Mechanismus nicht mehr richtig: Das Abwehrsystem bewertet bestimmte körpereigene Zellen irrtümlich als Fremdstoffe und greift sie an. Entzündungsreaktionen sind die Folge. Bei Menschen mit rheumatoider Arthritis sind insbesondere die Gelenke von einer Autoimmunreaktion betroffen.

 

Ob jemand eine rheumatoide Arthritis bekommt oder nicht, scheint unter anderem mit der genetischen Veranlagung zu tun zu haben. Es gibt auch Theorien, nach denen Autoimmunreaktionen durch eine Infektion mit bestimmten Viren oder Bakterien ausgelöst werden können. Die Krankheitsprozesse bei Rheuma sind jedoch sehr kompliziert und man versteht sie bislang nicht vollständig.

 

Rauchen trägt zur Entstehung einer rheumatoiden Arthritis bei und kann auch den Verlauf der Erkrankung ungünstig beeinflussen. Andere Risikofaktoren, die sich durch das eigene Verhalten beeinflussen lassen, sind nicht bekannt.

 

In Deutschland hat ungefähr einer von 100 Menschen eine rheumatoide Arthritis. Frauen erkranken doppelt so häufig daran wie Männer. Meist tritt die Krankheit nach dem 50. Lebensjahr auf. Es gibt aber auch relativ viele Menschen, die bereits früher an rheumatoider Arthritis erkranken. Gerade Frauen bekommen öfter schon in jüngeren Jahren Rheuma. Manchmal tritt die Erkrankung bereits im Jugendalter auf.

 

Wie sind Verlauf und Folgen der Krankheit?

In der Regel tritt Rheuma zunächst an den Finger-, Hand- oder Zehengelenken auf, manchmal auch an den Ellbogen, Knöcheln oder Knien. Meistens sind dabei beide Seiten des Körpers betroffen. Auch rumpfnahe Gelenke können sich entzünden, zum Beispiel die Schultern oder das Schlüsselbein.

 

Eine rheumatoide Arthritis kann unterschiedlich verlaufen. Eine Studie, an der Menschen mit rheumatoider Arthritis teilnahmen, zeigte beispielsweise Folgendes: Zehn Jahre nach Beginn der Erkrankung berichteten

  • knapp 50 % der Teilnehmenden von leichten Einschränkungen durch die rheumatoide Arthritis,
  • gut 40 % von mittelschweren Einschränkungen und
  • etwa 10 % von erheblichen Einschränkungen im Alltag.

Dies können zum Beispiel Schwierigkeiten beim Aufstehen, Anziehen oder bei der Zubereitung von Essen sein, etwa beim Öffnen von Verpackungen, Flaschen oder Gläsern.

 

Die Beschwerden können mit der Zeit langsam zunehmen oder sich lange Zeit nicht verändern. Sie können aber auch in Schüben auftreten. Das heißt, dass Entzündung und Schmerzen plötzlich stärker werden, aber nach einer Zeit auch wieder nachlassen.

 

Folgen der Krankheit

Im Spätstadium der Erkrankung können bei einigen Menschen neben den Gelenken andere Bereiche des Körpers betroffen sein. Die Entzündungsprozesse können auch die Blutgefäße beeinträchtigen und dadurch Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen. Dies ist allerdings relativ selten und hängt auch davon ab, ob jemand aus anderen Gründen bereits ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat - etwa aufgrund von Übergewicht oder Bluthochdruck.

 

Auch die Tränen- oder Speicheldrüsen können betroffen sein. Das führt zu einer verminderten Tränen- oder Speichelbildung. In sehr seltenen Fällen können auch Organe wie die Lunge, Leber oder Nieren beeinträchtigt werden.

 

Wie wird Gelenkrheuma festgestellt und wie erkennt man Rheuma im Frühstadium?

Eine rheumatoide Arthritis frühzeitig festzustellen, kann schwierig sein. Denn in den ersten Wochen bis Monaten sind die Symptome oft nur wenig ausgeprägt und nicht unbedingt typisch. Dennoch wird versucht, Rheuma möglichst früh zu erkennen und zu behandeln. Man geht davon aus, dass sich das Fortschreiten der Erkrankung bei einem frühen Behandlungsbeginn eher aufhalten lässt.

 

Zu den eher unbestimmten Beschwerden im Frühstadium gehören zum Beispiel allgemeine Schwäche, Abgeschlagenheit, Müdigkeit und Gewichtsverlust. Auch eine leicht erhöhte Körpertemperatur sowie Muskel- und Knochenschmerzen können erste Krankheitszeichen sein. Es können aber auch schon rheumatypische Beschwerden wie geschwollene Gelenke auftreten.

 

Wenn eher unbestimmte Beschwerden Sorgen machen, ist dies ein Grund, mit einem Arzt zu sprechen. Eine genauere Untersuchung auf Rheuma wird spätestens dann empfohlen, wenn

  • drei oder mehr Gelenke über einen Zeitraum von mindestens sechs Wochen geschwollen sind,
  • auf beiden Körperseiten die gleichen Gelenke geschwollen sind und/oder
  • die Gelenke morgens mindestens eine Stunde steif sind.

 

Rheuma im Frühstadium erkennen

Wenn es Anzeichen für eine rheumatoide Arthritis gibt, kommen folgende Untersuchungen infrage, um den Verdacht abzuklären:

  • Antikörper im Blut: Wenn bei einem Bluttest bestimmte Antikörper festgestellt werden, kann dies auf eine rheumatoide Arthritis hinweisen. Dazu gehören die sogenannten Rheumafaktoren und die "Antikörper gegen citrullinierte Peptide/Proteine" (ACPA).
  • Akute Entzündungsreaktionen: Durch Bluttests können akute Entzündungsreaktionen im Körper nachgewiesen werden. Zum einen lässt sich das C-reaktive Protein (CRP) bestimmen. Dieses Eiweiß setzt der Körper bei Entzündungen in erhöhtem Maße frei. Zum anderen kann die Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) gemessen werden. Sie gibt an, wie schnell sich die roten Blutkörperchen in einem Reagenzglas am Boden absetzen. Der BSG-Wert kann ebenfalls Hinweise auf Entzündungen liefern, da die roten Blutkörperchen bei Entzündungen schneller sinken.
  • Bildgebende Verfahren: Mit einer Ultraschall- oder Röntgenuntersuchung lässt sich feststellen, ob bereits Gelenke verändert sind. Unter Umständen werden auch Verfahren wie die Magnetresonanztherapie oder Szintigrafie angewendet. Im Frühstadium sind aber häufig noch keine Gelenkveränderungen sichtbar.

Wenn mehrere Anzeichen zusammenkommen, ist es wahrscheinlicher, dass es sich tatsächlich um eine rheumatoide Arthritis handelt. Gelenke können aber auch aus anderen Ursachen entzündet sein. Und Blutuntersuchungen allein haben zur Diagnose einer frühen rheumatoiden Arthritis nur eine begrenzte Aussagekraft - sie können auch aus anderen Gründen verändert sein.

 

Wie wird Gelenkrheuma behandelt?

Eine rheumatoide Arthritis wird mit Medikamenten und nicht-medikamentösen Verfahren wie Physiotherapie (Krankengymnastik) behandelt. Zudem gibt es verschiedene Hilfsmittel, die Alltagstätigkeiten erleichtern sollen. Welche Behandlungen infrage kommen, hängt zum Beispiel davon ab, wie stark die Entzündung und die Beschwerden sind, wie weit die Erkrankung fortgeschritten ist, wie ihr Verlauf eingeschätzt wird - und wie gut bisherige Behandlungen geholfen haben.

 

Verschiedene Medikamente können

  • die Entzündung hemmen und das Fortschreiten der Erkrankung verzögern,
  • Symptome wie Schmerzen und Schwellungen lindern sowie
  • die Gelenkfunktion verbessern oder zumindest möglichst lange erhalten.

