Pflegende leisten Tag für Tag Außerordentliches - egal, ob als Angehörige oder professionell Ausgebildete im Heim, der Klinik oder im ambulanten Sektor. Sie verrichten körperlich und emotional anstrengende Tätigkeiten, die viel Wissen und Empathie verlangen. Die Bedingungen dieser Arbeit zu verbessern, ist Aufgabe aller Akteure. Zur Finanzierung der Zukunft im Bereich Pflege hat sich die TK bereits positioniert. Doch die Veränderungen, die nötig sind, gehen weit über das Finanzielle hinaus.

Die Länder Berlin und Brandenburg haben Pflege zu einem Schwerpunkt ihrer politischen Arbeit erklärt. Die Berliner Senatorin ruft verschiedene Dialogformate ins Leben. In Brandenburg räumt die Kenia-Koalition einem "Pakt für Pflege" viel Raum und Geld im Koalitionsvertrag ein. Die Techniker Krankenkasse begrüßt dieses engagierte Vorgehen und schlägt zugleich weitere Maßnahmen vor:

  1. Vorschläge des "Masterplan Pflegeberufe" berücksichtigen
  2. Potenziale der Gesundheitsförderung ausschöpfen
  3. Entlastungshilfen umgestalten
  4. Fehlerkultur in der häuslichen Pflege etablieren
  5. Digitale Angebote einsetzen, ausbauen und verankern
  6. Strukturen der Versorgung am Lebensende stärken

1. Vorschläge des "Masterplan Pflegeberufe" berücksichtigen

Beschäftigte in der Kranken- und Altenpflege sind häufiger krank als andere Arbeitnehmer. 2018 waren die professionell Pflegenden in Brandenburg 26,3 Tage arbeitsunfähig, in Berlin 25,2 Tage. Arbeitnehmer aus anderen Branchen fehlten hingen in der Mark 18,9 und in der Hauptstadt 15,8 Tage.  So mannigfach wie die Gründe der Arbeitsunfähigkeit müssen auch die Lösungen dafür sein.

Mit dem "Masterplan Pflegeberufe" legt die TK eine umfangreiche Diskussionsgrundlage zur Verbesserung des Sektors vor. Die Vorschläge umfassen beispielsweise die Arbeitsbedingungen und neue Karrierepfade. Dadurch soll unter anderem die Attraktivität der Pflegeberufe steigen. Dies kann dazu beitragen, die Beschäftigten länger oder in Vollzeit im Beruf zu halten. Die Techniker Krankenkasse ermuntert die Regierungen in Brandenburg und Berlin, den "Masterplan" als Inspiration für politische Initiativen zu sehen.

2. Potenziale der Gesundheitsförderung ausschöpfen

Im Bereich der Pflege nimmt die berufliche Arbeitsverdichtung zu. Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz kann helfen, die Gesundheit der Pflegenden zu verbessern sowie psychische und physische Belastungen zu verringern. Hierbei sollten die Angebote der großen Bandbreite an unterschiedlichen Belastungen gerecht werden - beispielsweise schweres Heben oder Stress. Die TK unterstützt Modellprojekte wie das Angebot "Mehrwert:Pflege" des Verbandes der Ersatzkassen (vdek). Dieses Projekt zielt unter anderem darauf ab, Präventionsmaßnahmen für Mitarbeiter und Bewohner in stationären Einrichtungen zu entwickeln. Solche und andere Angebote gilt es zu fördern und in bestehende Strukturen einzubinden.

3. Entlastungshilfen umgestalten

Mehr als drei Viertel der Pflegebedürftigen werden von Angehörigen betreut. Veränderungen müssen deshalb auch pflegende Angehörige in den Mittelpunkt stellen. Eine TK-Umfrage zeigt: Die deutliche Mehrheit der Berliner und Brandenburger möchte zu Hause gepflegt werden (76 Prozent). Sie können sich auch vorstellen, selbst Eltern oder Lebenspartner mehrere Wochen zu pflegen (87 Prozent). 

