TK: Burnout, Übergewicht, Sucht - die Liste der Themen in der Prävention ist lang. Wie geht die TK in Sachsen mit diesen Herausforderungen um?

Tobias Carius: Nicht nur die Themen sind eine Herausforderung. Wichtig ist, dass wir mit unseren Angeboten auch diejenigen erreichen, bei denen wir einen Bedarf erkennen. Das gelingt uns mit dem so genannten Setting-Ansatz.

Das heißt, die Angebote werden direkt in den Lebenswelten der Menschen umgesetzt. Mit vielen - auch selbst entwickelten und evaluierten Angeboten - ist die TK in diesen Lebenswelten Kita, Schule, Betrieb, Hochschule und Kommune unterwegs und unterstützt ihre Versicherten dabei, mehr Gesundheit in ihr Leben zu bringen.

Wir stehen im ständigen Austausch mit unseren Kunden. So konnten wir in den letzten zwei Jahrzehnten sehr gute Strukturen und Know-How für Präventionsthemen entwickeln. Auf diese Weise entstanden unsere Online-Coaches , zum Beispiel für Menschen, die unter Kopfschmerzen oder Stress leiden, ihre Ernährung umstellen oder mit dem Rauchen aufhören möchten. Der Trend geht in Richtung Digitalisierung: Viele wollen nach der Arbeit keinen Kurs besuchen, sondern flexibel und von zu Hause aus etwas für ihre Gesundheit tun.

TK: Apropos Know-How. Seit 18 Jahren läuft bei der TK das Projekt Gesunde Schule / Gesunde Kita . Welche Themen spielen eine besondere Rolle? Wie viele Einrichtungen unterstützen Sie?

Tobias Carius: Die Projekte umfassen häufig den Bereich der Stressprävention und Entspannung. Dazu gehören sowohl Maßnahmen, die eine gesundheitsförderliche Teamkultur im Blick haben, als auch Maßnahmen zur Entspannung des pädagogischen Personals und der Kinder.

Jede Einrichtung können wir mit bis zu 10.000 Euro unterstützen.
Tobias Carius

Hinzu kommen Multiplikatoren-Workshops, in denen Erzieher und Lehrer gemeinsam mit den Eltern praxistaugliche Übungen für die Umsetzung im Alltag erlernen, beispielsweise Übungen zur Blitzentspannung. Und natürlich finden sich in den Projektanträgen auch die Themen Bewegung, Ernährung und Sucht wieder.

Speziell in der Stressprävention haben wir neben der "Gesunden Schule und Gesunden Kita" noch multimodale Angebote für Kinder Flyer-Bleib-Locker (PDF, 628 kB) und Jugendliche  Flyer-Snake (PDF, 638 kB) .

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Tobias Carius

Wir engagieren uns außerdem gegen Mobbing an Schulen und versuchen den Gesundheitsgedanken schon früh bei Eltern und Kinder zu implementieren - sowohl bei Erziehungsfragen wie bei dem Projekt Schatzsuche als auch im Rahmen des Unterrichts, zum Beispiel bei Olympia ruft: Mach mit! .

TK: Wie hoch sind die Fördersummen?

Tobias Carius: Jede Einrichtung können wir mit bis zu 10.000 Euro unterstützen. 2018 haben wir neun Schulen und 61 Kitas mit insgesamt mehr als 208.000 Euro gefördert. "Olympia ruft: Mach mit!" und "Schatzsuche" fördern wir mit rund 105.000 Euro. Und auch dieses Jahr fließen wieder hohe Fördersummen. Bis heute haben wir dieses Jahr schon 24 Kitas und fünf Schulen mit insgesamt 109.000 Euro gefördert.

TK-Expertin für Prävention in Kitas und Schulen

Madlen Gelfert
040 - 46 06 51 03-453
madlen.gelfert@tk.de

TK: Nicht nur Kitas und Schulen profitieren von gesundheitsfördernden Maßnahmen. Fast 30 Prozent der Unternehmen in Deutschland bieten ihren Mitarbeitern Maßnahmen zur Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) an, so die Studie "#whatsnext" . Auf was setzen Unternehmen, wenn es um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter geht?

Tobias Carius: Die klassischen Disziplinen sind Stressprävention, Rückengesundheit und Ernährung. Vor allem in großen Unternehmen ist das Thema BGF angekommen. Kleine und mittlere Unternehmen konzentrieren sich hingegen eher auf Aspekte wie Arbeitssicherheit und leider noch zu wenig auf die Beschäftigtengesundheit.