Heilen lässt sich die Erkrankung bislang nicht.

 

Physiotherapie und Sport sollen helfen, die Beweglichkeit, Kraft und Gelenkfunktion zu verbessern oder zu erhalten. In einer Ergotherapie geht es vor allem darum, die Beweglichkeit und Muskelkraft der Hände zu erhalten und zu lernen, wie man im Alltag mit der Erkrankung zurechtkommen kann. Daneben eignen sich für Menschen mit Rheuma viele Sportarten wie etwa Radfahren, Walking, Tanzen, Gymnastik, Kräftigungsübungen, Schwimmen und Wassergymnastik.

 

Psychologische Verfahren werden eingesetzt, um Schmerzen und Einschränkungen im alltäglichen Leben besser bewältigen zu können. Außerdem sollen sie helfen, krankheitsbedingte Ängste und Depressionen zu lindern.

 

Wenn die Erkrankung mit körperlichen Einschränkungen einhergeht, gibt es Hilfsmittel, die diese ausgleichen und bei alltäglichen Tätigkeiten helfen sollen. Dazu gehören zum Beispiel orthopädische Einlagen, Greifhilfen und speziell geformtes Besteck.

 

Welche Medikamente kommen bei rheumatoider Arthritis klassischerweise zum Einsatz?

Bei einer rheumatoiden Arthritis werden unterschiedliche Medikamente eingesetzt, um die Symptome zu lindern, die entzündlichen Prozesse zu hemmen und die Funktion der Gelenke möglichst lange zu erhalten. Es wird zwischen einer symptomatischen Therapie und einer krankheitsmodifizierenden Behandlung unterschieden:

  • Symptomatische Therapie: Die symptomatische Behandlung zielt darauf ab, Schmerzen und Entzündungen durch verschiedene Medikamente zu lindern. Dazu gehören insbesondere nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR), Paracetamol und Kortison (Glukokortikoide).
  • Krankheitsmodifizierende Behandlung: Diese Medikamente werden unabhängig von akuten Beschwerden regelmäßig und dauerhaft angewendet. Daher werden sie oft auch als Basistherapie bezeichnet. Nach der englischen Bezeichnung "Disease-Modifying-Anti-Rheumatic-Drugs" werden sie manchmal auch kurz "DMARDs" genannt. Krankheitsmodifizierende Medikamente hemmen die Entzündungsprozesse, die bei Rheuma in den Gelenken stattfinden. Dadurch können sie das Fortschreiten der Erkrankung günstigenfalls aufhalten oder zumindest verzögern und dadurch Gelenkschäden vorbeugen. Die Wirkung von DMARDs wird oft erst nach etwa ein bis vier Monaten spürbar. Es wird zwischen "klassischen" und "biologischen" krankheitsmodifizierenden Medikamenten unterschieden.

Klassische DMARDs

Klassische krankheitsmodifizierende Medikamente werden bereits seit Jahrzehnten eingesetzt. Die unterschiedlichen Wirkstoffe unterscheiden sich deutlich in ihrem Wirkungsmechanismus. Wenn ein Mittel nicht anschlägt oder nicht vertragen wird, bietet eines der anderen Medikamente oft eine Alternative. Denn welches Medikament bei wem wirkt, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Die Mittel unterscheiden sich auch in ihren möglichen Nebenwirkungen. Dies spielt bei der Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Medikament ebenfalls eine Rolle.

 

Einige Mittel können während einer Schwangerschaft eingesetzt werden, andere nicht. Da bestimmte Mittel zu Fehlbildungen am Ungeborenen führen können, ist es wichtig, während ihrer Einnahme ausreichend zu verhüten. Auch Männer mit Kinderwunsch müssen auf bestimmte Medikamente verzichten.

 

In Deutschland werden überwiegend folgende klassische DMARDs eingesetzt:

  • Azathioprin
  • Ciclosporin A
  • Goldsalze
  • (Hydroxy)Chloroquin
  • Leflunomid
  • Methotrexat (MTX)
  • Sulfasalazin

Von allen klassischen krankheitsmodifizierenden Medikamenten scheint Methotrexat langfristig am besten verträglich zu sein. Daher wird es in der Regel als "Mittel der ersten Wahl" eingesetzt. Methotrexat ist eigentlich ein Mittel aus der Krebstherapie, das unter anderem die Aktivität von Abwehrzellen unterdrückt - und dadurch auch die Entzündungsreaktionen bei Rheuma hemmt. Dass es sich um ein Krebsmedikament handelt, mag zunächst abschreckend klingen. Es wird in der Rheuma-Behandlung jedoch in einer viel niedrigeren Dosierung eingesetzt.

 

Studien zu klassischen DMARDs

Studienergebnisse zeigen, dass klassische krankheitsmodifizierende Medikamente Gelenkschäden vorbeugen und Beschwerden lindern können. In Studien zum Nutzen von Rheumamitteln geht man davon aus, dass die Behandlung hilft, wenn die Gelenkschwellungen zurückgehen und mindestens drei der folgenden Besserungen eintreten:

  • Schmerzen lassen nach.
  • Entzündungsreaktionen gehen zurück.
  • Die Funktion der Gelenke verbessert sich.
  • Der Gesundheitszustand wird insgesamt besser bewertet.

Beispielsweise zeigt eine Auswertung von Studien zu Leflunomid über einen Zeitraum von einem Jahr folgende Ergebnisse:

  • Von 100 Menschen, die ein klassisches krankheitsmodifizierendes Medikament nahmen, hatten 34 deutlich weniger Beschwerden.
  • Von 100 Menschen, die zum Vergleich ein Scheinmedikament (Placebo) nahmen, hatten 8 deutlich weniger Beschwerden.

Die Medikamente bewirkten also, dass es insgesamt 26 von 100 Menschen deutlich besser ging. Auch Beschwerden wie Morgensteifigkeit ließen bei deutlich mehr Menschen nach, wenn sie ein klassisches krankheitsmodifizierendes Medikament nahmen.

 

Ob ein bestimmtes Mittel dieser Medikamentengruppe besser hilft als andere, ist nicht sehr gut untersucht. Da Medikamente ohnehin bei unterschiedlichen Personen verschieden wirken, kann es eine Weile dauern, bis man das passende Medikament gefunden hat.

 

Nebenwirkungen klassischer DMARDs

Klassische krankheitsmodifizierende Medikamente können je nach Mittel verschiedene Nebenwirkungen haben. Mögliche Nebenwirkungen der einzelnen Substanzen sind:

  • Methotrexat: Magenverstimmungen, Übelkeit, Benommenheit und Entzündung der Mundschleimhaut
  • Sulfasalazin: Magenverstimmungen, Übelkeit, Erbrechen, Lichtempfindlichkeit, Hautausschlag, Juckreiz und Kopfschmerzen
  • Leflunomid: Durchfall, Haarausfall und Hautausschlag
  • (Hydroxy)Chloroquin: Magenverstimmungen, Übelkeit, Erbrechen, Sehstörungen
  • Goldsalze: Hautausschlag und Jucken, Entzündungen der Magenschleimhaut

Magen-Darm-Probleme treten gerade zu Beginn der Einnahme bei vielen Wirkstoffen recht häufig auf. Wer ein klassisches krankheitsmodifizierendes Medikament nimmt, hat auch öfter mit Infektionen zu tun. Andere Nebenwirkungen sind seltener. Beispielsweise haben weniger als 10 von 100 Menschen während der Einnahme von Leflunomid Haarausfall. In sehr seltenen Fällen können die Medikamente auch ernsthafte Nebenwirkungen haben wie etwa Entzündungen, Blutbildveränderungen oder Leberschäden. Um solche Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen, werden regelmäßig Blut- und Urinwerte kontrolliert, wenn jemand ein solches Medikament nimmt. Wenn Nebenwirkungen auftreten, ist es wichtig, mit dem Arzt darüber zu sprechen.

