TK: Frau Meyer, eine der zentralen Aufgaben der Landesmedienanstalt ist die Förderung eines aktiven und bewussten Umgangs der Saarländerinnen und Saarländern mit Medieninhalten. Wie erfolgreich sind Sie aktuell aus Ihrer Sicht damit und welche sind die wichtigsten Maßnahmen?

Ruth Meyer: Gerade erst haben wir das 25-jährige Bestehen des Medienkompetenzzentrums und den 100.000sten Besucher dort gefeiert. Inklusive Schulklassen, Elternarbeit sowie Angeboten vor Ort in Kooperation mit Unternehmen, Institutionen und Vereinen kommen wir in dieser Zeit insgesamt auf etwa doppelt so viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer - das ist doch sehr beachtlich. Daher können wir feststellen, dass es der LMS fraglos gelungen ist, in einer sich permanent ändernden Medienlandschaft eine alters- und zielgruppengerechte Förderung von Medienkompetenz im Saarland zu etablieren und diese als anerkannte Fachstelle stetig weiterzuentwickeln.

Ruth Meyer

Porträtfoto von Ruth Meyer Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Direktorin der Landesmedienanstalt Saarland (LMS)

TK: Inwiefern hat Medienkompetenz für Sie auch einen direkten Einfluss auf die Gesundheit der Menschen?

Meyer: Vieles von dem, was wir heutzutage über Krankheiten, Begleiterscheinungen, Behandlung, Vorbeugung oder Nachsorge wissen, erfahren wir aus dem Internet, über Soziale Medien oder über Künstliche Intelligenz. Hier gilt es genau hinzuschauen, welchen Informationen wir trauen können - das kritische Hinterfragen und ein realistisches Verifizieren der Quellen ist ein ganz wesentlicher Bestandteil von Medienkompetenz. In unseren Veranstaltungen zeigen wir auf, woran man vertrauenswürdige Informationen erkennt und mit welchen Tricks diejenigen unterwegs sind, die Falschinformationen streuen oder uns das Geld aus der Tasche ziehen wollen.

Das kritische Hinterfragen und ein realistisches Verifizieren der Quellen ist ein ganz wesentlicher Bestandteil von Medienkompetenz. Ruth Meyer

TK: Die LMS und das Netzwerk Patientensicherheit für das Saarland kooperieren, um die digitale Gesundheitskompetenz zu fördern. Warum ist das so wichtig und wie sieht die Zusammenarbeit aus?

Meyer: Gerade im Gesundheitsbereich gibt es durch die technischen Entwicklungen immer mehr Bereiche, in denen von Patientinnen und Patienten digitale Kompetenz gefordert wird (Stichwort E-Rezept, E-Patientenakte). Dieser technische Fortschritt betrifft alle Saarländerinnen und Saarländer und insbesondere die älteren unter uns, denen es zum Teil ganz grundsätzlich an Umgangskompetenz mit digitalen Angeboten fehlt und die daher auch nicht darin geübt sind, digitale Medien für ihre Belange zu nutzen (z.B. Gesundheits-Apps). Gerade dieser Personengruppe geben wir mit unseren landesweiten Kursen Hilfestellungen, indem wir z.B. über das Projekt Medien|66 dieses Knowhow in Kleingruppen niedrigschwellig vermitteln.

Das Netzwerk Patientensicherheit unterstützt uns dabei fachlich mit aktuellen Informationen und wir kooperieren im Rahmen von einschlägigen Veranstaltungen und Publikationen sowie bei der entsprechenden Pressearbeit.

TK: Die Bedeutung von Medien- und Gesundheitskompetenz wird immer größer, gerade mit Blick auf Soziale Medien. Was müssten zur weiteren Förderung im Saarland aus Ihrer Sicht die nächsten konsequenten Schritte sein?

Meyer: Völlig richtig: Durch die wachsende Durchdringung dieses wichtigen Lebensbereichs etwa mit KI-Assistenten und Onlinedienstleitungen wird der Bedarf an Orientierung weiter zunehmen. Die LMS steht bereit, entsprechenden Angebote auszuweiten. Hierzu sind wir für Partnerschaften und Kooperationen offen. Um die Breite der Bevölkerung erreichen zu können, sind wir auf finanzierte Projekte wie Medien|66 angewiesen. Sowohl das Sozial- als auch das Verbraucherministerium unterstützen aktuell Seminare für Ältere. Ich halte aber insbesondere auch für jüngere Altersgruppen Angebote zur Gesundheitsförderung in Zusammenhang mit Medien - etwa im Hinblick auf digital wellbeing - für bedeutsam. 

Nicht zuletzt ist die LMS aber auch Aufsichtsbehörde und kann gegen Falschinformationen, nicht gekennzeichnete Werbung oder Intransparenz medienrechtlich vorgehen.

Alle weitergehenden Informationen und Ansprechstellen in unserem Haus finden Sie auf der Homepage der LMS.