Die Entwicklung bei der Organspende ist positiv: In Berlin haben im vergangenen Jahr 55 Menschen nach ihrem Tod ein oder mehrere Organe gespendet. 2018 waren es nur 48. Zuvor war die Zahl mehrere Jahre lang gesunken. Im ersten Quartal dieses Jahres gab es bereits 15 Organspender. Ob die im Januar 2020 beschlossene Zustimmungsregelung einen Einfluss auf die Bereitschaft Organe zu spenden genommen hat, ist an diesen Zahlen noch nicht abzulesen. In Brandenburg ist der Trend nicht eindeutig: Im ersten Quartal dieses Jahres spendeten fünf Brandenburger ihre Organe, das entspricht genau den Zahlen von 2019. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 20 Organspender verzeichnet.

Laut Statistik sterben in Deutschland jeden Tag drei Menschen, weil sie kein Spenderorgan erhalten.

Organ- und Gewebespenderregister

Die TK begrüßt das vom Gesetzgeber beschlossene zentrale Online-Register. Es wird derzeit errichtet und soll mit Inkrafttreten des Gesetzes im ersten Quartal 2022 seinen Betrieb aufnehmen. Bürger bekommen dann die Möglichkeit, ihre Entscheidung einfach zu dokumentieren, jederzeit zu ändern und oder zu widerrufen. Vorgesehen ist, dass dann die Abgabe der Erklärung zur Organ- und Gewebespende auch in Ausweisstellen möglich sein wird. Momentan werden weder der  Organspenderausweis, den man immer bei sich tragen sollte, noch die darin dokumentierte Erklärung zur Organspende zentral registriert.

Die Wahl für oder gegen eine Organspende ist eine höchstpersönliche Angelegenheit. Dies braucht Raum und Zeit. Wichtig ist es, eine Entscheidung zu treffen! Susanne Hertzer, Leiterin der TK-Landesvertretung Berlin Brandenburg

Kostendeckende Vergütung

Entnahmekrankenhäuser werden künftig für den gesamten Prozessablauf einer Organspende besser vergütet. Sie haben einen Anspruch auf pauschale Abgeltung für die Leistungen, die sie im Rahmen des Organspendeprozesses erbringen. Zusätzlich erhalten sie einen Zuschlag dafür, dass ihre Infrastruktur im Rahmen der Organspende in besonderem Maße in Anspruch genommen wird. Damit entstehen für die Krankenhäuser durch den Eingriff keine finanziellen Nachteile.

Stärkung der Transplantationsbeauftragten

Der Schlüssel für eine Trendwende liegt aber bei den Klinikmitarbeitern, die das Thema in schwierigsten Situationen ansprechen müssen. Die Position der Transplantationsbeauftragten wird durch neue verbindliche Vorgaben zur Freistellung und Kostenrefinanzierung weiter gestärkt. Das ist der richtige Weg, denn in ihrer wichtigen Funktion als Schnittstelle zwischen Patienten, Ärzten, Angehörigen und Pflegepersonal müssen den Transplantationsbeauftragten genügend Kapazitäten zur Verfügung stehen. Nur mit ihrer Hilfe kann es gelingen, die Wartelisten zu verkürzen und das Vertrauen in die Organspende zu stärken.

Orangspende und Corona

Unter Einhaltung entsprechender Vorsichtsmaßnahmen ist laut Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) auch während der Covid-19-Pandemie eine Transplantation möglich. Voraussetzung für eine Organspende ist ein negativer SARS COV-2-Befund bei einer vorab durchgeführten Untersuchung mit einem Rachenabstrich. Zusätzlich werden die anamnestischen Angaben und die klinische Symptomatik bei der Entscheidung über eine mögliche Organspende berücksichtigt.

Auf der Warteliste

Im Januar 2020 standen laut der Stiftung Eurotransplant 473 Berliner und 348 Brandenburger auf der Warteliste für eine Organspende. Bundesweit sind es über 9.000 Menschen, die dringend auf ein Organ warten. Unter den Wartenden gibt es auch Patienten, die mehrere Organe benötigen.