TK: Burnout, Übergewicht, Sucht - die Liste der Themen in der Prävention ist lang. Wie geht die TK in Sachsen mit diesen Herausforderungen um?

Tobias Carius: Nicht nur die Themen sind eine Herausforderung. Wichtig ist, dass wir mit unseren Angeboten auch diejenigen erreichen, bei denen wir einen Bedarf erkennen. Das gelingt uns mit dem so genannten Setting-Ansatz.

Das heißt, die Angebote werden direkt in den Lebenswelten der Menschen umgesetzt. Mit vielen - auch selbst entwickelten und evaluierten Angeboten - ist die TK in diesen Lebenswelten Kita, Schule, Betrieb, Hochschule und Kommune unterwegs und unterstützt ihre Versicherten dabei, mehr Gesundheit in ihr Leben zu bringen.

Wir stehen im ständigen Austausch mit unseren Kunden. So konnten wir in den letzten zwei Jahrzehnten sehr gute Strukturen und Know-How für Präventionsthemen entwickeln. Auf diese Weise entstanden unsere Online-Coaches , zum Beispiel für Menschen, die unter Kopfschmerzen oder Stress leiden, ihre Ernährung umstellen oder mit dem Rauchen aufhören möchten. Der Trend geht in Richtung Digitalisierung: Viele wollen nach der Arbeit keinen Kurs besuchen, sondern flexibel und von zu Hause aus etwas für ihre Gesundheit tun.

TK: Apropos Know-How. Seit 14 Jahren läuft bei der TK das Projekt Gesunde Schule / Gesunde Kita. Wie viele Einrichtungen haben Sie unterstützt? Welche Themen spielen eine besondere Rolle?

Tobias Carius: Seit 2005 haben wir in Sachsen 281 Kitas und 86 Schulen gefördert. Die Projekte umfassen häufig den Bereich der Stressprävention und Entspannung. Dazu gehören sowohl Maßnahmen, die eine gesundheitsförderliche Teamkultur im Blick haben, als auch Maßnahmen zur Entspannung des pädagogischen Personals und der Kinder.

Hinzu kommen Multiplikatoren-Workshops, in denen Erzieher und Lehrer gemeinsam mit den Eltern praxistaugliche Übungen für die Umsetzung im Alltag erlernen, beispielsweise Übungen zur Blitzentspannung. Und natürlich finden sich in den Projektanträgen auch die Themen Bewegung, Ernährung und Sucht wieder.

Speziell in der Stressprävention haben wir neben der "Gesunden Schule und Gesunden Kita" noch multimodale Angebote für Kinder Flyer-Bleib-Locker (PDF, 628 kB) und Jugendliche Flyer-Snake (PDF, 638 kB) .

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Tobias Carius

Wir engagieren uns außerdem gegen Mobbing an Schulen und versuchen den Gesundheitsgedanken schon früh bei Eltern und Kinder zu implementieren - sowohl bei Erziehungsfragen wie bei dem Projekt Schatzsuche als auch im Rahmen des Unterrichts, zum Beispiel bei Olympia ruft: Mach mit!.

TK: Wie hoch sind die Fördersummen?

Tobias Carius: Jede Einrichtung können wir mit bis zu 5.000 Euro unterstützen. 2017 haben wir 17 Schulen und 82 Kitas mit insgesamt mehr als 235.000 Euro gefördert. "Olympia ruft: Mach mit!" und "Schatzsuche" fördern wir mit fast 120.000 Euro. Und auch dieses Jahr fließen wieder hohe Fördersummen. Bis heute haben wir dieses Jahr schon 54 Kitas und neun Schulen mit insgesamt mehr als 180.000 Euro gefördert.

TK-Expertin für Prävention in Kitas und Schulen

Madlen Gelfert
040 - 46 06 51 03-453
madlen.gelfert@tk.de

TK: Nicht nur Kitas und Schulen profitieren von gesundheitsfördernden Maßnahmen. Fast 30 Prozent der Unternehmen in Deutschland bieten ihren Mitarbeitern Maßnahmen zur Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) an, so die Studie "#whatsnext" , die die TK letztes Jahr vorgestellt hat. Auf was setzen Unternehmen, wenn es um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter geht?

Tobias Carius: Die klassischen Disziplinen sind Stressprävention, Rückengesundheit und Ernährung. Vor allem in großen Unternehmen ist das Thema BGF angekommen. Kleine und mittlere Unternehmen konzentrieren sich hingegen eher auf Aspekte wie Arbeitssicherheit und leider noch zu wenig auf die Beschäftigtengesundheit.

