Beim Health Xperience Day das Gesundheitswesen von morgen erleben
Artikel aus Hessen
Der Health Xperience Day hat gezeigt, wie stark die Innovationskraft in Hessen ist. Es wurde aber auch deutlich, dass noch einige Hürden abgebaut werden müssen, damit neue Ideen eine Chance haben, sich im Gesundheitswesen durchzusetzen.
Ein vielfältiges Publikum aus rund 100 Entscheiderinnen und Entscheidern, jungen Gestalterinnen und Gestaltern sowie Forscherinnen und Forschern aus dem hessischen Gesundheitswesen waren am 4. September zu Gast beim Health Xperience Day der TK-Landesvertretung Hessen, der Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main und dem Förderverein für unerkannte und seltene Erkrankungen im Spark Europe in Frankfurt. Die zentrale Frage des Events: Wie schaffen es neue technische Entwicklungen schneller in die Praxis?
Ziel des Events war es deshalb, junge Menschen mit vielversprechenden neuen Ideen für die Versorgung und die zentralen Player des hessischen Gesundheitswesens in einen gemeinsamen Austausch zu bringen. Denn: Das Gesundheitswesen braucht gute und innovative Ansätze, um das Leben von Menschen zu erleichtern und zu verbessern. Gleichzeitig ist es in kaum einer anderen Branche schwieriger für kreative und erfinderische Teams, sich durchzusetzen.
Warum Networking so wichtig ist
Von der Vernetzungsmöglichkeit beim Health Xperience Day profitierten am Ende alle: Die jungen Teams hatten die Chance, im persönlichen Gespräch ihre Ansätze ausführlich zu erklären sowie mögliche Skeptikerinnen und Skeptiker von ihren Ideen zu überzeugen. Die Entscheiderinnen und Entscheider des hessischen Gesundheitswesens nutzten den Anlass, den eigenen Horizont zu erweitern und mit wertvollem Feedback "aus der Praxis" neue Impulse für die Weiterentwicklung der vorgestellten Projekte zu geben.
Das Programm und die Gespräche beim Health Xperience Day haben gezeigt, dass es in Hessen bereits viele spannende Ansätze für das Gesundheitswesen von morgen gibt. Es wurde aber auch deutlich, dass bürokratische Hürden, starre Datenschutz-Strukturen und unklare Finanzierungswege noch den Durchbruch junger Ideen bremsen.
KI habe das Potential zum wirkmächtigsten Innovationstool der Menschheitsgeschichte zu werden, erklärte Dr. Thomas Ramge, Autor und Host des Podcasts der Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), in seiner Keynote. Wenn Deutschland hier in Zukunft aber eine nennenswerte Rolle spielen wolle, müssten sich Politik und Unternehmen mutiger und risikobereiter zeigen - indem sie verstärkt in KI-Forschungsprojekte investierten, die sich noch in einem sehr frühen Anfangsstadium befänden.
Land Hessen und TK sehen sich in aktiver Rolle
Hessens Digitalministerin Prof. Kristina Sinemus machte deutlich, dass sie das durchaus anders sieht als Ramge. Sie verstehe den Staat nicht in erster Linie als "Finanzierer" von KI-Projekten. Das Land Hessen habe mit dem Distr@l-Programm zwar einen Topf für Anschubfinanzierung geschaffen, ihr Haus definiere sich aber vielmehr als "Ermöglicher", der Gründerinnen und Gründern die richtigen Rahmenbedingungen und die nötige Infrastruktur für ihre technische Entwicklungen biete.
Auch die TK sieht sich hier in einer aktiveren Rolle - nämlich als Innovationsförderer und -treiber, so Thomas Ballast, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der TK. Bereits seit vielen Jahren biete die TK den klugen Köpfen hinter innovativen Health Start-ups eine Bühne und unterstütze sie dabei, den Weg ins System zu finden. Er hob hier vor allem den Health Innovation Port der TK hervor. Dabei handelt es sich um Networking-Events, bei denen gezielt junge Start-ups mit den zentralen Entscheiderinnen und Entscheidern des Gesundheitswesens zusammengebracht würden.
