TK: Bald können die Notfalldaten und der Medikationsplan auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) gespeichert werden. Wie stehen Sie dazu?
 
Barbara Steffens: Aktuell wird im Landesteil Westfalen-Lippe erprobt, wie im Praxisbetrieb Notfalldaten und Medikationspläne auf die Gesundheitskarte übertragen werden können. Die Ergebnisse des Tests sind sehr zufriedenstellend, sagt die Gematik. Sie geht davon aus, dass schon im Juli diese Daten auf der eGK gespeichert werden können - natürlich immer vorausgesetzt, der Versicherte möchte das. Es ist längst überfällig. Endlich gewinnt die Digitalisierung im Gesundheitswesen an Fahrt.
 
TK: Schneller Zugriff auf Notfalldaten und Medikationspläne können in Ernstfall Leben retten. Was könnte den Versicherten noch helfen?
 
Barbara Steffens: Gerade in der jetzigen Corona-Pandemie erleben wir, wie wichtig gezielte Informationen und Prävention sind, um das Virus einzudämmen und einer Infektion vorzubeugen. Beispielsweise könnten wir als Krankenkasse anhand unserer Daten sehen, welche Versicherten aufgrund von Vorerkrankungen besonders gefährdet sind. Derzeit dürfen wir sie jedoch nicht kontaktieren, um ihnen Hilfe anbieten zu können. Auch wenn die Versicherten es wollen, dürfen sie uns derzeit Ihre Daten nicht zur Verfügung stellen. Hier werden wertvolle Chancen vertan.

Barbara Stef­fens

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Leiterin der TK-Landesvertretung Nordrhein-Westfalen

Im Praxisbetrieb wird getestet wie Notfalldaten und Medikationspläne auf die Gesundheitskarte übertragen werden können - endlich gewinnt die Digitalisierung im Gesundheitswesen an Fahrt. Barbara Steffens
 

TK: Ab 1. Januar 2021 kommt elektronischen Patientenakte (ePA). Was soll sich damit verändern?
 
Barbara Steffens: Ziel der ePA muss es sein, dass alle Informationen rund um Vorsorge, Diagnose und Behandlungen in einer Akte zusammengeführt werden können. Patienten haben durch die ePa den Vorteil, dass sie ihre Gesundheitsdaten an einem Ort bündeln können. Dadurch vermeiden sie unnötige Doppeluntersuchungen und ermöglichen Ärzten einen umfassenden Blick auf die gesamte Gesundheitssituation.

Manchmal haben sehr unterschiedliche Symptome denselben Ursprung. Die Versicherten können auch selber nachschauen, welche Medikamente sie erhalten oder wie es um den Impfstatus steht. Das hat aber nur einen Mehrwert, wenn alle Daten auch unmittelbar nach dem Arztbesuch in der Akte einfließen.

Derzeit können wir als Krankenkassen nur unsere Abrechnungsdaten quartalsweise in die Akte laden. Schon seit einem Jahr können alle TK-Versicherte die gemeinsam von der TK und IBM entwickelte elektronische Gesundheitsakte "TK-Safe" nutzen, um ihre persönlichen Gesundheitsinformationen sicher und strukturiert zu speichern. Durch diese Nutzer wissen wir, dass sie sich die Informationen sehr zeitnah wünschen. Damit das möglich ist, muss eine tagesaktuelle Arztabrechnung gesetzlich festgeschrieben werden.