Durch die Coronapandemie sind die Herausforderungen der sozialen Pflegeversicherung (SPV) besonders deutlich geworden. Eine der großen Fragen ist die zukunftsfeste Finanzierung der SPV. Die Techniker Krankenkasse hat sich dazu klar positioniert:  Unter anderem sollten die Leistungsbeiträge angehoben werden und die Bundesländer die Investitionskosten übernehmen. Doch Pflege ist nicht nur eine Frage des Geldes. Es geht vor allem um die Arbeit von Menschen. 

Pflegende leisten Tag für Tag Außerordentliches - egal, ob als Angehörige oder professionell ausgebildete Kräfte im Heim, in der Klinik oder im ambulanten Sektor. Sie verrichten körperlich und emotional anstrengende Tätigkeiten, die viel Wissen und Empathie verlangen. Die Bedingungen dieser Arbeit zu verbessern, ist Aufgabe aller Akteure. Brandenburg und Berlin gehen die vielfältigen Herausforderungen an, zum Beispiel mit dem Brandenburger "Pakt für die Pflege". Ergänzend zu bestehenden Projekten schlägt die TK weitere Maßnahmen vor:

  1. Vorschläge des "Masterplan Pflegeberufe" berücksichtigen
  2. Entlastungshilfen umgestalten
  3. Digitale Angebote einsetzen und verankern
  4. Fehlerkultur in der häuslichen Pflege etablieren
  5. Strukturen der Versorgung am Lebensende stärken

1. Vorschläge des "Masterplan Pflegeberufe" berücksichtigen

Es hat verschiedene Gründe, warum Pflegekräfte temporär arbeitsunfähig sind oder ganz aus dem Beruf ausscheiden. So unterschiedlich die Ursachen sind, so differenziert müssen die Lösungen sein.

Mit dem "Masterplan Pflegeberufe"  legt die TK eine Diskussionsgrundlage zur Verbesserung des Sektors vor. Die Vorschläge umfassen beispielsweise Arbeitsbedingungen und neue Karrierepfade. Dieses kann dazu beitragen, die Beschäftigten länger oder in Vollzeit im Beruf zu halten.

2. Entlastungshilfen umgestalten

Mehr als drei Viertel der Pflegebedürftigen werden von Angehörigen betreut. Pflegende Angehörige müssen deshalb auch in den Mittelpunkt von Veränderungen gestellt werden. 

Ein Angebot für pflegende Angehörige wird in Berlin und Brandenburg immer mehr genutzt: die Entlastungsleistungen. 2020 stieg deren Inanspruchnahme durch TK-Versicherte im Vergleich zum Vorjahr in Berlin um 14,5 Prozent und in Brandenburg um 17,9 Prozent. Das ist gut.

Doch die Leistung ist oftmals zu bürokratisch organisiert. Beträge über 125 Euro müssen vorher angespart werden: Will man beispielsweise 750 Euro abrufen, dürfen vorher sechs Monate lang keine Entlastungsleistungen in Anspruch genommen werden. Die TK fordert anstelle des monatlichen Festbetrages ein flexibles Jahresbudget von 1.500 Euro. Das würde nicht nur Angehörige entlasten, sondern auch Bürokratie abbauen.

3. Digitale Angebote einsetzen und verankern

Digitalisierung kann niemals die Arbeit vom Menschen am Menschen ersetzen, aber sie kann Pflegende und zu Pflegende entlasten. Dafür müssen digitale Lösungen nachhaltig im Pflegealltag integriert werden.

Die TK bietet verschiedene Wege und Anwendungen an:

  • Versicherte der TK oder ihre Vertreterinnen und Vertreter können den Erstantrag auf Pflegeleistungen online ausfüllen. Dies spart Wege und Zeit.
  • Der "TK-PflegeCoach" ermöglicht Angehörigen, sich Pflegetechniken und Maßnahmen des psychologischen Selbstschutzes anzueignen.
  • Das kostenlose Online-Angebot "pflegen-und-leben.de" bietet in akuten Belastungssituationen anonym und datensicher Hilfe durch ein geschultes Team von Psychologinnen und Psychologen.

Die TK fordert eine Erweiterung des Leistungskataloges der SPV um digitale Angebote und Inhalte. Ein erster Schritt ist die Öffnung des Hilfsmittelverzeichnisses für E-Lösungen, zum Beispiel technische Assistenzsysteme wie Insulinpumpen. Dieser Ausbau muss vorangetrieben werden. Für einen nachhaltigen Versorgungseffekt ist es zudem notwendig, die Digitalisierung in der Pflege als Thema in Aus- und Weiterbildung zu setzen.

Wenn ein Mensch einen Pflegeplatz benötigt, beginnt die Suche häufig online. Deshalb ist es wichtig, Online-Portale zu schaffen, auf denen digital, tagesaktuell und transparent freie Plätze verschiedener Einrichtungen dargestellt werden. Die TK begrüßt diesbezügliche Vorhaben und ermuntert Brandenburg und Berlin voranzugehen und sich für ein bundesweit einheitliches Angebot einzusetzen.

4. Fehlerkultur in der häuslichen Pflege etablieren

Angehörige zu pflegen kann eine erfüllende, aber auch kräftezehrende Aufgabe sein. Dem zu pflegenden Menschen täglich neu Empathie entgegenzubringen, ist eine große Herausforderung. Pflegende Angehörige haben Angst zu versagen. Doch von der eigenen Überforderung zu reden, ist schambehaftet. Die Techniker Krankenkasse möchte den offenen Austausch darüber fördern und in der häuslichen Pflege eine Fehlerkultur etablieren. Eine TK-Broschüre zeigt an konkreten Beispielen, wie man mit Krisen und Problemen umgehen kann.

5. Strukturen der Versorgung am Lebensende stärken

Sterben in Würde zu ermöglichen - auch das ist Teil der Pflege. Die letzten Lebensmonate und -tage sind eine besondere Zeit für Sterbende und deren Angehörige. Professionelle Unterstützung hilft dabei, den Sterbenden weiterhin als Menschen wahrzunehmen und zu würdigen.

Die Menschen in der Region Berlin und Brandenburg können auf ambulante und stationäre Hospize sowie die Leistungen der ambulanten Palliativversorgung zurückgreifen. Die TK fördert als Teil des Verbandes der Ersatzkassen (vdek) die ambulante Hospizarbeit 2021 in Berlin mit über drei Millionen Euro, in Brandenburg mit 1,3 Millionen Euro.

Erfreulich ist es, dass immer mehr Menschen in ambulanten Hospizdiensten tätig sind und zuletzt neue stationäre Hospize gegründet wurden - unter anderem in Berlin-Neukölln oder Luckau. Diese bestehenden Strukturen gilt es zu stärken und auszubauen.

Pflege: Menschen in den Mittel­punkt

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