Der achte Innovationsreport, den die Techniker Krankenkasse (TK) zusammen mit der Universität Bremen veröffentlicht, zeigt: die bewerteten neuen Arzneimittel sind insgesamt mäßig innovativ, aber sehr kostenintensiv. In der Geschichte des Innovationsreports ist Spinraza®, ein sehr wirksames Medikament zur Behandlung von SMA, das erste Arzneimittel mit einem sechsstelligen Packungspreis. Insgesamt liegen sechs der im Report bewerteten Arzneimittel bei einem Packungspreis von über 10.000 Euro. 

Studienband Innovationsreport 2020

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Die Bewertung von 31 neuen Arzneimittel anhand der bewährten Ampelsystematik ergab: Acht Arzneimittel erhielten mit einer grünen Gesamtampel die Bestnote. Sieben Präparate bekamen im Gesamt-Score eine gelbe Bewertung. Mehr als die Hälfte der Arzneimittel konnte jedoch nicht überzeugen - 16 Mal wurde eine rote Gesamtampel vergeben. Die Analyse des nachgewiesenen Zusatznutzens als wichtigstes Kriterium ergab für 15 Arzneimittel eine rote Ampel. Etwas mehr als die Hälfte der Präparate hat für viele Patienten einen Zusatznutzen: Sieben wurden mit grün, neun mit gelb bewertet.  

Finanzielle Herausforderung für das Gesundheitssystem

Die Arzneimittel des 2017er-Jahrgangs zeigen sich etwas innovativer als die des 2016er. Jedoch führten diese im Jahr 2018 zu einem erheblichen Ausgabenanstieg. Der durchschnittliche Packungspreises erhöhte sich um rund 140 Prozent, obwohl die Menge der verordneten Packungen um 55 Prozent niedriger war als im Vorjahr. Der Report verdeutlicht, wie neue Arzneimittel das Gesundheitssystem finanziell herausfordern. 

Dr. Jens Baas

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Dr. Jens Baas ist Vorstandsvorsitzender der Techniker Krankenkasse.


"Es ist unbestritten, dass jeder Versicherte die beste zur Verfügung stehende Therapie bekommen muss. Damit das aber möglich ist, die neuen Therapien also beim Patienten ankommen und gleichzeitig bezahlbar bleiben, müssen wir die bisherigen Verfahren der Preisgestaltung überdenken."

Sonderkapitel Spinale Muskelatrophie (SMA)

Das Arzneimittel Spinraza® mit dem Wirkstoff Nusinersen ist der erste in Deutschland zugelassene Wirkstoff zur Therapie von SMA. Außerdem ist er einer von nur drei Wirkstoffen, die bislang einen "erheblichen Zusatznutzen" vom Gemeinsamen Bundesausschuss bescheinigt bekommen haben. Daher widmet sich das Sonderkapitel im diesjährigen Report der Spinalen Muskelatrophie. 

Neue Hoffnung in der Therapie der SMA entstand durch die Zulassung eines weiteren Präparats, des Gentherapeutikums Zolgensma®. Mit ca. 1,9 Mio. Euro für die einmalige intravenöse Behandlung ist Zolgensma® das derzeit teuerste Medikament der Welt. Das Sonderkapitel vergleicht Spinraza® mit Zolgensma® und gibt einen Überblick zu den verschiedenen therapeutischen Optionen bei der SMA. Die Autoren beschäftigen sich auch mit den ethischen Fragen, die mit einer derart teuren Therapie einhergehen. 

Digitale Pressemappe

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