Unsere Studie hat gezeigt, dass das Engagement stark von den Führungskräften abhängt. Auch einzelne Mitarbeiter, die unter anderem für die Gesundheitsförderung verantwortlich sind, haben großen Einfluss auf das gesunde Arbeitsumfeld.

Die Arbeitswelt verändert sich derzeit rasant. Es geht um die Internationalisierung der Teams, die digitale Transformation und Mobilität.
Tobias Carius

Warum BGF immer wichtiger wird, verdeutlicht auch der jüngste Gesundheitsreport der TK: Jeder zweite Erwerbstätige scheidet vor dem offiziellen Renteneintrittsalter aus dem Arbeitsleben aus. Darunter jeder Siebte aufgrund von Berufsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit oder Schwerbehinderung.

Es gibt also noch großen Handlungsbedarf, wenn die Menschen in Deutschland künftig länger berufstätig sein sollen. Die Gesundheit und Einsatzfähigkeit ihrer Mitarbeiter wird die Arbeitgeber in Zukunft noch mehr beschäftigen. Das gilt im Übrigen auch für Hochschulen.

TK: Inwiefern?

Tobias Carius: Hochschulen nehmen als Lebens- und Arbeitsraum von verschiedenen Gruppen wie Studierenden, Professoren, aber auch Angestellten aus Technik und Verwaltung eine besondere Funktion für die Gesundheitsförderung ein. Gerade hier ist ein achtsamer und gesundheitsförderlicher Lebensstil wichtig.

Denn die Studierenden von heute sind die Mitarbeiter und Führungskräfte von morgen. Das, was sie an Gesundheits-Know-how an der Uni lernen und erleben, transportieren sie nach dem Abschluss mit in die Arbeitswelt. Wir setzen uns daher schon seit mehr als 15 Jahren für die Gesundheit an Hochschulen ein. Je nach spezifischem Bedarf der einzelnen Einrichtung entwickeln wir Strukturen für ein positives Lern- und Forschungsklima.

TK: Spielt die Digitalisierung eine wichtige Rolle bei der Betrieblichen Gesundheitsförderung?

Tobias Carius: Eine ganz große Rolle. Die Arbeitswelt verändert sich derzeit rasant, so dass gesunde Unternehmen vor größeren Herausforderungen stehen als bei der Beschaffung rückengerechter Stühle. Es geht um die Internationalisierung der Teams, die digitale Transformation und Mobilität.

Im Rahmen der BGF werden daher auch  unsere Online Tools wie GesundheitsCoaches immer wichtiger. Auch Webinare zur Betrieblichen Gesundheitsförderung für Mitarbeiter und Führungskräfte werden gerne genutzt. Hinzu kommen Angebote auf Englisch und ganz individuelle Angebote für bestimmte Branchen sowie für komplexere Aufgabenfelder und belastende Tätigkeiten.

TK: Welche Rolle spielt das Thema Pflege in der Prävention?

Tobias Carius: Gesetzliche Krankenkassen sind per Gesetz aufgefordert, sowohl für Bewohner in Pflegeeinrichtungen, als auch für das Pflegepersonal geeignete Präventionsmaßnahmen anzubieten bzw. umzusetzen. Die TK nimmt diesen Auftrag ernst und führt in Sachsen beispielsweise zusammen mit der TU Chemnitz das Projekt PROCARE durch. Für Pflegekräfte gibt es dabei unter anderem ein selbstgewähltes Programm an sportlichen Aktivitäten oder Kurse zum Thema Stressmanagement. Das Präventionsprogramm für die Pflegebedürftigen umfasst die Gangschulung, Sturzprophylaxe, Förderung von Beweglichkeit, Denksportaufgaben, Interaktion und Zufriedenheit.

Zusammen mit der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg setzen wir außerdem in sieben Einrichtungen in Sachsen das Projekt PEKo um. Hier geht es um die Vermeidung von Gewalt in der stationären Pflege. Wir erarbeiten mit den Einrichtungen Maßnahmen zur Gewaltprävention und stellen sicher, dass diese nachhaltig in den Einrichtungsstrukturen verankert sind.

Das geben alle gesetzlichen Krankenkassen für Prävention aus:

  • Gesundheitsförderung in Lebenswelten: 153 Millionen Euro
  • Betriebliche Gesundheitsförderung: 158 Millionen Euro
  • Individuelle Präventionsangebote: 208 Millionen Euro
  • Prävention in stationären Pflegeeinrichtungen: 8,5 Millionen Euro
  • Ausgaben je Versicherten: 7,18 Euro

(Quelle: GKV-Spitzenverband Präventionsbericht)