Die meisten Menschen in Nordrhein-Westfalen (NRW) wünschen sich, möglichst lange selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden zu leben. Das bestätigt die repräsentative Umfrage " Meinungspuls Pflege " der Techniker Krankenkasse (TK).

Mit 82 Prozent möchte die große Mehrheit in der eigenen Wohnung versorgt werden. Die Hälfte der Befragten kann sich ebenso vorstellen, bei Angehörigen gepflegt zu werden. Auch in der Praxis leisten "pflegende Angehörige" den größten Anteil in der Pflege: Über 70 Prozent der Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt.

Ohne digitale Unterstützung und Entlastung der Pflegenden wird es in Zukunft jedoch immer schwieriger werden, diese pflegerische Versorgung zu Hause sicherzustellen: "Personalmangel in der Pflege", "gesellschaftliche Veränderungen" und "demografischer Wandel" sind hier nur als einige Stichpunkte genannt. Sie erfordern neue politische Lösungen bzw. ein smartes Weiterdenken bereits funktionierender Lösungen. Diesen Weg möchte die TK aktiv mitgestalten.

Smart-Home Lösungen für die Pflege

Smart-Home-Lösungen können im Versorgungsalltag unterstützen und so einen längeren Verbleib in der Häuslichkeit ermöglichen sowie für mehr Sicherheit bei Pflegebedürftigen und deren Angehörigen sorgen.

Ein Beispiel für die Unterstützung der Eigenständigkeit im Alter mit Hilfe digitaler Lösungen und künstlicher Intelligenz ist die gemeinsame Studie " Sicher Zuhause " der TK und Philips. Teilnehmende TK-Versicherte erhalten ein innovatives Hausnotrufsystem mit einer Basisstation und einem um den Hals zu tragenden Funksender. Anders als die seit Jahren bekannten Hausnotrufsysteme erkennt "Sicher Zuhause" Stürze und löst automatisch einen Notruf aus. Darüber hinaus werden über die selbstlernende Technologie auf Basis dieser Daten Prognosen errechnet, um Krankenhauseinweisungen aufgrund von Stürzen zu vermeiden. Ebenfalls könnten digitale Unterstützungssysteme für Zuhause, auch ambient assisted living (AAL), Menschen mit Pflegebedarf in ihrer Selbständigkeit unterstützen.

Leider werden solche Smart-Home-Lösungen noch nicht im Leistungskatalog der Pflegeversicherung berücksichtigt. Die TK setzt sich daher dafür ein, dass dieser entsprechend erweitert wird. Die Leistungen für sogenannte "wohnumfeldverbessernde Maßnahmen" sollten im Bereich der technischen Hilfen im Haushalt auch für technische Assistenz- und Überwachungssysteme eingesetzt werden dürfen, die Pflegebedürftigen helfen, länger zuhause leben zu können.

Hohe Pflegebereitschaft in NRW

Schon heute funktioniert Pflege nicht ohne pflegende Angehörige. Die repräsentative Umfrage "Meinungspuls Pflege" der TK zeigt, dass die Pflegebereitschaft in NRW groß ist: 83 Prozent der Angehörigen sind grundsätzlich dazu bereit, nahe Familienmitglieder mehrere Stunden in der Woche zu pflegen. Sechs von zehn dieser "Pflegebereiten" würden für diese Aufgabe im Beruf kürzer treten und Stunden reduzieren, zwei von zehn sogar eine längere Auszeit nehmen. Daher ist es wichtig,  insbesondere die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf zu fördern und Angebote zur Entlastung Pflegender zu schaffen.

Digitale Chancen im Versorgungsalltag nutzen

Diese engagierten Menschen ganz konkret entlasten, können auch digitale Angebote - wenn sie auf die Bedürfnisse Pflegebedürftiger oder auch der Pflegenden selbst zugeschnitten sind. Digitale Unterstützungsangebote spielen dabei eine immer wichtigere Rolle. Ein gutes Beispiel ist der TK-PflegeCoach. Er steht pflegenden Angehörigen über Smartphone, Tablet und PC als ein jederzeit und überall zur Verfügung. Als digitaler Pflegekurs - oder als mobiles Nachschlagewerk - vermittelt der Coach Pflege-Know-how auf lern- und pflegewissenschaftlicher Grundlage. Pflegenden Angehörigen von TK-Versicherten steht außerdem das kostenlose Online-Angebot pflegen-und-leben.de zur Verfügung, das in Belastungssituationen Rat und Hilfe durch ein speziell geschultes Psychologenteam bietet.

