TK: Frau Oehlmann, was hat das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) zur Teilnahme an der aktuellen Umfrage im Rahmen der "What's next"-Studie bewegt?

Lena Oehlmann: Wir arbeiten seit mehreren Jahren sehr erfolgreich mit der Techniker Krankenkasse im Bereich des Betrieblichen Gesundheitsmanagements zusammen und tragen daher gerne unseren Teil zu einer repräsentativen Umfrage bei. Zudem ist es  wichtig, dass das Thema BGM mehr Präsenz bekommt, nicht nur innerhalb der Unternehmen, sondern auch in der Öffentlichkeit, um das Bewusstsein für die Notwendigkeit eines nachhaltigen BGMs zu schaffen bzw. zu stärken.

Lena Oehl­mann

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BGM-Koordinatorin des Zentrums für Marine Tropenforschung

TK: Welche grundsätzliche Bedeutung hat das BGM bei Ihnen im Betrieb? Wo würden sie den Reifegrad sehen?

Oehlmann: Um es bildlich zu sagen, ist das BGM am ZMT mittlerweile aus den Kinderschuhen herausgewachsen und macht sichere Schritte. Unser Team im Gesundheitszirkel hat in den letzten fünf Jahren viel geschafft. So begannen wir vor knapp fünf Jahren mit ersten Maßnahmen zur Gesundheitsförderung. An einem ersten Gesundheitstag mit der Techniker wurde dann das Interesse bei vielen Kolleginnen und Kollegen geweckt, so dass unsere Angebote immer vielseitiger wurden. Mittlerweile spielt das BGM eine zentrale Rolle in der Kultur des ZMT. Wir bewegen uns sowohl in der Verhaltens- als auch in der Verhältnisprävention mit strategischen Maßnahmen immer weiter.

TK: Inwieweit ist das BGM bei Ihnen im Unternehmen bereits verankert, wie etwa in der Unternehmensstrategie oder den Führungsgrundsätzen?

Oehlmann: Als BGM-Koordinatorin  treibe ich das Thema voran, setzte es auf die Agenda und mache darauf aufmerksam. Das hat Früchte getragen. Unsere Geschäftsführung hat ein offenes Ohr für BGM und unterstützt Maßnahmen in diesem Bereich. Unsere Workshop-Reihe zum Thema "Gesunde Führung" ist beispielsweise ein Schritt bei der Verankerung des BGM in Führungsgrundsätzen.

TK: Welche Rolle spielt das BGM in Krisenzeiten, wie der derzeitigen Corona-Pandemie? Gibt es Maßnahmen, die sich in dieser Situation besonders ausgezahlt haben?

Oehlmann: Leider können wir viele Maßnahmen, von denen unser BGM lebt, zur Zeit wegen der Corona-Auflagen nicht durchführen. Viele Kolleginnen und Kollegen vermissen unser Lauftraining, unsere Teilnahme am Firmenlauf, die Gesundheitstage, das gemeinsame Kochen. Seit April letzten Jahres können wir aber unser Rücken-Fit Training im Video-Format anbieten. Das ist zwar nicht dasselbe wie gemeinsam im großen Seminarraum zu schwitzen, bringt aber etwas Kontinuität. Die Veränderungen durch die Corona-Krise haben es aber auch möglich gemacht, ein großes Projekt anzugehen. So hatten wir im Team jetzt die Ressourcen, um Gefährdungsbeurteilungen zu psychischen Belastungen am Arbeitsplatz zu machen - gerade in der jetzigen Zeit ein wichtiges Thema.

TK: Welche weiteren Themenfelder des BGM haben bei Ihnen eine größere Relevanz? Was wird besonders von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nachgefragt?

Oehlmann: Im Bereich der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) ist unser Lauftraining sehr beliebt. In letzter Zeit gab es aber auch vermehrt Anfragen zum Thema "Resilienz", was sicherlich auch mit der momentanen Lebens- und Arbeitssituation aller zusammenhängt. Hier kann ich mir gut vorstellen, Angebote auszuarbeiten. Auf organisatorischer Ebene spielt die Koordination der arbeitsmedizinischen Vorsorge an unserem Institut durch viele Auslandsreisen und wissenschaftliche Feldarbeit in den Tropen (in der Zeit vor Corona) zudem eine wesentliche Rolle.

TK: Welche Erkenntnisse aus der 2020er Studie können Sie für sich mitnehmen? Was planen Sie in nächster Zeit in Sachen BGM weiter umzusetzen?

Oehlmann: Für mich als Koordinatorin liegt das Hauptaugenmerk für die Zukunft in der strategischen Weiterentwicklung des BGM. Zunächst stehen erst einmal die Workshops zur Auswertung der Gefährdungsbeurteilungen an. Ich bin mir sicher, dass wir hieraus neue Maßnahmen generieren werden.

Schön wäre es natürlich, wenn wir im Sommer die Lauf- und Rückenkurse wieder aufnehmen und vielleicht erste Workshops abseits von Video-Plattformen durchführen könnten.

Sowohl die 2020er Studie, als auch die Veränderungen durch die Corona-Pandemie haben gezeigt, dass es auch noch viel zu tun gibt im Bereich des mobilen Arbeitens oder der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das ZMT ist hier auf einem sehr guten Weg und meines Erachtens schon sehr gut aufgestellt. Aber fertig ist man ja nie. Es gibt immer wieder neue Ideen, und Bedürfnisse ändern sich.

Hintergrund

Das Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung GmbH ist ein selbständiges Forschungs- und Lehrinstitut, in dem wissenschaftliche Grundlagen für den Schutz und die nachhaltige Nutzung tropischer Küstenökosysteme geschaffen werden. 

Die Arbeit erfolgt in enger Kooperation mit internationalen und nationalen Partnern. Als Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft (seit 2009) wird das Institut durch die Bundesrepublik Deutschland und ihre Länder, insbesondere Bremen, gefördert.

Das ZMT wurde 1991 gegründet und hat jetzt mehr als 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Es gehört der 2019 gegründeten Deutschen Allianz für Meeresforschung an.

Trendstudie #whatsnext2020 

Die Vertiefungsstudie entstand in Kooperation der Techniker Krankenkasse (TK) mit dem Institut für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG) und der Haufe Group. Vom 17. Februar bis 31. März 2020 wurden insgesamt 1.192 Organisationen online und anonym zu ihrem BGM befragt.  Am 1. September wurden die Ergebnisse im Rahmen einer Pressekonferenz vorgestellt. 72,7% der Befragten stammen aus der Privatwirtschaft, 24,7% aus dem öffentlichen Dienst, 2,6% konnten nicht zugeordnet werden. Die komplette Studie " Trendstudie #whatsnext2020 (PDF, 2.3 MB) - Erfolgsfaktoren für gesundes Arbeiten in der digitalen Arbeitswelt" steht im Presseportal der TK zum Download bereit. Weitere Infos zur Studie, Grafiken und einen Blogbeitrag gibt es ebenfalls online.