 

Biologika

Diese Medikamente werden manchmal auch biologische DMARDs genannt. Sie werden durch lebende Zellkulturen gewonnen und hemmen zum Beispiel bestimmte Signalstoffe des körpereigenen Abwehrsystems wie den sogenannten Tumor-Nekrose-Faktor. Dadurch beeinflussen sie ebenfalls die Entzündungsprozesse, die bei Rheuma auftreten. Biologika kommen für Menschen infrage, bei denen eine Behandlung mit klassischen krankheitsmodifizierenden Medikamenten nicht ausreichend hilft. In der Regel werden sie mit Methotrexat kombiniert. Wer Methrotrexat nicht verträgt, kann die Behandlung auch direkt mit einem Biologikum beginnen. Alle bislang zugelassenen Biologika werden gespritzt oder als Infusion gegeben. Man kann sich diese Medikamente auch selbst unter die Haut spritzen.

 

Die in Deutschland zugelassenen biologischen krankheitsmodifizierenden Medikamente sind:

  • Abatacept
  • Adalimumab
  • Anakinra
  • Certolizumab pegol
  • Etanercept
  • Golimumab
  • Infliximab
  • Rituximab
  • Tocilizumab

Biologika können Schmerzen, Schwellungen und Morgensteifigkeit lindern und helfen auch bei Abgeschlagenheit. Auch sie können allerdings verschiedene Nebenwirkungen haben. An den Einstichstellen der Spritze oder Infusion kann es zu Hautausschlag, Juckreiz oder Schmerzen kommen. Auch Infektionen sind möglich. Da die Medikamente noch nicht sehr lange zugelassen sind, ist nicht so viel über ihre langfristige Sicherheit bekannt wie bei den Basistherapeutika.

 

Welche Medikamente können die Beschwerden zusätzlich lindern?

Neben den krankheitsmodifizierenden Medikamenten gibt es eine Reihe von Mitteln, die die Symptome einer rheumatoiden Arthritis lindern können. Diese Medikamente können zusätzlich eingesetzt werden.

 

Nicht-steroidale Antirheumatika (NSAR)

NSAR sind entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente. Sie können Gelenkschmerzen lindern und Schwellungen verringern. Häufig bei Rheuma eingesetzte NSAR sind Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen. Zwei weitere, relativ oft eingesetzte Medikamente aus dieser Gruppe sind Celecoxib und Etoricoxib. In ihrer Wirksamkeit unterscheiden sich die NSAR nicht grundsätzlich voneinander. Doch nicht jedes Mittel wirkt bei jedem Menschen gleichermaßen.

 

NSAR können bei langfristiger Einnahme Magengeschwüre verursachen. Ein Magengeschwür macht sich in der Regel durch drückende Schmerzen im Oberbauch bemerkbar, die vor allem nach dem Essen auftreten, wenn der Magen mehr Säure produziert. Manchmal bleibt ein Geschwür aber auch unbemerkt und wird erst festgestellt, wenn es zu ernsthaften Komplikationen wie einer Magenblutung kommt. Die meisten Menschen vertragen NSAR aber gut. Magengeschwüre oder Blutungen treten bei ungefähr ein bis zwei von 100 Personen auf, die über ein Jahr NSAR nehmen. Dies ist jedoch nur ein Durchschnittswert. Bei jüngeren Menschen ohne Risikofaktoren ist diese Gefahr wesentlich geringer. Ein erhöhtes Risiko haben Menschen, die

  • über 65 Jahre alt sind,
  • bereits ein Magengeschwür hatten,
  • ein bestimmtes Medikament gegen Depressionen nehmen (Antidepressivum aus der Gruppe der selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer, SSRI),
  • Kortison nehmen oder
  • mehrere NSAR anwenden, zum Beispiel auch ASS zum Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Celecoxib und Etoricoxib führen wesentlich seltener zu Magengeschwüren als die anderen in Deutschland zugelassenen NSAR. Dies gilt allerdings nur für Menschen, die nicht zusätzlich ASS nehmen.

 

Mit Ausnahme von ASS können NSAR zudem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte erhöhen. Dies zeigte eine Auswertung von Studien mit über 115.000 Personen, die längerfristig NSAR einnahmen. Von allen NSAR war Naproxen am sichersten. Daher wird dieses Mittel Menschen mit Rheuma empfohlen, wenn sie zugleich eine Herz-Kreislauf-Erkrankung haben.

 

Im Juli 2013 informierten die Hersteller von Diclofenac-Präparaten darüber, dass Medikamente mit diesem Wirkstoff von Menschen mit bekannter Herzschwäche oder koronarer Herzkrankheit nicht eingenommen werden sollten. Das Gleiche gilt für Menschen mit Durchblutungsstörungen der Beine und der Hirngefäße. Die Hersteller empfehlen außerdem Menschen mit Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie einem erhöhten Blutdruck, erhöhten Blutfetten, Diabetes mellitus sowie Rauchern, die Anwendung von Diclofenac gemeinsam mit ihrem Arzt sorgfältig abzuwägen.

 

Für Menschen mit Nierenerkrankungen können NSAR unter Umständen ebenfalls problematisch sein. Wer NSAR in Erwägung zieht, kann mit einem Arzt besprechen, welches Mittel sich im Einzelfall eignet.

 

Auch für Menschen mit einem erhöhten Risiko für Magengeschwüre ist eine Behandlung mit NSAR nicht ausgeschlossen. Denn wenn NSAR zusammen mit Mitteln zum Schutz der Magenschleimhaut eingenommen werden, sinkt das Risiko für Komplikationen. Zu diesen schützenden Mitteln gehören insbesondere die Protonenpumpenhemmer.

 

Um Nebenwirkungen zu vermeiden, ist außerdem eine möglichst niedrige Dosierung sinnvoll. Denn höhere Dosierungen sind nicht unbedingt wirksamer, führen aber häufiger zu Nebenwirkungen. Das Risiko von Nebenwirkungen ist auch geringer, wenn jemand ein Mittel nur bei Bedarf nimmt, also zum Beispiel bei einem Krankheitsschub.

 

Paracetamol

Das Schmerzmittel Paracetamol hat nur eine schwache entzündungshemmende Wirkung. Es gilt als gut verträglich und kann insbesondere für Menschen eine Alternative sein, für die NSAR nicht infrage kommen. Allerdings kann Paracetamol in höherer Dosierung Leber und Nieren schädigen. Daher sollen Erwachsene laut Beipackzettel eine Höchstmenge von vier Gramm (4.000 Milligramm) pro Tag nicht überschreiten. Dies entspricht zum Beispiel acht Tabletten mit je 500 Milligramm Paracetamol. Zudem wird empfohlen, zwischen der Einnahme der Tabletten einen Abstand von mindestens sechs Stunden einzuhalten. Die maximale Tagesdosis wäre also erreicht, wenn jemand über einen Tag verteilt im Abstand von sechs Stunden jeweils zwei Tabletten mit je 500 Milligramm Paracetamol einnimmt.

 

Glukokortikoide (Kortison)

Glukokortikoide wie zum Beispiel Prednisolon (auch Prednison genannt) wirken entzündungshemmend. Sie helfen bei Schmerzen und Gelenkschwellungen. Ihre Wirkung setzt schnell ein und ist stärker als die von NSAR. Glukokortikoide können allerdings auch eine Reihe von ernsthaften Nebenwirkungen haben, wenn sie längerfristig eingenommen werden. Unter anderem können sie dann das Risiko für Knochenbrüche erhöhen und Infektionen auslösen. Um Knochenbrüche zu vermeiden, werden sie mit anderen Mitteln kombiniert, etwa mit Kalzium- oder Vitamin-D-Präparaten.