Ein weiteres Angebot zur Unterstützung Pflegender hat die "Interessenvertretung begleitender Angehöriger und Freunde in Deutschland e. V. – wir pflegen e. V." die App "in.kontakt" entwickelt. Die dem Projekt zu Grunde liegende Befragung pflegender Angehöriger zeigte, dass Betroffene neue Möglichkeiten suchen, um sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Die App ermöglicht dies und ergänzt klassische Selbsthilfeangebote vor Ort. Sie ist speziell auf die Bedürfnisse der pflegenden Angehörigen zugeschnitten und leistet damit Hilfe zur Selbsthilfe. Die Entwicklung des dreijährigen Modellprojekts Online-Selbsthilfe-Initiativen für pflegende Angehörige (OSHI-PA) wird von 2018-2020 vom Bundesministerium für Gesundheit und der Techniker Krankenkasse in NRW gefördert.

Telematikinfrastruktur ausbauen

Die Digitalisierung bietet auch im Bereich der Pflege großes Potenzial um Schnittstellenprobleme zu lösen, Effizienzreserven zu heben und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Daher begrüßt die TK die im Referentenentwurf des Digitalen-Versorgungs-Gesetzes (DVG) vorgesehene Einbindung von Pflegeeinrichtungen in die Telematikinfrastruktur und die Erweiterung der Nutzung der elektronischen Patientenakte. Eine bessere Vernetzung und Kommunikation erleichtert die Informationssammlung und -verarbeitung. Sie trägt zu einer besseren Arbeitsorganisation bei, wodurch auch Belastungen professionell Pflegender verringert werden können.

Chancen der Telemedizin nutzen

Neben dem Ausbau der Telematikinfrastruktur sieht die TK in NRW auch im Ausbau der Telemedizin in Pflegeheimen Chancen, die medizinische Versorgung der Pflegeheimbewohner weiter zu verbessern und professionell Pflegende zu unterstützen. Deshalb haben die gesetzlichen Krankenkassen in NRW gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe Pflegeheimverträge in mehreren Regionen geschlossen. Ein besonderer Bestandteil dieser Verträge ist die Elektronische Videosprechstunde (ElVi), die bereits im Siegerland und in Bünde eingeführt wurde. Bei der ElVi führen Ärzte die Untersuchung online durch oder richten eine virtuelle Sprechstunde zu festen Zeiten ein. Auch (interdisziplinäre) Fallkonferenzen sind möglich.

Telemedizin als Bestandteil der pflegerischen Ausbildung

Pflegekräfte werden bei der telemedizinischen Versorgung künftig eine Schlüsselrolle einnehmen. Denn sie sind es, die digitale Gesundheitsanwendungen am und mit dem Patienten nutzen, ihn dabei beraten und betreuen. Deshalb ist eine Modernisierung der Aus- und Weiterbildungsstrukturen in den Pflegeberufen dringend erforderlich. Die eingeleitete Reform der Pflegeberufe legt die grundlegenden Ausbildungsziele für Pflegefachkräfte fest und beauftragt eine Fachkommission mit der Erarbeitung eines Rahmenplans. In der zugehörigen Ausbildungsverordnung wird zudem ein Kompetenzcluster für Pflegefachkräfte entwickelt.

Die TK hält die Aneignung telemedizinischer Kernkompetenzen in der pflegerischen Ausbildung für zwingend notwendig. Dazu sollten Grundlagen der Technik und des Informationsmanagements sowie praxisorientierte telemedizinische Anwendungen in die Ausbildung integriert werden.

Im Bereich der Fort- und Weiterbildung hat die Bundesagentur für Arbeit den Trend zur Digitalisierung der Pflege anerkannt. Sowohl in der Anpassungs- als auch in der Aufstiegsweiterbildung entwickelt sich das Themenfeld ihrer Meinung nach zu einem wichtigen Weiterbildungsthema.