Medienkompetenz für mehr digitale Selbstbestimmung
Artikel aus Hessen
Das Internet eröffnet heute vielfältige Möglichkeiten für Beruf, Freizeit und Kommunikation. Eine kompetente, kritische Mediennutzung hilft jungen Menschen, diese Möglichkeiten sinnvoll zu nutzen und gleichzeitig die damit verbundenen Risiken zu minimieren.
Zur Medienkompetenz zählt, ein gesundes Gleichgewicht zwischen On- und Offline-Zeiten zu finden und den Umgang mit digitalen Medien eigenständig und verantwortungsvoll zu gestalten. Wer seinen Medienkonsum bewusst steuert und gezielt nutzt, kann psychischen Erkrankungen wie einem Überlastungssyndrom oder einer Internetsucht vorbeugen und das eigene Wohlbefinden stärken. Neben technischem Geschick, etwa dem gezielten Konfigurieren von Benachrichtigungen, ist ein achtsamer Umgang mit Medien auch deshalb essenziell, um den Herausforderungen unserer digital geprägten Lebenswelten angemessen zu begegnen.
Digitale Selbstbestimmung schützt alle
Wir bewegen uns heute sowohl im privaten als auch im beruflichen Alltag in vielfältigen digitalen Lebensräumen, die unseren Umgang mit Medien grundlegend verändert haben. Dadurch richtet sich die Notwendigkeit eines reflektierten Medienkonsums an die gesamte Gesellschaft - vom Kind bis zum Erwachsenen. Menschen aller Altersgruppen sind gefordert, sich aktiv mit den Herausforderungen des digitalen Wandels auseinanderzusetzen.
Der Übergang von einer unbedenklichen Mediennutzung hin zu einem übermäßigen Konsum kann unmerklich und schleichend verlaufen. Die TK in Hessen unterstützt Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit vielfältigen Medienprojekten darin, digitale Medienkompetenz zu entwickeln und sich sicher in der digitalen Umgebung zu bewegen.
Gemeinsam gegen Cybermobbing - Law4school
Rund 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen zwischen zwölf und 19 Jahren surfen täglich im Internet. Das wichtigste digitale Tool der Jugendlichen ist dabei das Smartphone. Zwei Drittel der Jugendlichen verbringen oft mehr Zeit am Handy, als ursprünglich geplant; durchschnittlich sind sie täglich fast dreieinhalb Stunden online. Zwei Fünftel der Kinder und Jugendlichen berichten von Ablenkungen bei den Hausaufgaben. Die Netzpräsenz der Jugendlichen dient meist der sozialen Interaktion. Die wichtigste App ist in allen Altersgruppen der Messengerdienst WhatsApp. 81 Prozent der Befragten geben ihn als vorwiegend genutzte Plattform an. (Quelle: JIM-Studie 2024).
Auch spielt Cybermobbing in der digitalen Welt eine immer größere Rolle. Mobbing ist zwar kein neues Phänomen, jedoch erreichen Täter durch Cybermobbing völlig andere Dimensionen, was die Verbreitung von diffamierenden Aussagen angeht. Mit dem Projekt Law4school setzt sich die TK gezielt gegen Cybermobbing ein. Die Rechtsanwältin Gesa Stückmann bietet hierfür spezielle Webinare an, die sich an Jugendliche der 5. bis 7. Klassen richten. Thema: "Psychische Folgen und rechtliche Konsequenzen von Cybermobbing". Hessische Schulen können sich jederzeit klassenweise oder auch für Elternabende über die Website von Law4school zu den Webinaren anmelden.