Ein hilfreiches Angebot für pflegende Angehörige wird kaum genutzt: die Entlastungsleistungen. 2019 hat in Berlin und Brandenburg jeweils nur knapp die Hälfte der TK-versicherten Pflegebedürftigen die möglichen 125 Euro monatlich abgerufen. Ursächlich dafür dürften die geringe Bekanntheit sowie die unterschiedlichen Einsatzmöglichkeiten in den Bundesländern sein. Zudem müssen Beträge über 125 Euro vorher angespart werden: Will man beispielsweise 750 Euro abrufen, dürfen vorher sechs Monate lang keine Entlastungsleistungen in Anspruch genommen werden. Die TK fordert anstelle des monatlichen Festbetrages ein flexibles Jahresbudget von 1.500 Euro. Das würde nicht nur Angehörige entlasten, sondern auch Bürokratie abbauen.

4. Fehlerkultur in der häuslichen Pflege etablieren

Angehörige zu pflegen kann eine erfüllende, aber auch kräftezehrende Aufgabe sein. Dem zu pflegenden Menschen täglich neu Empathie entgegenzubringen, ist eine große Herausforderung. Pflegende Angehörige haben Angst zu versagen. Doch von der eigenen Überforderung zu reden ist schambehaftet. Die Techniker Krankenkasse möchte den offenen Austausch darüber fördern und auch in der häuslichen Pflege eine Fehlerkultur etablieren. Eine TK-Broschüre zeigt an Beispielen, wie man mit eventuellen Problemen umgeht.

5. Digitale Angebote einsetzen, ausbauen und verankern

Während der Corona-Pandemie werden digitale Angebote verstärkt nachgefragt. Dies gilt es zu nutzen - auch in der Pflege. Klar ist: Digitalisierung kann nicht die Arbeit vom Menschen am Menschen ersetzen, aber Pflegende und zu Pflegende entlasten.

Beispielhaft dafür stehen drei TK-Angebote:

  • Der "TK-PflegeCoach" ermöglicht Angehörigen, sich Pflegetechniken und Maßnahmen des psychologischen Selbstschutzes anzueignen.
  • Das kostenlose Online-Angebot "pflegen-und-leben.de" bietet in akuten Belastungssituationen anonym und datensicher Hilfe durch ein geschultes Psychologenteam.
  • Seit Juli 2020 können TK-Versicherte oder ihre Vertreter den Erstantrag auf Pflegeleistungen online ausfüllen. Dies spart Wege und Zeit.

Digitale Lösungen müssen nachhaltig im Pflegealltag verankert werden. Die TK fordert die Erweiterung des Leistungskataloges der sozialen Pflegeversicherung um digitale Angebote und Inhalte. Für eine nachhaltige Verankerung sollten sie zudem in der Aus- und Weiterbildung behandelt werden.

6. Strukturen der Versorgung am Lebensende stärken

Menschen ein Sterben in Würde zu ermöglichen - auch das ist Teil der Pflege. Die letzten Lebensmonate und -tage sind eine besondere Zeit für Sterbende und deren Angehörige. Professionelle Unterstützung hilft dabei, den Sterbenden weiterhin als Menschen wahrzunehmen und zu würdigen.

Dabei können Berliner und Brandenburger auf ambulante und stationäre Hospize sowie die Leistungen der ambulanten Palliativversorgung zurückgreifen. Die TK begrüßt, dass immer mehr Menschen in ambulanten Hospizdiensten tätig sind und zusätzliche stationäre Hospize gegründet werden - letztere unter anderem in Berlin-Neukölln, Woltersdorf, Luckau und ein Kinderhospiz in Burg. Alle Akteure sind angehalten, bestehende Strukturen zu stärken und auszubauen.

Pflege: Menschen in den Mittelpunkt

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