 

Wegen ihrer möglichen Nebenwirkungen werden Glukokortikoide möglichst niedrig dosiert. In höheren Dosierungen werden sie nur kurzfristig über einige Wochen bis Monate angewendet. Sie können zum Beispiel hilfreich sein, um die Zeit zu überbrücken, bis die Basistherapie mit krankheitsmodifizierenden Medikamenten wirkt. Sie können auch zur vorübergehenden Behandlung von Rheumaschüben eingesetzt werden.

 

Glukokortikoide werden auch in Kombination mit DMARDs eingesetzt, weil sie deren bremsende Wirkung auf die Gelenkzerstörung möglicherweise verstärken. Die entsprechenden Studien sind jedoch nicht eindeutig. Auch die Frage, wie lange und in welcher Dosierung die Behandlung mit Glukokortikoiden sinnvoll ist, bleibt noch offen.

 

Glukokortikoide können zudem als örtliche Behandlung in einzelne Gelenke gespritzt werden, um stärker entzündete Gelenke gezielt zu behandeln. Das Risiko von Nebenwirkungen, die den gesamten Körper betreffen, ist bei dieser Anwendung geringer. Trotzdem können örtliche Nebenwirkungen auftreten, wie eine Infektion im betroffenen Gelenk. Leider gibt es bislang nur wenige aussagekräftige Studien, in denen die Vor- und Nachteile solcher Spritzen untersucht wurden. Daher lässt sich nicht genau sagen, was Menschen mit Rheuma von ihnen erwarten können.

 

Wie werden die Medikamente eingesetzt?

Welche Medikamente für jemanden infrage kommen, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Zum Beispiel davon, wie der Verlauf der rheumatoiden Arthritis eingeschätzt wird, wie weit sie fortgeschritten ist und ob bestimmte Mittel nicht eingenommen werden können, etwa aufgrund anderer Erkrankungen.

 

In der Regel beginnt die Behandlung als Basistherapie mit Methotrexat. Üblicherweise wird dieses klassische krankheitsmodifizierende Medikament einmal pro Woche in einer Dosierung von 15 Milligramm eingenommen. Da es einige Zeit dauern kann, bis Methotrexat wirkt, werden die Beschwerden anfangs häufig mit dem Glukokortikoid Prednisolon gelindert. Nach einigen Wochen wird kontrolliert, ob die Behandlung hilft und vielleicht die Dosierung angepasst. Dazu werden körperliche Untersuchungen, Bluttests und manchmal auch Röntgenbilder gemacht.

 

Wenn sich bei einer erneuten Kontrolle herausstellt, dass die Gelenke noch immer stark entzündet sind, kann Methotrexat mit einem anderen klassischen krankheitsmodifizierenden Medikament kombiniert werden. Zeigt sich nach einigen Monaten, dass auch dies nicht ausreicht, kommt eine Behandlung mit Methotrexat und einem Medikament aus der Gruppe der Biologika infrage. Auch das Biologikum kann gewechselt werden, wenn sich ein bestimmtes Präparat als unwirksam erweist. Falls die Methotrexat-Therapie nicht fortgesetzt werden kann, weil das Mittel nicht vertragen wird, lässt sich die Behandlung auch mit einem Biologikum allein fortsetzen.

 

Die langfristige Behandlung mit einem krankheitsmodifizierenden Medikament soll Gelenkschäden möglichst verhindern oder lange hinauszögern. Manche Menschen müssen irgendwann das Mittel wechseln, weil sie es nicht gut vertragen oder weil es nicht mehr ausreichend wirkt. Einigen Menschen helfen krankheitsmodifizierende Medikamente aber auch nicht spürbar, sodass sie die Therapie mit diesen Mitteln beenden.

 

NSAR, Paracetamol und Glukokortikoide werden vor allem eingesetzt, um akute Beschwerden wie Schmerzen zu lindern. Sie werden oft nur vorübergehend angewendet, zum Beispiel bei akuten Schüben. Wenn jemand die Erkrankung durch krankheitsmodifizierende Medikamente gut im Griff hat, wird die Behandlung mit symptomlindernden Medikamenten meist soweit wie möglich reduziert.

 

Umgang mit den Medikamenten

Viele Menschen haben Angst, dass eine langfristige Medikamenteneinnahme dem Körper schaden könnte. Sie fürchten etwa, dass die Medikamente sich im Körper ansammeln oder abhängig machen könnten. Für solche Befürchtungen gibt es medizinisch jedoch keinen Grund. Der Körper verfügt über Mechanismen, um Medikamente abzubauen. Zudem machen die Mittel, die bei Rheuma eingesetzt werden, nicht abhängig.

 

Nicht alle Menschen vertragen die Medikamente gleich gut. Und auch ernsthafte Nebenwirkungen lassen sich nicht immer ausschließen, auch wenn das Risiko hierfür sehr gering ist. Viele Menschen akzeptieren dies, weil sie merken, dass ihnen die Behandlung hilft und sie im Alltag mit der Erkrankung besser zurechtkommen. Das zeigt sich auch in Studien zu krankheitsmodifizierenden Medikamenten: Menschen, die krankheitsmodifizierende Medikamente nehmen, setzen die Behandlung häufiger fort als Menschen, die ein Scheinmedikament ohne Wirkstoff anwenden.

 

Welche Hilfsmittel gibt es für Erkrankte und wer übernimmt die Kosten?

Von Gehhilfen über Anziehhilfen bis hin zu speziellem Besteck: Für Menschen mit Rheuma gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die das tägliche Leben erleichtern können. In vielen Fällen können die Kosten von der Krankenkasse übernommen werden.

 

Bei einer rheumatoiden Arthritis sind bestimmte Gelenke dauerhaft entzündet. Sie können anschwellen, schmerzen und mit der Zeit Fehlstellungen entwickeln oder versteifen. Mit der Zeit lässt dadurch auch die Muskelkraft nach. Dies äußert sich zum Beispiel dadurch, dass die Finger schwächer werden und sich die Faust nicht mehr richtig schließen lässt. Dann ist es unter Umständen nicht mehr möglich, Gegenstände in der Hand zu halten. Die entzündeten Gelenke können sich zudem allmählich verformen, was die Beweglichkeit weiter einschränkt oder sogar unmöglich macht. Eine rheumatoide Arthritis schreitet meist über viele Jahre langsam voran. Selbst einfache Tätigkeiten wie das Anziehen oder Essen und Trinken können beschwerlich werden.

 

Um das Leben mit Rheuma zu erleichtern, wurde eine ganze Reihe von Hilfsmitteln entwickelt. Sie sollen körperliche Einschränkungen ausgleichen und bei alltäglichen Verrichtungen helfen. Ergotherapeutinnen und -therapeuten beraten zu verschiedenen Hilfsmitteln und helfen auch dabei, den Umgang mit ihnen zu erlernen. Auch Ärzte verschiedener Fachrichtungen wie Orthopädie, Rheumatologie und Geriatrie kennen sich mit Hilfsmitteln aus. Reha-Kliniken geben ebenfalls Informationen zu Hilfsmitteln. Dort kann man sie auch ausleihen und ausprobieren, denn nicht jedes Hilfsmittel eignet sich für jeden Menschen mit Rheuma gleich gut.

