460 Berliner und 312 Brandenburger stehen zurzeit auf der Warteliste für eine Organspende. Das zeigen Auswertungen der Stiftung Eurotransplant. Die Zahl der Personen auf der Warteliste sinkt bundesweit erneut - auf nun etwa 9.000. Vor zwei Jahren warteten in Deutschland noch mehr als 10.000 Menschen auf ein Spenderorgan.

Mehr Organspender in Berlin

In Berlin haben im vergangenen Jahr 55 Menschen nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe gespendet. 2018 waren es nur 48. Zuvor war die Zahl mehrere Jahre lang gesunken. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres gab es bereits 44 Organspender. Ob die im Januar 2020 beschlossene Zustimmungsregelung einen Einfluss auf die Bereitschaft Organe zu spenden genommen hat, ist an diesen Zahlen noch nicht abzulesen. In Brandenburg sinkt die Zahl der Spender: Von Januar bis September 2020 spendeten zehn Brandenburger ihre Organe, im entsprechenden Zeitraum 2019 waren es noch 15.

Laut Statistik sterben in Deutschland jeden Tag drei Menschen, weil sie kein Spenderorgan erhalten.

Organ- und Gewebespenderregister

Die TK begrüßt das vom Gesetzgeber beschlossene zentrale Online-Register. Es wird derzeit errichtet und soll mit Inkrafttreten des Gesetzes im ersten Quartal 2022 seinen Betrieb aufnehmen. Bürger bekommen dann die Möglichkeit, ihre Entscheidung einfach zu dokumentieren, jederzeit zu ändern und oder zu widerrufen. Vorgesehen ist, dass dann die Abgabe der Erklärung zur Organ- und Gewebespende auch in Ausweisstellen möglich sein wird. Momentan werden weder der Organspenderausweis, den man immer bei sich tragen sollte, noch die darin dokumentierte Erklärung zur Organspende zentral registriert.

Die Wahl für oder gegen eine Organspende ist eine höchstpersönliche Angelegenheit. Dies braucht Raum und Zeit. Wichtig ist es, eine Entscheidung zu treffen! Susanne Hertzer, Leiterin der TK-Landesvertretung Berlin Brandenburg

Kostendeckende Vergütung

Entnahmekrankenhäuser werden künftig für den gesamten Prozessablauf einer Organspende besser vergütet. Sie haben einen Anspruch auf pauschale Abgeltung für die Leistungen, die sie im Rahmen des Organspendeprozesses erbringen. Zusätzlich erhalten sie einen Zuschlag dafür, dass ihre Infrastruktur im Rahmen der Organspende in besonderem Maße in Anspruch genommen wird. Damit entstehen für die Krankenhäuser durch den Eingriff keine finanziellen Nachteile.

Stärkung der Transplantationsbeauftragten

Der Schlüssel für eine Trendwende liegt aber bei den Klinikmitarbeitern, die das Thema in schwierigsten Situationen ansprechen müssen. Die Position der Transplantationsbeauftragten wird durch neue verbindliche Vorgaben zur Freistellung und Kostenrefinanzierung weiter gestärkt. Das ist der richtige Weg, denn in ihrer wichtigen Funktion als Schnittstelle zwischen Patienten, Ärzten, Angehörigen und Pflegepersonal müssen den Transplantationsbeauftragten genügend Kapazitäten zur Verfügung stehen. Nur mit ihrer Hilfe kann es gelingen, die Wartelisten zu verkürzen und das Vertrauen in die Organspende zu stärken.

Organspende und Corona

Unter Einhaltung entsprechender Vorsichtsmaßnahmen ist laut Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) auch während der Covid-19-Pandemie eine Transplantation möglich. Voraussetzung für eine Organspende ist ein negativer SARS COV-2-Befund bei einer vorab durchgeführten Untersuchung mit einem Rachenabstrich. Zusätzlich werden die anamnestischen Angaben und die klinische Symptomatik bei der Entscheidung über eine mögliche Organspende berücksichtigt.