Prof. Martin Hirsch, KI-Forscher von der Philipps-Universität Marburg, wünschte sich künftig mehr regulatorische Freiheiten für die Ärztinnen und Ärzte an Unikliniken: Wo sonst könnten denn besser neue revolutionäre Ansätze entwickelt werden als an einem Ort, an dem die Forschung und motivierte junge Ärztinnen und Ärzte zusammenträfen? Seiner Erfahrung nach erstickten viele Ideen aber an bürokratischen Hürden und einem übermächtigen Datenschutz.
KI zum Anfassen
Um zu zeigen, dass es sich lohnt, solche Hürden abzubauen, muss KI erlebbar werden. Aus diesem Grund gab es beim Event sieben Xperience Stations, an denen die Besucherinnen und Besucher bereits existierende KI-Projekte aus Hessen live ausprobieren konnten. An einem der Stände gab es zum Beispiel die Möglichkeit, per Virtual-Reality-Brille einen Ausflug in den menschlichen Körper zu unternehmen. An einem anderen konnten sich die Besucherinnen und Besucher mit einem freundlichen Avatar unterhalten, der medizinisch relevante Informationen abfragte.
Das große Highlight des Events war der Pitch-Wettbewerb, bei dem vier innovative Ideen aus Hessen vorgestellt und prämiert worden sind. Alle Infos zum Pitch-Wettbewerb und zu den vier vorgestellten Projekten haben wir in diesem Extra-Artikel zusammengefasst.
Xperience Stations beim Health Xperience Day
Die Intelligente Nabelklemme erlaubt ein nicht invasives, kabelloses und kontinuierliches Beobachten der Vitalfunktionen bei Neugeborenen und bietet darüber hinaus noch weitere Funktionen, schützt etwa vor einer Verwechslung Neugeborener.
Nearby ist eine flache Einlegesohle mit integrierten GPS- und Sturzsensoren. Mithilfe einer Webanwendung können Angehörige von beispielsweise dementen Personen einen sicheren Bereich festlegen, in dem sich diese sorgenfrei aufhalten können. Auch im Fall eines Sturzes werden die Angehörigen informiert und erhalten die Standortdaten der gestürzten Person.
Mit der App von StepSaver können Pflegekräfte tagsüber, bei Bedarf in ihrer Muttersprache, alle wichtigen Informationen zum Gesundheitszustand der Bewohnerinnen und Bewohner in einer Pflegeeinrichtungen diktieren und später unkompliziert in das Dokumentationssystem der Einrichtung übertragen.
Die
TK-Doc-App
unterstützt Versicherte in ihrem medizinischen Selbstmanagement. Ein KI-basierter Sprachassistent lotst die Kunden zum richtigen Angebot, das sie benötigen, sei es ein ärztlicher Rat per Telefon, eine Videosprechstunde oder die Vermittlung eines Termins bei einer Fachärztin oder einem Facharzt.
Die in einen Kompressionsstrumpf integrierte Sensorik von veinXam erlaubt die nicht-invasive, kontinuierliche Überwachung des venösen Blutstroms und schlägt bei der Entdeckung von krankhaften Veränderungen wie etwa einer Thrombose in den tiefen Beinvenen Alarm.
Das noch junge Start-up Advergenic entwickelt Virtual-Reality-Brillen für die medizinische Ausbildung an Hochschulen. Studierende können damit beispielsweise Organe und Körperstrukturen dreidimensional und interaktiv erkunden. Das Eintauchen in solche Lernumgebungen erleichtert das Verständnis komplexer medizinischer Inhalte und unterstützt das Lernen.
DokPro ist ein Projekt zur Entlastung von Notaufnahmen. Forschende des Instituts für Künstliche Intelligenz in der Medizin des Universitätsklinikums Marburg sowie der Philipps-Universität Marburg haben eine Kabine für die Notaufnahme entwickelt, in der mobile Patientinnen und Patienten, bei denen zuvor ein lebensbedrohlicher Notfall ausgeschlossen wurde, eine KI-basierte Ersteinschätzung durchlaufen, unterstützt von einem Avatar.