 

Hilfsmittel haben ganz verschiedene Aufgaben und können bei unterschiedlichen Tätigkeiten eingesetzt werden:

  • Gehen und Stehen: Orthopädische Hilfsmittel wie Schuheinlagen und spezielle orthopädische Schuhe sollen die Fußstellung im Schuh verändern und dadurch die Fußgelenke entlasten. Gehhilfen wie gut zu greifende Gehstöcke, Gehgestelle und Rollatoren können die Fortbewegung in und außerhalb der Wohnung erleichtern.
  • Essen und Trinken: Messer, Gabeln und Löffel mit besonders großen Griffen aus Gummi oder Schaumstoff, lassen sich leichter greifen und festhalten. Abgewinkelte Messer können das Schneiden erleichtern, speziell geformte Dosen- und Flaschenöffner das Öffnen. Es werden auch spezielle Trinkgefäße sowie Halter für Becher und Gläser angeboten.
  • Anziehen: Verschiedene Arten von Anziehhilfen sollen dabei helfen, Socken, Strümpfe und Hosen anzuziehen. Es gibt auch Knöpfhilfen und an der Wand zu montierende Gestelle, um Oberteile leichter anziehen zu können.
  • Körperpflege: Duschhocker oder Badewannenlifter können die Körperpflege vereinfachen. Für Menschen mit Bewegungseinschränkungen gibt es auch Kämme, Bürsten und Badeschwämme mit langen Griffen.
  • Arbeiten: Ein Keilkissen für den Schreibtischstuhl soll die Wirbelsäule entlasten. Auch spezielle Tastaturen und Schreibhilfen sollen Menschen mit Bewegungseinschränkungen die Büroarbeit erleichtern.

Griffaufsätze und -verlängerungen gibt es für viele verschiedene Dinge, etwa für Besteck, Schlüssel, Türklinken, Kugelschreiber und Wasserhähne. Sie werden auf Gegenstände gesteckt, um das Greifen, Halten oder Bedienen zu erleichtern. Außerdem sind spezielle Greifhilfen erhältlich. Rutschfeste Unterlagen verhindern zum Beispiel das Wegrutschen von Tellern oder Schneidbrettern in der Küche, Matten das Ausrutschen in Küche und Bad.

 

Kostenübernahme

Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) kann die Kosten für Hilfsmittel bis auf einen begrenzten Eigenanteil übernehmen. Voraussetzung für die Kostenübernahme ist, dass das Hilfsmittel von einem Arzt verordnet und von der Krankenkasse genehmigt wurde. Die Krankenkasse prüft zum Beispiel, ob das Hilfsmittel geeignet ist, eine Beeinträchtigung auszugleichen. Genehmigte Hilfsmittel kann man in der Regel über Sanitätshäuser und Apotheken beziehen, die einen Hilfsmittel-Versorgungsvertrag mit der Krankenkasse haben. Über Bezugsadressen informiert die Krankenkasse.

 

Das GKV-Hilfsmittelverzeichnis kann einen ersten Überblick liefern. Es enthält Hilfsmittel, die grundsätzlich von den gesetzlichen Krankenkassen bezahlt werden können. Auf der Internetseite des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen lässt sich das Hilfsmittelverzeichnis durchsuchen.

 

Wenn jemand pflegebedürftig ist und in eine Pflegestufe eingestuft wurde, kann auch die Pflegeversicherung die Kosten für Hilfsmittel übernehmen. Dies ist etwa dann der Fall, wenn ein Hilfsmittel dazu dient, die Sicherheit in der Wohnung oder im Wohnumfeld zu verbessern, wie zum Beispiel die Montage von Handläufen im Flur. Der Einbau eines Treppenlifts kann einen Umzug vermeiden helfen.

 

Hilfsmittel, die die Teilhabe am Arbeitsleben erhalten sollen, können unter anderem von der Rentenversicherung bezahlt werden - etwa eine spezielle Computer-Tastatur. Auch für solche Hilfsmittel muss ein Antrag gestellt werden, zum Beispiel über eine Reha-Servicestelle. Eine Liste dieser Servicestellen stellt die Deutsche Rentenversicherung bereit.

 

Unter bestimmten Voraussetzungen können auch andere Träger wie das Sozialamt oder die Unfallversicherung die Kosten für Hilfsmittel übernehmen.

 

Ärzte, Kranken- und Pflegekassen beraten und informieren darüber, welcher Kostenträger im Einzelfall zuständig ist.

 

Welche Bewegungs- und Sportarten sind bei Gelenkrheuma zu empfehlen?

Da Gelenkschäden bei Rheuma ein zentrales Problem darstellen, haben viele Betroffene die Befürchtung, dass viel Bewegung – oder die falsche Art von Bewegung - Krankheitsschübe auslösen, die Erschöpfung verstärken oder die Gelenke noch mehr schädigen könnte. Anders herum können Schmerzen und Erschöpfung sportliche Aktivitäten erschweren. Es gibt aber eine ganze Reihe von Übungen, die auch für Menschen mit Rheuma infrage kommen. Dazu gehören insbesondere:

  • Kräftigungsübungen: Zum Beispiel Übungen mit leichten Gewichten zur Stärkung von Beinen, Armen und Rücken.
  • Ausdauertraining: Sportarten zur Stärkung von Herz und Lunge wie Walking, Radfahren, Schwimmen und Tanzen.
  • Gymnastik und Wassergymnastik
  • Tai Chi (Schattenboxen): Ursprünglich eine chinesische Kampfkunst, deren Übungen aus langsamen, fließenden Bewegungen bestehen.
  • Yoga: Meditative Körper- und Atemübungen zur Verbesserung der Beweglichkeit und Koordination sowie zur Entspannung.

Grundsätzlich kommen für Menschen mit Rheuma alle Aktivitäten infrage, die die Gelenke nicht übermäßig belasten. Welche Übungen im Einzelfall geeignet sind, lässt sich am besten mit einer Ärztin oder einem Arzt klären. Wer eine Ergotherapie oder Physiotherapie macht, kann auch hier besprechen, welche Übungen über die Therapie hinaus geeignet sind. Wichtig ist, die Gelenke bei akuten Krankheitsschüben oder nach einer Operation zunächst zu schonen und die Belastung langsam zu steigern.

 

Körperliche Aktivität hat insgesamt günstige Wirkungen – zum Beispiel kann sie die Fitness, Kraft und allgemeine Beweglichkeit verbessern. Eine zusammenfassende Auswertung von Studien zeigt außerdem, dass körperliche Aktivität rheumabedingte Erschöpfung lindern kann. Weitere Studienergebnisse stellen wir im Folgenden dar.

 

Kräftigungsübungen

Eine Reihe von Studien hat die Wirkung von Kräftigungsübungen untersucht, insbesondere zur Stärkung der Arm- und Beinmuskulatur. Dabei trainierten die Teilnehmenden zwei- bis dreimal pro Woche 30 bis 60 Minuten mit leichten Gewichten oder Geräten. Das Training konnte ihre Kraft verbessern und die Beeinträchtigung durch Rheuma etwas verringern. Den trainierten Menschen fielen beispielsweise alltägliche Aktivitäten wie Ankleiden, Waschen oder das Hantieren mit Besteck und Geschirr beim Essen leichter. Auf Schmerzen hatte das Training jedoch keinen Einfluss.

 

Ausdauertraining

Andere Studien untersuchten die Wirkung von Ausdauertraining bei Rheuma. Auch hier fand das Training in der Regel zwei- bis dreimal pro Woche statt und dauerte meist zwischen 45 und 60 Minuten. Es wurden verschiedene Arten von Ausdauersport erprobt, zum Beispiel Radfahren oder Schwimmen, oft in Kombination mit anderen Übungen. Dabei handelte es sich um moderates Ausdauertraining, das den Puls nicht zu stark beschleunigen sollte. Auch das Ausdauertraining zeigte günstige Wirkungen: Es verbesserte die Lebensqualität und schien auch Einschränkungen im alltäglichen Leben zu verringern sowie Schmerzen etwas zu lindern.

