Der Pflegeberuf erfährt aktuell die gesellschaftliche Aufmerksamkeit, die er schon lange verdient hat. Der Fokus liegt dabei allerdings auf den schwierigen Bedingungen, in diesem Beruf zu arbeiten. Fachkräftemangel, fehlende Wertschätzung und Gehaltsdifferenzen werden dabei immer wieder genannt.

So kommt oft zu kurz, was für ein toller Beruf der Pflegeberuf ist. Die Arbeit mit Menschen, die Abwechslung sowie die gesellschaftliche Verantwortung motivieren Hunderttausende dazu, den Beruf trotz aller widrigen Bedingungen auszuüben. Aber, und das gehört eben auch dazu, die Beschäftigten werden älter, Nachwuchs fehlt oftmals. Die im vergangenen Jahr eingeführte generalistische Pflegeausbildung sowie öffentliche Kampagnen führten dazu, dass die absolute Zahl der Auszubildenden wieder steigt. Ob und gegebenenfalls wie nachhaltig dies ist, bleibt abzuwarten, da die Abbruchquote überdurchschnittlich hoch ist.

Prof. Dr. Johannes Gräske

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Studiengangsleiter an der Alice Salomon Hochschule Berlin

Gleichzeitig wird die akademische Pflegeausbildung gesetzlich verankert. Dies ist notwendig, da die Versorgungssituationen immer komplexer werden. Ergebnisse der inzwischen etablierten Pflegeforschung in Deutschland helfen, diesen Herausforderungen gerecht zu werden. Es fehlt bislang allerdings an wissenschaftlich ausgebildeten Pflegenden in der direkten Versorgung. Diese können Ergebnisse der Pflegeforschung finden, rezipieren und auf die konkrete Situation anwenden.

Oft kommt zu kurz, was für ein toller Beruf der Pflegeberuf ist. Prof. Dr. Johannes Gräske, Studiengangsleiter an der Alice Salomon Hochschule Berlin

Daher haben rund 30 Hochschulen und Universitäten in Deutschland mit der akademischen Pflegeausbildung begonnen. Um der anfänglichen Euphorie Nachhaltigkeit zu verleihen, ist es notwendig, dass Politik, Leistungsanbieter*innen und Hochschulen gemeinsame Berufsbilder entwickeln und das Berufsrecht reformieren, damit das künftige Betätigungsfeld klarer und die akademische Ausbildung attraktiver werden.

Zögerlicher Start

Bislang ist die Pflegeausbildung an den Hochschulen zögerlich gestartet. Viele Studierendenplätze bleiben leer. Das liegt sicherlich daran, dass es ein neues Studienprogramm ist, welches noch weitestgehend unbekannt ist. Es bedarf weiterer Informationskampagnen zu dieser neuen Möglichkeit.

Viele, die ein primärqualifizierendes Pflegestudium antreten, brechen allerdings auch wieder ab. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Bei nahezu gleichen zeitlichen Vorgaben wie in der beruflichen Ausbildung fehlt es den Studierenden an einer Finanzierung. Um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen, sind die Studienprogramme so eng gestrickt, dass ein typisches Studierendenleben kaum möglich ist. Die Belastung der Studierenden ist auf Grund der fehlenden Finanzierung des Lebensunterhaltes sehr hoch.

Der Pflegeberuf ist aktuell sehr im Umbruch, es werden Lücken zu internationalen Standards geschlossen. Neue Betätigungsfelder werden entwickelt. All dies geschieht aus der Notwendigkeit heraus, den Beruf attraktiver zu gestalten, um den Versorgungsauftrag zu sichern.

Zur Person

Prof. Dr. Johannes Gräske ist seit Ende 2019 an der Alice Salomon Hochschule Berlin Studiengangsleiter eines primärqualifizierenden Pflegestudienganges. Weiterhin ist er Vorstandsmitglied der Bundesdekanekonferenz Pflegewissenschaft, einem Zusammenschluss der Vertreterinnen und Vertreter pflegewissenschaftlicher Studiengänge an Fachhochschulen, Universitäten und Gesamthochschulen in der Bundesrepublik Deutschland.