Zur Sache: WebbyVersum – Medienbildung in der Kita
Artikel aus Hamburg
Apps auf dem Tablet oder die Eltern am Smartphone - in unserer zunehmend digitalen Welt werden Kinder bereits im frühen Alter unweigerlich mit digitalen Medien konfrontiert. Um Kindern bereits in der Kita einen gesunden Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln, hat die TK gemeinsam mit der Universität Greifswald und dem Verein Blickwechsel e. V. das Präventionsprojekt "WebbyVersum" entwickelt.
Das Projekt wurde zunächst im Rahmen einer Pilotphase in sieben Bundesländern getestet - unter anderem in Hamburg. Seit Anfang des Jahres können sich Kitas nun bundesweit für das Projekt anmelden. Wieso Medienkompetenz bereits in jungen Jahren gefördert werden sollte und was das Besondere an WebbyVersum ist, berichten Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, und Nina Soppa, Bildungsreferentin und Projektleiterin bei Blickwechsel e. V., im Interview.
TK: Frau Soppa, was ist WebbyVersum und wie läuft das Projekt ab?
Nina Soppa: WebbyVersum ist ein ganzheitliches Programm zur Förderung der Medienbildung in Kitas. Dabei arbeiten wir insbesondere mit den pädagogischen Fachkräften in den Einrichtungen zusammen. In Inhouse-Veranstaltungen vermitteln wir Wissen rund um die Chancen und Risiken beim Aufwachsen in digitalen Zeiten sowie Methoden zur aktiven Medienarbeit mit Kita-Kindern. Zwei Personen aus dem Team werden nochmal extra fortgebildet, um im Sinne der Nachhaltigkeit das Thema stärker in der Kita zu verankern.
Auch die Eltern nehmen wir in den Blick - je nach den Bedürfnissen der Elternschaft bieten wir unterschiedliche Formate zur Medienerziehung in der Familie an: vom niedrigschwelligen Elternfrühstück über den aktiven Eltern-Kind-Nachmittag bis hin zum "klassischen" Elternabend. Über den Multiplikatoreneffekt soll das Wissen an die Kinder weitergegeben werden.
Nina Soppa
Es freut uns sehr, dass sich so viele Kitas für frühkindliche Medienbildung einsetzen und Kinder sowie deren Familien bei einem gesunden Aufwachsen in digitalen Zeiten unterstützen.
TK: Frau Puttfarcken, warum ist es wichtig, einen gesunden Umgang mit digitalen Medien bereits in der Kita zu vermitteln?
Maren Puttfarcken: In der Kita haben wir die Möglichkeit, Kinder in ihrem Alltag spielerisch an einen maßvollen und altersgerechten Umgang mit digitalen Medien heranzuführen. Auch wenn Kinder selbst noch keine digitalen Medien konsumieren, beobachten sie täglich, wie ihre Eltern Smartphones oder Tablets nutzen. Indem sie bereits im Kindergartenalter Kompetenzen lernen, die dabei helfen können, digitale Inhalte und lange Bildschirmzeiten kritisch zu hinterfragen, legen wir den Grundstein für langfristige körperliche und seelische Gesundheit.
Um gesundheitlichen Folgen vorzubeugen, die durch einen unbegleiteten, ungefilterten und zu hohen Medienkonsum entstehen können, ist jedoch nicht nur die Medienerziehung in der Kita entscheidend - auch die Erziehungsberechtigten tragen Verantwortung. Im Alltag beobachte ich oft, wie Eltern ihre Kinder mit Spielen und Serien vor dem Tablet oder dem Handy "parken" - es ist jedoch wichtig, dass Eltern den Medienkonsum ihrer Kinder begleiten, klare Regeln entwickeln und selbst als Vorbild einen ausgewogenen Medienalltag leben. Nur so bekommen Kinder nachhaltig einen verantwortungsbewussten, kreativen und sinnvollen Umgang mit digitalen Medien vermittelt.
Maren Puttfarcken
Indem Kinder bereits im Kindergartenalter Kompetenzen lernen, die dabei helfen können, digitale Inhalte und lange Bildschirmzeit kritisch zu hinterfragen, legen wir den Grundstein für langfristige körperliche und seelische Gesundheit.
TK: In Hamburg wurde WebbyVersum bereits seit 2024 im Rahmen einer Pilotphase getestet. Wie viele Hamburger Kitas haben mittlerweile an WebbyVersum teilgenommen und wie ist die Resonanz?
Soppa: In sieben Bundesländern waren wir im Piloten aktiv und in Hamburg gab es mit Abstand das meiste Interesse an dem Programm. Um keine interessierten Kitas abzulehnen, haben wir daher zwei Schulungsdurchgänge angeboten und mit insgesamt 17 Kitas gearbeitet. Nun seit dem bundesweiten Roll-out sind unsere personellen Kapazitäten leider begrenzter, um all den Nachfragen nachzukommen. Aktuell läuft daher in Hamburg ein "regulärer" Durchgang mit der Maximalanzahl von 10 Kitas. Das Interesse an dem Projekt ist also weiterhin groß, sodass wir auch schon mit einzelnen Kita-Trägern im Austausch sind und trägerinterne Schulungen konzipieren. Es freut uns sehr, dass sich so viele Kitas für die frühkindliche Medienbildung einsetzen und Kinder sowie deren Familien bei einem gesunden Aufwachsen in digitalen Zeiten unterstützen.