 

Wassergymnastik

Menschen mit Gelenkerkrankungen wird häufig Wassergymnastik empfohlen, da bei Übungen im Wasser kaum Druck auf den Gelenken lastet. Die Wirkung von Wassergymnastik wurde in einigen Studien untersucht. Die Forschungsergebnisse reichen aber bislang nicht aus, um zu beurteilen, ob Wassergymnastik rheumatische Beschwerden wie Schmerzen lindern und die Gelenkfunktion verbessern kann. Die Teilnehmenden einiger Studien berichteten aber, dass sie das Gefühl hatten, die Übungen hätten ihnen gutgetan.

 

Tai Chi und Yoga

Die Wirkung von Tai Chi und Yoga auf Rheuma-Beschwerden sind weniger gut untersucht als Ausdauertraining und Kräftigungsübungen. Daher lässt sich ihre Wirkung wissenschaftlich bislang noch nicht beurteilen.

 

Bei der Wahl eines Bewegungsprogramms spielen die eigenen Vorlieben eine wichtige Rolle. Denn um etwas bewirken zu können, muss das Training regelmäßig durchgeführt werden. Es zu einem festen Bestandteil des Alltags zu machen, gelingt viel leichter, wenn die Sportart Freude macht und man sich danach wohl fühlt. Wenn es schwerfällt, allein zu Hause zu üben, hilft es vielleicht, sich einer Sportgruppe anzuschließen.

 

Risiken des Sporttreibens für Erkrankte

In den Studien kam es nur selten vor, dass ein Training zu Gelenkschäden führte. Bei Rheuma im Frühstadium oder bei nur langsam fortschreitender Erkrankung ist es insgesamt eher unwahrscheinlich, dass körperliche Aktivität die Gelenke schädigt. Nur in einer Studie zeigten sich bei einigen Teilnehmenden, die trainierten, mehr Gelenkschäden. An dieser Studie hatten aber vor allem Menschen teilgenommen, bei denen große Gelenke wie etwa die Schulter bereits zu Studienbeginn stark geschädigt waren. Da die Studien längstens zwei Jahre dauerten, sind längerfristige Auswirkungen der untersuchten Sportarten schwer einzuschätzen.

 

Nur an wenigen Studien nahmen Menschen mit einer stark fortgeschrittenen Erkrankung teil. Daher lässt sich nicht sicher sagen, welche Bewegungsart für sie am besten geeignet ist. Sportarten wie Tennis oder Joggen, bei denen die Gelenke verdreht werden oder viele Stöße abbekommen, sind besonders belastend. Wassergymnastik und Schwimmen hingegen gelten als besonders gelenkschonend, da im Wasser kaum Gewicht auf den Gelenken lastet.

 

Wie lässt es sich am besten mit Erschöpfung (Fatigue) umgehen?

Fatigue ist etwas anderes als normale Müdigkeit. Betroffene beschreiben sie als überwältigend und unkontrollierbar. Sie fühlen sich ausgezehrt und energielos, manchmal sogar apathisch. Die Erschöpfung kann auch in Schüben auftreten und zu einigen Zeiten weniger, zu anderen besonders belastend sein. Eine Fatigue kann das Schlafbedürfnis erhöhen, zu Konzentrationsproblemen und Antriebsschwäche führen. Sich dauernd erschöpft zu fühlen und nicht mehr so aktiv leben zu können wie zuvor, kann zudem auf das Gemüt schlagen: Viele Betroffene fühlen sich auch niedergeschlagen, reizbar oder ängstlich. Für andere ist das manchmal schwer nachvollziehbar.

 

Die Stärke der Beschwerden kann bei Rheuma stark schwanken. Viele Menschen empfinden diese Unsicherheit als zusätzliche Belastung: Nicht zu wissen, wie sie sich am nächsten Tag fühlen werden, ob es ihnen besser oder schlechter geht, macht es schwierig, das Leben zu planen. Menschen mit Rheuma haben daher manchmal das Gefühl, die Kontrolle über ihr Leben zu verlieren. Wenn die Erschöpfung zu groß wird, kann auch für einfache Alltagstätigkeiten oder zum Spielen mit Kindern oder Enkeln die Energie fehlen. Termine müssen abgesagt, liebgewonnene Aktivitäten manchmal aufgegeben werden.

 

Diese Krankheitsfolgen können auch das Selbstbild und die Rolle in Partnerschaft, Familie und Beruf verändern. Für viele Menschen ist gegenseitiges Geben und Nehmen ein wichtiger Teil familiärer Beziehungen und Freundschaften. Die Krankheit kann es jedoch erschweren, sich wie gewohnt um andere zu kümmern - und dazu führen, dass man selbst zunehmend auf Hilfe angewiesen ist. Eine Fatigue kann auch die Partnerschaft belasten, weil es schwieriger wird, gemeinsame Pläne umzusetzen. Mit der Erschöpfung kann zudem auch die Lust auf Sex abnehmen. Auch bei der Arbeit kann es schwer sein, damit zurechtzukommen, dass man nicht mehr so belastbar ist wie zuvor. Dies kann zum Beispiel mehr Pausen oder eine neue Aufgabenteilung erforderlich machen und zu Konflikten führen.

 

Viele Menschen lernen mit der Zeit, ihre Energie besser einzuteilen und die Veränderungen zu akzeptieren, die mit der Erkrankung einhergehen. Sie nehmen die Zeichen ihres Körpers stärker wahr und passen ihre Aktivitäten an - je nachdem, ob die Beschwerden gerade besonders belastend sind oder nicht. Denn neben Phasen, in denen die Krankheit im Vordergrund steht, gibt es meist auch Zeiten, in denen ein weitgehend normales Leben möglich ist. Vielen Menschen hilft es, die Erkrankung als Teil ihres Lebens zu betrachten und sich neue Ziele zu setzen, die sie trotz Krankheit erreichen können. Manche Menschen berichten auch, dass sie durch die Erkrankung gelernt haben, bewusster zu leben.

 

Menschen mit Rheuma haben in Interviews zudem von verschiedenen praktischen Maßnahmen berichtet, die ihnen helfen, mit der Fatigue zurechtzukommen:

  • Lernen, auch mal nein zu sagen, sich nicht zu viel auf einmal vornehmen, die eigenen Ziele überdenken und anpassen
  • Aktivitäten gut planen, sich Zeit lassen, Anstrengendes über die Woche verteilen
  • Pausen einlegen, bevor die Erschöpfung zu groß wird
  • Früh ins Bett gehen, einen Mittagsschlaf machen, Entspannungstechniken erlernen
  • Nicht zu den Stoßzeiten unterwegs sein, ob zum Einkaufen oder auf Reisen
  • Mit anderen Menschen über die Erkrankung sprechen, damit sie ihre Auswirkungen besser verstehen können
  • Sich mit anderen Betroffenen austauschen, um aus ihren Erfahrungen zu lernen

Manche Menschen mit Fatigue versuchen, ihre Ausdauer durch leichtes körperliches Training zu verbessern und dadurch die Müdigkeit zu überwinden. Dabei kommen verschiedene Aktivitäten infrage, zum Beispiel Gymnastik, Kräftigungsübungen, Yoga, Tai Chi, zügiges Gehen, Radfahren, Wassergymnastik oder Schwimmen. Dies kann auch im Rahmen einer Bewegungstherapie geschehen.

 

Eine zusammenfassende Auswertung von Studien zu verschiedenen Bewegungsarten zeigt, dass körperliche Aktivität bei Fatigue helfen kann: Etwa 15 von 100 Menschen fühlten sich durch das Training weniger erschöpft. Welche Form der Bewegung sich am besten eignet, ist jedoch bislang unklar.