Unsere Studie hat gezeigt, dass das Engagement stark von den Führungskräften abhängt. Auch einzelne Mitarbeiter, die unter anderem für die Gesundheitsförderung verantwortlich sind, haben großen Einfluss auf das gesunde Arbeitsumfeld.

Die Arbeitswelt verändert sich derzeit rasant. Es geht um die Internationalisierung der Teams, die digitale Transformation und Mobilität.
Tobias Carius

Warum BGF immer wichtiger wird, verdeutlicht auch der jüngste Gesundheitsreport der TK: Jeder zweite Erwerbstätige scheidet vor dem offiziellen Renteneintrittsalter aus dem Arbeitsleben aus. Darunter jeder Siebte aufgrund von Berufsunfähigkeit, Erwerbsunfähigkeit oder Schwerbehinderung.

Es gibt also noch großen Handlungsbedarf, wenn die Menschen in Deutschland künftig länger berufstätig sein sollen. Die Gesundheit und Einsatzfähigkeit ihrer Mitarbeiter wird die Arbeitgeber in Zukunft noch mehr beschäftigen. Das gilt im Übrigen auch für Hochschulen.

TK: Inwiefern?

Tobias Carius: Hochschulen nehmen als Lebens- und Arbeitsraum von verschiedenen Gruppen wie Studierenden, Professoren, aber auch Angestellten aus Technik und Verwaltung eine besondere Funktion für die Gesundheitsförderung ein. Gerade hier ist ein achtsamer und gesundheitsförderlicher Lebensstil wichtig.

Denn die Studierenden von heute sind die Mitarbeiter und Führungskräfte von morgen. Das, was sie an Gesundheits-Know-how an der Uni lernen und erleben, transportieren sie nach dem Abschluss mit in die Arbeitswelt. Wir setzen uns daher schon seit mehr als 15 Jahren für die Gesundheit an Hochschulen ein. Je nach spezifischem Bedarf der einzelnen Einrichtung entwickeln wir Strukturen für ein positives Lern- und Forschungsklima.

TK: Spielt die Digitalisierung eine wichtige Rolle bei der Betrieblichen Gesundheitsförderung?

Tobias Carius: Eine ganz große Rolle. Die Arbeitswelt verändert sich derzeit rasant, so dass gesunde Unternehmen vor größeren Herausforderungen stehen als bei der Beschaffung rückengerechter Stühle. Es geht um die Internationalisierung der Teams, die digitale Transformation und Mobilität.

Im Rahmen der BGF werden daher auch  unsere Online Tools wie GesundheitsCoaches immer wichtiger. Auch Webinare zur Betrieblichen Gesundheitsförderung für Mitarbeiter und Führungskräfte werden gerne genutzt. Hinzu kommen Angebote auf Englisch und ganz individuelle Angebote für bestimmte Branchen sowie für komplexere Aufgabenfelder und belastende Tätigkeiten.

TK: Wie bewerten Sie die Pläne der Koalition zum Thema Prävention?

Tobias Carius: Wir begrüßen beispielsweise die geplante Gründung eines Nationalen Gesundheitsportals, das Patientinnen und Patienten verlässlich und schnell im Internet über medizinische Fragestellungen und Strukturen im Gesundheitswesen informieren soll. Sofern auf bereits existierende qualitative Gesundheitsinformationen zurückgegriffen und das Angebot entsprechend erweitert wird, kann damit die Gesundheitskompetenz in Deutschland erhöht werden. Da es sich beim "Nationalen Gesundheitsportal" um eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe handelt, sollte die Finanzierung aus Steuermitteln erfolgen.

Auch sollen die Patientenrechte weiter gestärkt und der Antibiotikaverbrauch reduziert werden. Das sind weitere wichtige Punkte im Koalitionsvertrag, auf deren konkrete Umsetzung wir gespannt sind.

Das geben alle gesetzlichen Krankenkassen für Prävention aus:

Gesundheitsförderung in Lebenswelten: 116 Millionen Euro

Betriebliche Gesundheitsförderung: 147 Millionen Euro

Individuelle Präventionsangebote: 211 Millionen Euro

Ausgaben je Versicherten: 6,64 Euro

(Quelle: GKV-Spitzenverband Präventionsbericht)