TK: Im vorigen Jahr sind Sie in den Verwaltungsrat der Techniker Krankenkasse gewählt worden. Was motiviert Sie persönlich, sich für die Versicherten der TK zu engagieren?

Udo Frackmann: Ehrenamtliches Engagement ist für mich schon immer eine Herzensangelegenheit. Wer wie ich die epochalen gesellschaftlichen Änderungen, die 1989 in Ostdeutschland geschehen sind, aktiv miterlebt und mitgestaltet hat, weiß, welchen Einfluss gesellschaftliches Engagement haben kann. Es ist für mich eine Ehre und Verpflichtung als gewähltes Mitglied im Verwaltungsrat der TK darauf zu achten, dass die Interessen der Versicherten bei politischen und strategischen Entscheidungen ausreichend Berücksichtigung finden.

TK: Sie haben ebenfalls als Vorsitzender des Bundesvorstands im Bundesverband höherer Berufe der Technik, Wirtschaft und Gestaltung e.V. (BVT) ein Ehrenamt übernommen. Die Bedeutung des Ehrenamtes wird ja von der Politik gern betont, trotzdem beklagen viele Organisationen sinkendes Interesse an ehrenamtlicher Arbeit. Warum engagieren sich so wenige?

Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.

Udo Frackmann

Udo Frackmann: Ich denke, die Gründe liegen in der Veränderungen der Gesellschaft selbst. Technische, gesellschaftliche und politische Entwicklungen vollziehen sich sehr schnell und verfügen oft nur über eine kurze Halbwertszeit. Durch diese Erfahrungen ist es nicht verwunderlich, dass vor allem junge Menschen die Sinnhaftigkeit langjährigen Engagements in einer Organisation kritisch hinterfragen. Dabei ist es keineswegs so, dass sich junge Menschen nicht mehr ehrenamtlich engagieren. Die Organisationsformen bestehen aber eher über eine kurze Zeit und sind projektorientiert. Ist das Ziel erreicht, geht man wieder auseinander. Diese Entwicklung ist keineswegs negativ zu betrachten, erhält die ehrenamtliche Arbeit doch so eine nie dagewesene Effizienz. Die Herausforderung bereits länger bestehender Organisationen besteht darin, dieses Potenzial für sich nutzbar zu machen.

TK: Welche Bedeutung hat eine Sozialwahl eigentlich für Versicherte?

Udo Frackmann: Die Sozialwahl ist gelebte Demokratie. Versicherte wählen aus ihrem Kreis Vertreter aus, die als "Selbstbetroffene" ihre Interessen vertreten. Jede Entscheidung wirkt sich damit direkt auf die Entscheidungsträger aus. Das ist etwas anderes als wenn (Berufs)-Politiker Beschlüsse fassen, die ihr persönliches Leben in keiner Weise beeinflussen. Was viele gar nicht wissen, die Sozialwahl ist nach Europa- und Bundestagswahl die drittgrößte Wahlhandlung in der Bundesrepublik Deutschland.

TK: Sie sind beruflich in den BMW-Niederlassungen Berlin, Chemnitz, Dresden und Leipzig als Koordinator für Arbeitssicherheit, Umweltschutz, und Facility-Management tätig. Welche Themen nehmen Sie aus ihrem verantwortungsvollen Berufsleben mit in den Verwaltungsrat der TK?

Udo Frackmann: Bei der Arbeitssicherheit geht es ja im Grunde genommen auch um Gesundheit und Gesundheitsschutz. Da bin ich bei den Themen Gesundheit und Soziales natürlich der erste Ansprechpartner für die Kolleginnen und Kollegen. Zum einen profitiere ich von den Informationen, die ich durch meine Arbeit im Verwaltungsrat der TK erhalte. Andererseits erfahre ich, was die Menschen bei diesen Themen bewegt und welche Erwartungen an die Krankenkassen gestellt werden. Der beste Gesundheitsschutz besteht in der Prävention und dem Erkennen und Vermeiden von Risiken. Insofern freut es mich, dass die Entwicklung der Arbeit der Krankenkassen dahin geht, Gesundheit zu stärken und Erkrankungen zu vermeiden. Bestes Beispiel ist die Grippeschutzimpfung. Für mich war es unverständlich, dass der Impfstoff, der gegen vier Vieren-Stämme wirkt, nicht bereits im vergangenem Jahr von allen Krankenkassen vergütet werden konnte. Zum Glück ist das in diesem Jahr anders.

TK: Selbstverwaltung ist ein Grundprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland. In einer aktuellen Resolution forderte der TK-Verwaltungsrat in Dresden von der Politik "eine starke Selbstverwaltung nachhaltig zu festigen." Haben Sie denn Sorge um die Zukunft der Selbstverwaltung?

Udo Frackmann: Wie ich bereits ausführte, ist Selbstverwaltung gelebte Demokratie. Demokratie lebt vom Engagement der Bürger und natürlich auch vom Interesse der Wähler. Insofern ist es erfreulich, dass die Wahlbeteiligung bei der letzten Sozialwahl gesteigert werden konnte. Dennoch finden Sozialwahl und Selbstverwaltung nicht nur Befürworter. Mit unserer Resolution wollen wir den Bekanntheitsgrad der Selbstverwaltung steigern, unsere Arbeit transparenter machen und den Mandatsträgern mehr Unterstützung aus Gesellschaft und Politik zuteilwerden lassen. Das beste Fundament der Selbstverwaltung ist eine breite Akzeptanz.