 

Manchmal bleibt die Fatigue trotz Anpassungen im Alltag, körperlichem Training und Unterstützung durch andere eine große Belastung. Dann kann professionelle Unterstützung infrage kommen, etwa im Rahmen einer psychotherapeutischen Behandlung oder einer Ergotherapie. Für Menschen, die aufgrund von Autoimmunerkrankungen wie Rheuma mit Fatigue zu tun haben, wurden spezielle Programme entwickelt. Sie sollen zum Beispiel helfen, Aktivitäten zu planen und die eigenen Kräfte vorausschauend einzuteilen.

 

Auch im Rahmen einer kognitiven Verhaltenstherapie (KVT) kann man Strategien erlernen, die beim Umgang mit Fatigue helfen. Dabei geht es unter anderem darum, Gedanken, Überzeugungen und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern, die einem das Leben mit der Erkrankung erschweren.

 

Studien zu nicht-medikamentösen Behandlungen zeigen, dass solche Methoden aus der Ergotherapie und Psychotherapie bei Erschöpfung helfen können.

Wann ist eine Rehabilitation sinnvoll?

Wenn eine rheumatoide Arthritis über längere Zeit nicht in den Griff zu bekommen war und jemand zum Beispiel aufgrund der Erkrankung längere Zeit nicht arbeiten konnte, ist eine Rehabilitation eine Möglichkeit. Sie soll dabei helfen, mit der Krankheit im Alltag besser zurechtzukommen, wieder am öffentlichen Leben teilzunehmen und die Arbeitsfähigkeit zu erhalten oder wiederherzustellen. Eine Reha kommt aber auch für Rentner infrage. Ziel ist dann, ein möglichst selbstständiges Leben zu ermöglichen und Pflegebedürftigkeit vorzubeugen.

 

Bei einer Rehabilitation arbeiten verschiedene Fachkräfte zusammen, zum Beispiel aus Medizin (Rheumatologie), Physio- und Ergotherapie, Sozialarbeit und Psychologie. Eine stationäre Reha dauert in der Regel drei Wochen. Dabei wohnt man während der Rehabilitation in der Klinik. Wer ganztags eine ambulante Reha macht, wohnt zu Hause und kommt tagsüber in die Klinik.

 

Je nachdem, welches Ziel eine Rehabilitation hat und wie man versichert ist, werden die Kosten von der gesetzlichen Renten-, Kranken- oder Unfallversicherung getragen. Voraussetzung ist in jedem Fall, dass ein Arzt feststellt, dass eine Rehabilitation erforderlich ist und der Reha-Antrag durch den Kostenträger genehmigt wird.

 

Wie gestaltet sich Alltag, Beruf und Partnerschaft mit Gelenkrheuma?

Mit Rheuma zu leben ist auch deshalb nicht immer einfach, weil die Symptome oft unberechenbar sind: Ob die Beschwerden morgen stärker oder schwächer sein werden, ist kaum einzuschätzen. Ein schlechter Tag mit Rheuma kann sehr belastend sein und manche Menschen haben dann das Gefühl, in ein tiefes Loch zu fallen. Hinzu kommen oft Sorgen um die Zukunft, denn es lässt sich nicht sicher vorhersagen, wie sich die Erkrankung bei einem Menschen entwickeln wird. Verschiedene Behandlungen können das Fortschreiten der Erkrankung aber aufhalten oder verlangsamen.

 

Viele Menschen mit Rheuma haben morgens steife Gelenke und Schmerzen, sodass es ihnen schwer fällt, aufzustehen und den Tag zu beginnen. Alltägliche Aufgaben wie Kochen, Waschen, Putzen, aber auch Gartenarbeit oder Freizeitaktivitäten können mit der Zeit immer mehr zu einer Herausforderung werden. Verschiedene Hilfsmittel können solche Tätigkeiten erleichtern. Zudem entwickeln viele Menschen mit der Zeit Strategien, um mit Alltagstätigkeiten besser zurechtzukommen. Ein Beispiel: Wer Wäsche wäscht, muss nicht unbedingt die ganze Waschmaschinenladung auf einmal aufhängen. Man kann auch mit einem Teil der feuchten, schweren Wäsche beginnen und den Rest später erledigen.

 

Die meisten Menschen mit Rheuma möchten ihren Alltag trotz Erkrankung meistern. Die Unterstützung von Familienangehörigen und Freunden ist hierfür besonders wichtig. Wichtig ist auch, dass sie Verständnis für die Erkrankung und die damit verbundenen Einschränkungen haben.

 

Gelenkrheuma und Arbeitsleben

Auch abgesehen von der Notwendigkeit, den Lebensunterhalt zu verdienen, ist Arbeit für viele Menschen ein wichtiger Teil ihres Lebens. Eine einigermaßen zufriedenstellende Arbeitssituation vorausgesetzt, wird die eigene Berufstätigkeit in der Regel als sinnstiftend, anregend und für das Selbstwertgefühl bedeutsam empfunden. Neben finanzieller Unabhängigkeit ist oft auch das soziale Umfeld bei der Arbeit sehr wichtig.

 

Ihrer Arbeit nachzugehen, kann erkrankte Menschen aber auch von Beschwerden ablenken und ihnen das Gefühl geben, dass sich nicht alles in ihrem Leben um die Krankheit dreht. Manche Menschen mit Rheuma berichten sogar, dass der Beruf seit ihrer Erkrankung für sie wichtiger geworden ist und sie lieber Einschränkungen in der Freizeit in Kauf nehmen, als den Job aufzugeben.

 

Wenn die Erkrankung die Arbeit beeinträchtigt, kann es hilfreich sein, mit Vorgesetzten und Kollegen offen darüber zu sprechen. Der Arbeitgeber kann unter Umständen Unterstützung bieten, beispielsweise bei der Einrichtung des Arbeitsplatzes, der Anpassung von Pausenzeiten oder zeitlichen Vorgaben für bestimmte Aufgaben. Wenn es notwendig ist, den Arbeitsplatz umzugestalten, beteiligt sich unter Umständen die Rentenversicherung an den Kosten.

 

Menschen, die aufgrund ihrer rheumatoiden Arthritis stark eingeschränkt sind, können einen Schwerbehindertenausweis beantragen. Ab einem bestimmten Grad der Behinderung ist ein Schwerbehindertenausweis mit besonderen Rechten verbunden. So haben schwerbehinderte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zum Beispiel einen besonderen Kündigungsschutz und Anspruch auf Zusatzurlaub. Dies soll Nachteile durch eine gesundheitliche Beeinträchtigung ausgleichen.

 

Gelenkrheuma und Autofahren

Für viele Menschen mit Rheuma bleibt das Autofahren wichtig. Es gibt ihnen das Gefühl, weiterhin unabhängig und mobil zu sein. Zudem ermöglicht es die Teilhabe am sozialen Leben - vor allem, wenn jemand auf dem Land wohnt.

 

Viele Menschen können auch mit Rheuma noch Auto fahren. Mit der Zeit kann es jedoch sein, dass die Beschwerden das Fahren zunehmend erschweren. Schnell über die Schulter zu blicken, das Fahrzeug sicher zu steuern, zu schalten oder schnell auf eine brenzlige Verkehrssituation zu reagieren - all das kann Probleme bereiten. Dann können vielleicht spezielle Fahrzeugumbauten helfen, etwa zusätzliche Spiegel für Menschen, die ihren Kopf nicht mehr so gut drehen können. Auch ein Auto mit Automatikschaltung lässt sich leichter fahren. Außerdem sollte der Einstieg nicht zu niedrig sein. Unter Umständen ist auch der behindertengerechte Umbau des Fahrzeugs eine Möglichkeit.

