Das europäische Projekt "Genome of Europe" hat sich zum Ziel gesetzt, die genetische Vielfalt Europas anhand von insgesamt 100.000 Genomen von verschiedenen Bürgerinnen und Bürgern aus ganz Europa zu erfassen und medizinisch zu nutzen. Den größten Anteil steuert für Deutschland das Institut für Medizinische Genetik und Angewandte Genomik der Uniklinik Tübingen mit rund 20.200 Genomen bei. In einem Genom ist das gesamte Erbgut eines Menschen abgebildet.

49 Partner aus 27 Ländern

Bei einer Veranstaltung der Landesvertretung Baden-Württemberg der Techniker Krankenkasse (TK) zum aktuellen Stand der Personalisierten Medizin in Baden-Württemberg wurde den rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern das Projekt näher vorgestellt. Denn Ziel der Ende 2024 gestarteten Initiative ist es insbesondere, die Personalisierte Medizin in Europa voranzubringen. Beteiligt sind insgesamt 49 Partner aus 27 Ländern.

Genetische Informationen

Personalisierte Medizin bedeutet möglichst maßgeschneiderte Therapien anstelle von identischen Behandlungen für alle Patientinnen und Patienten mit derselben Erkrankung. Dafür braucht es den Zugriff auf die genetischen Informationen des menschlichen Erbguts. "Viele unserer menschlichen Eigenschaften sind in unserer DNA enthalten, einschließlich unseres Krankheitsrisikos oder unserer Reaktion auf eine bestimmte Behandlung. Wenn wir diese Informationen in einer Datenbank zugänglich machen, wären wir einer personalisierten Medizin einen großen Schritt näher", erläutert Professor Dr. Olaf Rieß, Direktor des Tübinger Instituts für Medizinische Genetik und Angewandte Genomik.

Anspruch auf Genomsequenzierung

Damit das menschliche Genom seine Erbinformationen freigibt, muss es durch die sogenannte Genomsequenzierung entschlüsselt werden. Seit nunmehr zwei Jahren haben gesetzlich versicherten Patientinnen und Patienten, die an Krebs oder einer Seltenen Erkrankung leiden, unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf eine solche Analyse des Erbguts. Dieses Verfahren ist an insgesamt 27 Unikliniken möglich, die dafür mit den gesetzlichen Krankenkassen Vereinbarungen geschlossen haben. Aus Baden-Württemberg sind die Unikliniken Freiburg, Ulm, Heidelberg und Tübingen mit dabei.

Digitale Vernetzung und Behandlung

Die Genomsequenzierung ist ein gutes Beispiel dafür, wie durch digitale Vernetzung und die Behandlung in spezialisierten Zentren eine bessere und schnellere Therapie realisiert werden kann. Nur wenn ein begründeter Verdacht vorliegt und mehrere Ärztinnen und Ärzte aus verschiedenen Fachrichtungen in einer interdisziplinären Fallkonferenz zu der Einschätzung kommen, dass eine gesicherte Diagnose auf normalem Weg nicht möglich ist, wird dieses komplexe Verfahren angewendet.

Klare Regeln - ethisch und finanziell

Personalisierte Medizin und gentherapeutische Ansätze bieten insbesondere in der Krebsmedizin vielversprechende Möglichkeiten und sind eine Chance, Krankheiten besser oder überhaupt erst behandeln zu können. Aus Sicht der TK braucht es dafür klare Leitplanken: Damit diese Hoffnungsträger die in sie gesetzten hohen Erwartungen erfüllen können, müssen sie ethisch auf sicherem Fundament stehen, nachweisbar die Versorgung verbessern und dürfen das System finanziell nicht überlasten.