Portrait Prof. Dr. Gabriele Oettingen
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Das Kürzel WOOP steht für die englischen Begriffe Wish (Wunsch), Outcome (Ergebnis, positive Folge), Obstacle (Hindernis) und Plan (Plan). In wenigen Minuten umsetzbar, hat sich WOOP in vielen Zusammenhängen als wirksame Methode erwiesen, eigene Ziele besser zu erreichen.

Sie wollen WOOP ausprobieren? Zur  Anleitung für WOOP .

Wir haben Gabriele Oettingen gefragt, warum WOOP funktioniert und worauf man dabei achten sollte.

Sechs Fragen an Gabriele Oettingen

TK: Frau Professor Oettingen, wieso wirkt WOOP?

WOOP ist eine Imaginationsmethode. Wenn wir eine WOOP-Übung durchführen, verbinden wir mental das innere Bild der Wunscherfüllung in der Zukunft mit dem Hindernis in unserer Gegenwart. Das führt dazu, dass wir die Zukunft nicht mehr denken können, ohne das Hindernis gleich mitzudenken. Gleichzeitig verbinden wir das Hindernis mit dem Verhalten, mit dem wir es überwinden können. Wenn dann das Hindernis in der Wirklichkeit auftaucht, merken wir: Ups, ich bin noch nicht da, wo ich hin will. Außerdem kommt uns gleich auch das Verhalten in den Sinn, mit dem wir das Hindernis überwinden können. Diese Effekte sind nicht bewusst, aber sie sorgen dafür, dass sich unser Verhalten quasi automatisch ändert. Es fällt uns dann ganz leicht, uns anders zu verhalten. 

WOOP ist wie frische Brötchen, es muss immer frisch gemacht werden. Gabriele Oettingen

TK: Für welche Wünsche kann man WOOP anwenden? 

Für alle. Probieren Sie es aus. Die Methode kostet Sie ja nichts außer ein bisschen Zeit. Und sie wirkt in zwei Richtungen. Wenn Sie sich einen prinzipiell erfüllbaren Wunsch vornehmen, dann werden Sie mit WOOP die Energie für die nötigen Anstrengungen bekommen, die Sie zum Ziel bringen. WOOP hilft Ihnen aber auch zu erkennen, wenn ein Wunsch unerfüllbar ist. Und dann werden Sie diesen Wunsch leichter aufgeben können. Das macht Sie frei für das, was möglich ist. 

TK: Worauf kommt es an?

Sie brauchen ein paar Minuten Zeit und die Bereitschaft, in sich hinein zu spüren, wenn Sie sich Ihre Wünsche, Ihre erhoffte bestmögliche Folge und das wichtigste innere Hindernis klarmachen und geistig ausmalen. Wir sind es ja heute oft gar nicht mehr gewohnt, unsere Wünsche zu erspüren. Aber wenn man sich ein wenig Zeit dafür nimmt, kann es jeder. Wenn Sie das Gefühl haben "Ja! Das ist es!", dann haben Sie Ihren Wunsch gefunden. Und ebenso ist es mit dem wichtigsten Ergebnis und dem zentralen Hindernis. Sie merken schon, wenn Sie es gefunden haben. 

TK: Kann man auch etwas falsch machen? 

Ja. Zum Beispiel ist die Reihenfolge wichtig. Fangen Sie immer mit dem Wunsch an. Dann machen Sie sich klar, was Gutes passieren wird, wenn Sie ihn erfüllt haben. Erst danach wenden Sie sich dem Hindernis zu. Konzentrieren Sie sich immer auf einen Wunsch, ein Ergebnis, ein Hindernis, einen Plan zurzeit. Sonst verzetteln Sie sich. 

Man kann so viele WOOPs machen, wie man Wünsche hat. Gabriele Oettingen

Generell sollte man nicht perfektionistisch an WOOP herangehen  oder sich dabei bewerten. Jeder hat sein eigenes WOOP, seine eigenen Inhalte, denn jeder ist der Experte seines Lebens. Man kann so viele WOOPs machen, wie man Wünsche hat. Eine WOOP-Übung durchzuführen, kostet ja nichts. Wenn die Übung nicht klappt, probieren Sie es einfach nochmal oder Sie machen ein neues WOOP mit einem neuen Wunsch. Die Wünsche ändern sich ja auch ständig. Wenn zum Beispiel Ihr Wunsch, eine sinnvolle Arbeit zu machen, erfüllt ist, wird ein neuer Wunsch auftauchen. Vielleicht möchten Sie mehr Zeit für die Familie haben. Wenn Sie erfolgreich abgenommen haben, wünschen Sie sich vielleicht, mehr Sport zu treiben. WOOP ist wie frische Brötchen, es muss immer frisch gemacht werden. 

TK: Wie kann man WOOP lernen? 

Sie können es einfach ausprobieren. Man braucht dazu nicht unbedingt einen Therapeuten oder persönlichen Lehrer, selbst wenn der hilfreich sein kann. Unsere Untersuchungen führen wir oft online durch. Wir benutzen dann schriftliche Instruktionen, ähnlich denen auf Ihrer Seite . Diese Instruktionen reichen aus, damit die Teilnehmer an unseren Experimenten mit WOOP erfolgreicher sind als die in unseren Vergleichsgruppen.

Für die Öffentlichkeit habe ich WOOP ausführlich in meinem Buch "Psychologie des Gelingens" beschrieben, es ist 2015 auf Deutsch erschienen. Außerdem gibt es die Seite www.woopyourlife.org und eine  WOOP-App, die Sie beim Woopen unterstützt.

TK: Wie sind Sie auf den Namen WOOP gekommen? 

Im wissenschaftlichen Kontext reden wir über diese Methode als "Mentales Kontrastieren mit Implementierungs-Intentionen", kurz MCII. Aber dieser Begriff ist wirklich schwer verständlich für Außenstehende. Das haben wir gemerkt, als wir die Methode in einer berufsbildenden Schule vermitteln wollten. Wir haben nach einem griffigeren Begriff gesucht und kamen auf das Kürzel "WOOP". Die ersten drei Buchstaben - WOO für Wish (Wunsch), Outcome (Ergebnis, positive Folge) und Obstacle (Hindernis) - beschreiben das mentale Kontrastieren, das P steht für den Plan oder genauer, für "Wenn-Dann-Pläne" - ein anderer Name für den wissenschaftlichen Begriff der Implementierungs-Intentionen, der auf den Motivationspsychologen Peter Gollwitzer zurückgeht.

Über Gabriele Oettingen

Gabriele Oettingen begann ihre wissenschaftliche Karriere als Verhaltensbiologin am Max-Planck-Institut im bayerischen Seewiesen. Später habilitierte sie sich an der Freien Universität Berlin im Fach Psychologie. Sie forscht über Erwartungen, Phantasien über die Zukunft, Motivation und Selbstregulation. Seit 2000 ist sie Professorin an der Universität Hamburg, seit 2002 auch an der Universität von New York.