 

Viele Menschen mit Rheuma verändern ihre Fahrgewohnheiten. Sie achten darauf, dass sie nicht gerade zur Hauptverkehrszeit unterwegs sind und fahren nicht, wenn sie einen "schlechten Tag" haben. Für Menschen mit schwerer Gehbehinderung kann es eine Erleichterung sein, sich einen Schwerbehindertenausweis mit dem Hinweis "außergewöhnliche Gehbehinderung" zu besorgen: Er erlaubt das Parken auf speziell ausgewiesenen Parkplätzen.

 

Sind die Einschränkungen durch das Rheuma zu stark geworden, um ein Auto sicher steuern zu können, kann es nötig werden, das Fahren aufzugeben. Um diese persönliche Entscheidung verantwortlich treffen zu können, ist es wichtig, sich über die körperlichen Einschränkungen klar zu werden und ehrlich mit sich selbst zu sein. Wenn sicheres Fahren nicht mehr möglich ist, gefährdet man nicht nur sich selbst, sondern auch andere.

 

Wer unsicher ist, ob er noch gut genug fährt, kann dies mit seinem Arzt besprechen. Man kann sich auch beim Straßenverkehrsamt beraten und die Fahrtauglichkeit prüfen lassen. Die Kosten übernimmt möglicherweise die Krankenkasse.

 

Gelenkrheuma und Selbstbild

An rheumatoider Arthritis erkranken relativ oft junge Frauen. Die Einschränkungen durch rheumatische Beschwerden können gerade in einem Lebensabschnitt, in dem die meisten anderen Menschen bei guter Gesundheit sind, sehr belastend sein.

 

Manche Mütter haben Angst, dass sie ihren Kindern oder ihrem Partner nicht mehr gerecht werden können. Junge Frauen mit Rheuma fragen sich häufig, ob sie überhaupt Kinder bekommen sollen. Rheuma schließt eine Schwangerschaft nicht aus. Zu bedenken ist aber, dass vor und während einer Schwangerschaft nicht alle Medikamente eingenommen werden können. Wenn eine Frau schwanger werden möchte, ist es sinnvoll, dies möglichst in einer beschwerdearmen Zeit zu tun. Es kann auch hilfreich sein, sich frühzeitig in einer rheumatologischen und frauenärztlichen Praxis beraten zu lassen. Auch Männer, die Vater werden möchten, müssen eine Zeitlang bestimmte Rheuma-Medikamente vermeiden.

 

Vielen Frauen sind ihr Aussehen und ihre Attraktivität wichtig. Vor allem die Auswahl von Schuhen kann ein Problem sein: Viele modische Schuhe kommen nicht infrage, da sie nicht passen oder sich nicht zum Tragen von Einlagen eignen. Wenn die Füße rheumatisch verändert sind, können unter Umständen auch orthopädische Schuhe notwendig werden. Manche Frauen haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie sich Schuhe kaufen, die ihnen gefallen, in die aber keine Schuheinlagen passen und die für die veränderten Füße eigentlich nicht gut sind. Einige Frauen meiden auch bestimmte Kleidungsstücke wie Röcke, weil sie befürchten, dass sie ihre Erkrankung sichtbar machen - etwa wenn die Kniegelenke oder Füße betroffen sind. Sind die Hände betroffen, ist auch ihr Aussehen einigen Frauen unangenehm. Solche Einschränkungen können dazu führen, dass eine Frau sich weniger anziehend und weiblich fühlt.

 

Schmerzen und der Verlust von Kraft können auch bei Männern das Selbstbild verändern. Schwäche zu zeigen und Hilfe anzunehmen, fällt ihnen oft besonders schwer. Manche haben Angst um ihren Status, wenn sie ihren Beruf aufgeben oder wechseln müssen. Nicht wenige Männer versuchen die Krankheit möglichst auszublenden, weil sie nicht in ihr Selbstbild passt. Sie wollen die Kontrolle behalten und so gut es geht weiter ihr gewohntes Leben führen. Dies kann jedoch körperlich und emotional belastend sein. Manchmal führt dieses Verhalten auch zu depressiven Gedanken, Frust und Aggressionen.

 

Solche Gefühle müssen jedoch nicht das ganze Leben bestimmen. Vielen Menschen gelingt es, ihre persönlichen Ziele anzupassen oder sich neue Ziele zu setzen, die sie auch mit der Erkrankung erreichen können. Wie bei vielen chronischen Erkrankungen gibt es bessere und weniger gute Phasen. In manchen steht die Erkrankung im Vordergrund - in anderen tritt sie hinter andere Lebensbereiche zurück. Menschen, die durch ihre Erkrankung psychisch stark belastet sind, können sich durch eine psychologische Behandlung unterstützen lassen.

 

Gelenkrheuma und Partnerschaft/Sexualität

Eine rheumatoide Arthritis verändert nicht nur den Alltag oder das Berufsleben, sondern auch die Partnerschaft und Sexualität. Die Erkrankung kann verschiedenste Bereiche der Partnerschaft beeinflussen: etwa die Rollenverteilung, die Arbeitsteilung im Haushalt, gemeinsame Pläne und Freizeitaktivitäten. Der Verzicht auf die Teilnahme an Feiern und Ausflügen oder auf gemeinsame sportliche Aktivitäten kann zu Enttäuschungen und Einschränkungen im Miteinander führen.

 

Manchmal haben Menschen mit Rheuma das Gefühl, dass ihre Partnerin oder ihr Partner nicht genug Verständnis für ihre Situation hat. Aber auch Angehörige müssen erst lernen, was die Erkrankung bedeutet - und auch für sie kann die Krankheit belastend sein. Sie verändert das Leben beider Partner. Den anderen in Schmerzen zu sehen, Einschränkungen in Kauf zu nehmen und mehr Aufgaben übernehmen zu müssen, ist nicht immer leicht. Wichtig ist, weder anderen noch sich selbst Vorwürfe zu machen, denn an der Krankheit und ihren Folgen ist niemand "schuld".

 

Manche Paare sprechen wenig über ihre Probleme. Offene Gespräche über Belastungen, Bedürfnisse, Sorgen und Ängste können aber hilfreich sein, um die Erfahrungen des anderen mit der Erkrankung besser nachvollziehen zu können. Vielleicht lässt sich gemeinsam auch besser überlegen, wie bestimmte Gewohnheiten verändert werden können, etwa indem man Freizeitaktivitäten eher kurz- als langfristig plant, bei Ausflügen häufiger Pausen einlegt und die Aufgaben im Alltag neu verteilt.

 

Schmerzende Gelenke, Erschöpfung und eine eingeschränkte Beweglichkeit können sich auf die Sexualität auswirken. Sie können den Geschlechtsverkehr erschweren und manchmal unmöglich machen. Auch trockene Schleimhäute können ein Problem darstellen, dem sich aber durch Gleitmittel und Feuchtigkeitscremes abhelfen lässt.

 

Durch die Erkrankung verändert sich auch das Körpergefühl. Das kann zentrale Bereiche der Weiblichkeit oder Männlichkeit betreffen. Daher ist es nicht ungewöhnlich, wenn mit dem Fortschreiten der Erkrankung die Lust auf Sex abnimmt. Manche Menschen fühlen sich zunehmend unattraktiv und ziehen sich deswegen sexuell zurück.

 

Aber auch wenn die Energie fehlt und die Lust ausbleibt, bleiben körperliche Nähe und Zärtlichkeit für die meisten Menschen wichtig und wohltuend. Sie können Paaren helfen, sich weiterhin eng miteinander verbunden zu fühlen.

 

Wo gibt es weitere Informationen?

Für Menschen mit rheumatoider Arthritis gibt es in Deutschland ein breites Angebot zur persönlichen Beratung und Unterstützung im Krankheitsfall. Dazu gehören zum Beispiel Selbsthilfegruppen und die Unabhängige Patientenberatung (UPD). Viele dieser Angebote sind aber vor Ort unterschiedlich organisiert und nicht immer direkt zu finden.