Die Gleichung geht auf. Das belegen zum einen wissenschaftliche Langzeitstudien. Zum anderen sprechen die guten Praxiserfahrungen und positiven Rückmeldungen der Teilnehmer für das Programm.

Von August 2015 bis Ende 2017 haben sich etwa 230 Thüringer Lehrer und andere Pädagogen, beispielsweise Sozialarbeiter, schulen lassen, um IPSY mithilfe eines Manuals in ihren fünften bis siebten Klassen zu unterrichten. Etwa ein Viertel aller Sekundarschulen in ganz Thüringen wurde damit erreicht.

"Wir hatten Teilnehmer aus allen Schulformen - Regelschulen, Gymnasien, Gemeinschafts- und Gesamtschulen und auch aus einem Förderzentrum. Die geografische Verteilung der entsendeten Personen zeigt zudem, dass IPSY auch tatsächlich im ganzen Freistaat angenommen wurde und nicht an der typischen Jena-Weimar-Erfurt-Achse blieb. Das ist ein schöner Erfolg", sagt Prof. Dr. Karina Weichold. Die Jenaer Psychologin hat das Programm mit ihrem Team an der Friedrich-Schiller-Universität Jena entwickelt.

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Von links nach rechts: Christiane Haun-Anderle (TK), Dr. Anja Blumenthal (FSU Jena) und IPSY-Projektsleiterin Prof. Dr. Karina Weichold (Foto: Anne Günther/FSU Jena)

Die TK unterstützte die Verbreitung in Thüringen mit 30.000 Euro, sodass die Teilnahme an den Trainings und das Material für die Pädagogen kostenfrei waren und auch zukünftig sind.

IPSY Flyer (PDF, 117 kB)

Ein weiterer Erfolg sei, dass die Trainings in den drei Jahren so verbessert werden konnten, dass nun fast 100 Prozent der Teilnehmer das Programm weiterempfehlen und sich noch mal schulen lassen würden.

Von Thüringen für ganz Deutschland

Nach den positiven Erfahrungen in Thüringen streben Karina Weichold und ihr Team nun an, IPSY allen Schulen mit Klassenstufen fünf bis sieben im gesamten Bundesgebiet zur Verfügung zu stellen und die Implementierung unterstützend zu begleiten.

Seit März 2018 können sich Pädagogen für Schulungen anmelden. Das erste Training fand im Juni in Trier statt. Die TK ist weiter Gesundheitspartner und unterstützt das Projekt über vier Jahre mit insgesamt 750.000 Euro.

"IPSY gehört zu den wenigen evidenzbasierten Präventionsprogrammen, deren Wirkung in langjähriger wissenschaftlicher Forschung belegt ist", sagt Thomas Holm, Leiter Gesundheitsförderung in Lebenswelten bei der TK. "Die TK unterstützt die Jenaer Psychologen sehr gerne dabei, diesen fundierten Ansatz in möglichst viele deutsche Schulen zu tragen. Nachdem wir zahlreiche positive Rückmeldungen aus der Modellregion Thüringen bekommen haben, freut uns die offensichtlich erfolgreiche Verbindung von Forschung und Präventionspraxis umso mehr."

Suchtprävention durch Stärkung der Persönlichkeit

Eine Besonderheit von IPSY erklärt Weichold so: "Mit unserem primärpräventiven Programm setzen wir bei Schülern an, noch bevor sie anfangen zu rauchen und Alkohol zu trinken beziehungsweise bevor sich Konsummuster verfestigen."

Dabei geht es ihnen nicht nur darum, explizit vor Drogen zu warnen. "Wir gehen an die eigentlichen Ursachen für Drogenkonsum, die Aufklärungsprogramme oftmals höchstens am Rande behandeln. Jugendliche geraten meist in Abhängigkeit, weil sie sich erhoffen, mit Rauschmitteln unter Freunden Anerkennung und sozialen Status zu erlangen oder typische Probleme ihrer Lebensphasen zu lösen."

Mit IPSY können Lehrer ihren Schülern zum Beispiel helfen, selbstsicherer zu werden, informierte Entscheidungen zu treffen und ihre Kommunikationsfähigkeit zu stärken. "Das ist das Rüstzeug, das sie brauchen, um einfach "Nein" zu Drogen zu sagen und auch sonst gefestigter durchs Leben zu gehen", sagt Weichold.

"Ein positiver Nebeneffekt: Fast alle Teilnehmer haben viel Spaß und berichten von einem langfristig besseren Klima in der Klasse."

Aus der Wissenschaft in die Praxis -  das Erfolgsrezept

Gesichert und verstärkt wird die Wirkung durch den langfristigen Aufbau des Programms. Nach den ersten und intensivsten Unterrichtseinheiten in Klassenstufe fünf gibt es Auffrischungen und Übungen in den Klassen sechs und sieben. Dieses Festigen der Inhalte ist eines der in der Forschung anerkannten Qualitätsmerkmale für Prävention.

Mit IPSY ist den Jenaer Wissenschaftlern ein eher seltener Schritt gelungen: Ein über Jahre wissenschaftlich entwickeltes und evaluiertes Projekt wurde allgemeinverständlich und für die Praxis anwendbar aufbereitet und wird nun systematisch verbreitet.

"Lehrer, die das Projekt in ihre Klassen bringen, müssen nicht mehr hoffen, dass sie damit etwas erreichen. Denn wir wissen einfach, dass es wirkt. Der zeitliche Aufwand zahlt sich somit aus, was weiter motiviert", sagt Weichold. "Für uns Wissenschaftler ist es toll, dass die breite Allgemeinheit so von unserer Arbeit profitieren kann."

Darüber hinaus können die Methoden, mit Stress und belastenden Situationen umzugehen, den jungen Menschen auch später helfen, beispielsweise im Studium oder im Berufsleben.

Ansprechpartnerin Presse

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