Ein weiteres Projekt, das sich für den analogen oder digitalen Unterricht anbietet, ist das Präventionsprojekt "Gemeinsam Klasse sein". Die Online-Plattform Gemeinsam Klasse sein bietet Filme, Übungen und Leitfäden an, mit denen sich Schülerinnen und Schüler der fünften Klassen zusammen mit ihren Lehrkräften intensiv mit Mobbingprävention auseinandersetzen können. Seit dem Schuljahr 2020/21 setzt die TK in Hessen das Angebot mit dem Hessischen Kultusministerium um.
webcare+
Die Hessische Landesstelle für Suchtfragen (HLS) e. V. bietet - gefördert durch die TK - vielfältige Informationen zu Medienkompetenz, Mediensucht und Selbsthilfe an. Das Informationsportal webcare+ unterstützt seit 2018 Menschen rund um die Themen Computerspiele, Social Media, Smartphone und vielem mehr. Dort sind zahlreiche Beiträge sowie Kontaktdaten von Anlauf- und Beratungsstellen zur Mediensucht abrufbar. Im Portal ist zudem eine Übersicht der wichtigsten Studienergebnisse rund um exzessive Mediennutzung zu finden.
In den Jahren 2021 und 2022 wurden junge Menschen an Berufsschulen, Oberstufen und auf öffentlichen Plätzen zu den Themen "Handysucht" und "Handy am Steuer" sensibilisiert. Hierzu gab es eine Kooperation der HLS mit der hessischen Polizei und den regionalen Fachstellen für Suchtprävention. Webcare+ brachte zu diesen Aktionstagen nicht nur einen Selbsttest zu Mediensucht mit, sondern auch Tipps für weniger Bildschirmzeit, ein Quiz über Handynutzung während der Autofahrt sowie einen Kettcar-Hindernis-Parcours, in dem die Teilnehmenden ausprobieren konnten, wie herausfordernd es ist, gleichzeitig eine Nachricht zu tippen und die Spur zu halten. Webcare+ ist übrigens auch in den Socialmedia-Kanälen auf YouTube, TikTok, Instagram und Facebook vertreten.
Digitale Teilhabe in Balance
Digitalisierung ist heute kein Thema mehr von Nerds, sondern betrifft alle Menschen, so auch Menschen mit Behinderung, Senioren und Seniorinnen oder Menschen mit Sprachbarrieren. Gerade die Welt der digitalen Medien birgt jedoch eine Vielzahl an komplizierten Sachverhalten und Fachbegriffen. Diese zu verstehen und dabei eine gesunde Mediennutzung zu entwickeln, kann eine Herausforderung darstellen. In den Jahren 2023 und 2024 haben HLS und TK daher gemeinsam mit dem gemeinnützigen Verbund "Lebenshilfe" Infomaterialien in Leichter Sprache entwickelt.
Neben einem Ratgeber zur Frage "Was ist Mediensucht?" enthält der YouTube-Kanal @webcareplus ein anschauliches Erklärvideo und das Infoportal von Webcare+ auch eine Reihe von Blogartikeln in Leichter Sprache. Die Erklärvideos von webcare+ und Digitale Teilhabe in Balance sind außerdem auf der Website der HLS abrufbar. Für Betroffene und Angehörige wurden digitale Sprechstunden in einfacher Sprache angeboten. Fachkräfte konnten in Webinaren und einem Intensiv-Workshop lernen, warum Leichte Sprache wichtig ist und wie sie Mediensucht in Leichter Sprache erklären können. Sämtliche dieser Informationen in Leichter Sprache fördern eine gesunde digitale Teilhabe.
Podcast "Mediensucht verstehen"
Seit 2025 produziert die HLS einen Podcast, um Mediensucht in all seinen Facetten verständlich zu erklären. Zu folgenden Themen sind bis Ende 2027 fünf Staffeln geplant: Mediensucht erkennen, Videospielsucht verstehen, Social-Media-Sucht verstehen, Pornosucht verstehen und KI-Sucht verstehen.
Während sich die ersten Staffeln Phänomenen widmen, die wissenschaftlich immer besser untersucht sind, wirft die Staffel zu KI einen Blick in die Zukunft: Was erwartet uns im Hinblick auf psychische Gesundheit und mögliches Suchtpotential bei KI? Am Ende jeder Staffel bietet die HLS ein interaktives Onlineformat an, wie ein Webinar oder eine Sprechstunde, um Hörern und Hörerinnen die Möglichkeit zu bieten, ihre Fragen direkt an die eingeladenen Experten zu adressieren. Der Podcast ist auf YouTube und allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar.
Weiterführender Link:
• Medienbildung im Kindergartenalter: Projekt WebbyVersum