Beim Health Xperience Day hatten vier Teams die Chance, dem Fachpublikum aus Politik, gesetzlicher Krankenversicherung, Ärzteschaft, Kliniken, Wissenschaft und Gesundheitswirtschaft ihre KI-gestützten Ideen fürs Gesundheitswesen zu präsentieren. Im Vorfeld der Veranstaltung hatten die TK, die Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main (gwrm) sowie der Förderverein für unerkannte und seltene Erkrankungen (FUSE) Teams aus Hessen dazu aufgefordert, sich mit ihren Projekten für eine Teilnahme an diesem Pitch zu bewerben. Insgesamt waren 22 Projekte diesem Aufruf gefolgt. Diese vielen Rückmeldungen zeigen, dass Hessen durchaus ein Land voller Ideen ist und sich nicht hinter anderen Bundesländern verstecken muss.

Publikum bestimmte die Gewinner

Eine Jury aus Vertretenden der drei Veranstaltungspartner hatten aus allen Bewerbungen schließlich die vier Projekte ausgewählt, denen am Event-Tag jeweils fünf Minuten lang die Bühne überlassen wurde. Bei den Projekten handelte es sich um DokPro, Orthologik, Sprunghafte Sprache als Biomarker: KI gestützte ADHS-Diagnostik aus Gesprächen sowie Glycles. 

Am Ende der vier Vorträge stimmte am Event-Tag das Publikum per Handy darüber ab, welche der Projekte sie am innovativsten fanden. Zu gewinnen gab es drei "Hessische Löwen" des Künstlers Ottmar Hörl und Geldpreise in Höhe von insgesamt 2.000 Euro. Hessens Digitalministerin Prof. Kristina Sinemus war Schirmherrin des Wettbewerbs und Stifterin der Preise. 

Helath Xperi­ence Day 2026

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Die Preisträgerinnen und Preisträger des Pitch-Wettbewerbs mit allen Beteiligten des Health Xperience Days. 

Platz 1: DokPro

Die meisten Stimmen für die innovativste Idee bekam DokPro. Dabei handelt es sich um ein Projekt zur Entlastung von Notaufnahmen. In Fällen, in denen das Personal der Notaufnahme bereits festgestellt hat, dass kein lebensbedrohlicher Notfall vorliegt, übernimmt das DokPro-System die Anamneseerfassung. Der Patient oder die Patientin betritt dazu eine geschützte Kabine, in der er oder sie mit Hilfe eines Avatars Schritt für Schritt durch den Prozess begleitet wird. Der Avatar stellt dabei Fragen zu den vorliegenden Symptomen, während Sensoren Vitalparameter wie Herzfrequenz, Atemfrequenz, Körpertemperatur, Sauerstoffsättigung und den Blutdruck erfassen. 

Alle diese Daten pflegt das KI-gestützte System anschließend vollautomatisch - zusammen mit einer Vortriagierung, einer Verdachtsdiagnose und Behandlungsempfehlung - in das Krankenhausinformationssystem ein. DokPro wurde vom Institut für Künstliche Intelligenz in der Medizin der Philipps-Universität Marburg sowie dem Uniklinikum Marburg entwickelt. In der Zentralen Notaufnahme des UKGM in Marburg lief das System bereits im Testbetrieb.

Platz 2: Glycles

Ganz knapp hinter Platz eins landete Glycles auf Platz zwei. Dabei handelt es sich um eine App für Frauen mit Typ-1-Diabetes oder insulinbehandelten Typ-2-Diabetes, die ihre Blutzuckerwerte über kontinuierliche Glukosemesssysteme permanent digital überwachen. Laut der beiden Start-up-Gründerinnen Margarita Bulgacheva (Doktorandin an der TU Darmstadt) und Ekaterina Esenkova (Postdoktorandin der Unimedizin Mainz) haben viele dieser Frauen festgestellt, dass ihre erfassten Glukosewerte von Woche zu Woche stark schwankten. Die Grundannahme: Die hormonellen Veränderungen im Menstruationszyklus könnten hier einen Einfluss haben. 

Bislang analysieren Blutzucker-Apps diese zyklusabhängigen Muster jedoch noch nicht systematisch. Das soll die Glycles-App ändern. Die Anwendung verknüpft die Daten der Glukosemesssysteme mit Menstruationszyklus-Daten. Nach einer dreimonatigen Datensammlungsphase visualisiert die dahinterstehende KI individuelle Glukosemuster - spezifisch für jede Zyklusphase. So können die Nutzerinnen erkennen, wie sich ihre Blutzuckerwerte in bestimmten Phasen verhalten und können gegebenenfalls ihre Ernährung oder Insulintherapien entsprechend anpassen. Aktuell befindet sich ein Prototyp der App in der Testphase.

Platz 3: Orthologik

Platz drei ging an Orthologik, eine Anwendung, die Patientinnen und Patienten nach einem orthopädischen Eingriff begleiten soll. Die Nutzerinnen und Nutzer erhalten über eine App einen KI-Reha-Coach, der ihnen individuelle physiotherapeutische Übungen per Videoanleitung zeigt. Führen die Patientinnen und Patienten diese Übungen vor der Handykamera aus, wertet der KI-Coach die Bewegungsabläufe aus und gibt in Echtzeit gesprochenes Feedback, weist auf mögliche Korrekturen hin und kann sogar Fragen beantworten. Treten während der Übungen Schmerzen auf, gibt der Coach Hinweise, ob eine ärztliche Rücksprache erforderlich ist. Aktuell existiert bereits ein Prototyp für Patientinnen und Patienten nach einer Schulter-Operation. Im weiteren Verlauf soll die App auch auf Knie-/Hüft-Endoprothetik, Kreuzbandrekonstruktionen und Wirbelsäuleneingriffe ausgeweitet werden. Die Gründerin des Start-ups, Aylish Dietrich, ist Doktorandin an der Philipps-Universität Marburg im Bereich Wirtschaftswissenschaften.

Ebenfalls ausgezeichnet: ADHS-Projekt der Uniklinik Frankfurt

Auch das Projekt "Sprunghafte Sprache als Biomarker: KI gestützte ADHS-Diagnostik aus Gesprächen" ging nicht leer aus und wurde ebenfalls mit einem Preis ausgezeichnet. Bei diesem Projekt geht es darum, ein KI-Tool zu entwickeln, mit dem ADHS bei Erwachsenen besser und schneller diagnostiziert werden kann - anhand gesprochener Sprache. Die Fähigkeit, ein Gespräch strukturiert zu führen - also einem roten Faden folgen zu können - ist bei Betroffenen oftmals stark eingeschränkt. Eine Forschungsgruppe der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Universitätsmedizin Frankfurt will daher ein Diagnostikmodul entwickeln, bei der eine KI das gesprochene Wort von Patientinnen und Patienten analysiert und checkt, ob es in ihren Gesprächen gehäuft zu abrupten Themenwechseln oder starken semantischen Sprüngen kommt. Liege diese sprunghafte Sprache bei einer Person vor, könnte dies ein objektiver Marker für eine vorliegende ADHS sein. Bislang werde bei vielen Betroffenen - aufgrund der uneindeutigen Symptome - oftmals statt einer vorliegenden ADHS, fälschlicherweise eine Depression diagnostiziert.