Es ist für viele die einzige Hoffnung auf Leben: Doch bei der Organspende zeigt sich in Berlin weiter eine negative Tendenz. Im Jahr 2021 stellten laut Statistik der Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) 49 Menschen in Berlin post  mortem Organe zur Verfügung, 2020 waren es 52.

Eine höhere Spendenbereitschaft fand sich hingegen in Brandenburg: Hier stieg die Zahl der Spender im Jahr 2021 auf 21 - nach 13 im Jahr 2020.  

Laut Statistik sterben in Deutschland jeden Tag drei Menschen, weil sie kein Spenderorgan erhalten.

Warteliste bleibt lang

406 Berlinerinnen und Berliner sowie 301 Menschen in Brandenburg warteten Anfang des Jahres 2022 auf eine Organspende. Das zeigen Auswertungen der Stiftung Eurotransplant. Zu Beginn des Jahres 2021 wurden in Berlin 464 und in der Mark 329 Patientinnen und Patienten gezählt, die dringend eine fremde Niere, ein Herz, eine Leber, eine Lunge oder eine neue Bauchspeicheldrüse benötigen. 

Die mit Abstand meisten Betroffenen sind auf eine Spenderniere angewiesen: 330 sind es in Berlin, 244 in Brandenburg. Ein neues Herz brauchen 36 Schwerkranke in der Hauptstadt und 38 in der Mark. In Berlin warten daneben 24 Menschen auf eine Leber, 16 auf eine Lunge und 16 auf eine Bauchspeicheldrüse. In Brandenburg hoffen 10 auf eine neue Leber, neun auf eine Bauchspeicheldrüse und acht auf eine Lunge.

Leider ist der Blick auf die tatsächlichen Transplantationszahlen im Vergleich dazu wenig ermutigend: Im Jahr 2021 wurden in Berlin 203 Organe verpflanzt, bundesweit waren es 2979. 

Laut Statistik sterben in Deutschland jeden Tag drei Menschen, weil sie kein Spenderorgan erhalten.

Organ- und Gewebespenderregister

Die TK begrüßt das vom Gesetzgeber beschlossene zentrale Online-Register. Das Register wird laut Bundesgesundheitsministerium jedoch nicht vor Ende des Jahres 2022 an den Start gehen. Bürgerinnen und Bürger bekommen dann die Möglichkeit, ihre Entscheidung einfach zu dokumentieren, jederzeit zu ändern und oder zu widerrufen. Vorgesehen ist, dass dann die Abgabe der Erklärung zur Organ- und Gewebespende auch in Ausweisstellen möglich sein wird. Momentan werden weder der Organspenderausweis, den man immer bei sich tragen sollte, noch die darin dokumentierte Erklärung zur Organspende zentral registriert.

Die Wahl für oder gegen eine Organspende ist eine höchstpersönliche Angelegenheit. Dies braucht Raum und Zeit. Wichtig ist es, eine Entscheidung zu treffen! Susanne Hertzer, Leiterin der TK-Landesvertretung Berlin Brandenburg

Kostendeckende Vergütung

Entnahmekrankenhäuser werden künftig für den gesamten Prozessablauf einer Organspende besser vergütet. Sie haben einen Anspruch auf pauschale Abgeltung für die Leistungen, die sie im Rahmen des Organspendeprozesses erbringen. Zusätzlich erhalten sie einen Zuschlag dafür, dass ihre Infrastruktur im Rahmen der Organspende in besonderem Maße in Anspruch genommen wird. Damit entstehen für die Krankenhäuser durch den Eingriff keine finanziellen Nachteile.

Stärkung der Transplantationsbeauftragten

Der Schlüssel für eine Trendwende liegt aber bei den Klinikmitarbeitern, die das Thema in schwierigsten Situationen ansprechen müssen. Die Position der Transplantationsbeauftragten wird durch neue verbindliche Vorgaben zur Freistellung und Kostenrefinanzierung weiter gestärkt. Das ist der richtige Weg, denn in ihrer wichtigen Funktion als Schnittstelle zwischen Patienten, Ärzten, Angehörigen und Pflegepersonal müssen den Transplantationsbeauftragten genügend Kapazitäten zur Verfügung stehen. Nur mit ihrer Hilfe kann es gelingen, die Wartelisten zu verkürzen und das Vertrauen in die Organspende zu stärken.

Organspende und Corona

Unter Einhaltung entsprechender Vorsichtsmaßnahmen ist laut Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) auch während der Covid-19-Pandemie eine Transplantation möglich. Voraussetzung für eine Organspende ist ein negativer SARS COV-2-Befund bei einer vorab durchgeführten Untersuchung mit einem Rachenabstrich. Zusätzlich werden die anamnestischen Angaben und die klinische Symptomatik bei der Entscheidung über eine mögliche Organspende berücksichtigt.