Eine gut ausgeprägte Digitalkompetenz besteht aus vielen verschiedenen Mosaiksteinen. Sie trägt dazu bei, dass sich ein Mensch in einem digitalen Umfeld souverän bewegt. Als digital kompetent zeigt sich eine Person einerseits, wenn sie in der Lage ist, ein digitales Programm oder Hilfsmittel zu bedienen. Wenn sie also weiß, wie auf ein Programm zugegriffen wird und wie sie sich darin bewegt. Zum Beispiel, wie auf dem Smartphone die passende Schriftgröße eingestellt oder bei einer Mail die Privatsphäre angepasst wird.

Digitalkompetenz ist Lebenskompetenz

Andererseits bedeutet Digitalkompetenz auch, dass ein User oder eine Userin fähig ist, selbst wahrzunehmen, wenn das jeweilige Medium die eigene Aufmerksamkeit zu stark bindet. Wenn er oder sie daraufhin Strategien entwickelt, solchen Situationen vorzubeugen oder sich aus ihnen zu lösen, verhält er oder sie sich selbstbestimmt und souverän im Umgang mit dem Medium. 

Als digital kompetent zeigt sich auch, wer sein Medium dem Anlass entsprechend einzusetzen weiß oder gesundheitsgefährdende Verhaltensweisen unterlässt - ganz gleich, ob sie ihn oder andere schädigen könnten. Verhaltensweisen, die die eigene Gesundheit gefährden, sind beispielsweise eine ständige Erreichbarkeit, die dauerhaft Stress verursacht, oder exzessiver Medienkonsum, der mit einem Suchtrisiko einhergeht. Eine Person kann überdies andere Menschen schädigen, wenn sie Cybermobbing betreibt, Hatespeech unterstützt oder wegen des eigenen Medienkonsums zu betreuende Personen vernachlässigt.

Eine gut ausgebildete digitale Medienkompetenz ist eine Lebenskompetenz, die in einer modernen Gesellschaft für viele Menschen zunehmend von existenziellem Wert ist. Ganze Bevölkerungsgruppen haben sich in den Monaten der Pandemie viele digitale Fähigkeiten erarbeitet und haben ihre Kompetenzen auf diesem Gebiet erweitert - nach dem Motto "Learning by doing". Hierdurch hat sich oft gezeigt, welche Chancen die Digitalisierung für eine Gesellschaft mitbringt. Andererseits werden weitere Möglichkeiten nicht ausgeschöpft oder entwickeln sich in gesundheitsgefährdende Richtungen, weil Informationen und Unterstützungsangebote fehlten. 

Von Online-Meetings bis Ärzte-Chat

Die Corona-Pandemie hat die Digitalisierung und deren Entwicklung noch stärker beschleunigt und in den täglichen Fokus gerückt als je zuvor. Denn: Notgedrungen hat sich über Monate hinweg jegliche Kommunikation auf digitale Hilfsmittel verlagert. Schnell gelungen ist dies in Austauschformaten, die im Alltag bereits etabliert sind. So etwa im Umgang mit Messenger-Diensten, die heute fast jeder im privaten Bereich intensiv nutzt. 

Eine besondere Herausforderung war die neue Arbeitssituation vieler Menschen im Homeoffice und vieler Eltern und Lehrkräfte durch Homeschooling. Umstellen mussten sich auch etliche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die an ihrem angestammten Arbeitsplatz ihre Kunden oder Kolleginnen nur noch virtuell betreuen oder treffen konnten. Viele Menschen mussten sich auf die Nutzung von Apps einstellen oder eine andere digitale Kontaktaufnahme, wenn Dienstleister nicht mehr per Telefon oder vor Ort erreichbar waren. 

Der neue, erweiterte Medienkonsum stellt nun auch erweiterte Anforderungen an eine Gesellschaft und die Menschen, die in ihr leben. Plötzlich sollen die Anwenderinnen und Anwender in der Lage sein, die jeweiligen Hilfsmittel in angemessener Weise zu bedienen - obwohl er oder sie sich zuvor nur wenig oder gar nicht mit einem bestimmten Angebot auseinandergesetzt haben. Darüber hinaus muss er oder sie dafür sorgen, dass die technischen Voraussetzungen dafür vorhanden sind, um einen Austausch zu pflegen. 

Auch im Gesundheitswesen haben sich Medizinerinnen und Mediziner sowie Mitarbeitende in den Arztpraxen und Krankenhäusern etwa durch die Video-Sprechstunde auf ihre ganz eigenen digitalen Herausforderungen eingelassen. Somit hing und hängt auch weiterhin das individuelle Gesundheitsmanagement jeder und jedes Einzelnen davon ab, welche digitalen Kompetenzen er oder sie selbst sowie die behandelnden Ärztinnen und Ärzte mitbringen. Eine gut ausgeprägte Digitalkompetenz ist daher auch ein relevanter Baustein für eine funktionierende und bedarfsgerechte medizinische Versorgung.

Digitalisierung erfordert Weiterbildung

Die TK setzt sich in vielen Projekten mit weiteren Kooperationspartnern dafür ein, dass Menschen ihre digitale Medienkompetenz ausbauen. In diesen Projekten geht es darum, Wissen zu vermitteln, für Risiken zu sensibilisieren sowie den gezielten, bewussten und souveränen Umgang mit digitalen Medien zu trainieren. Diese Projekte richten sich überwiegend an Kinder und Jugendliche. Sie wachsen heute völlig selbstverständlich mit digitalen Medien auf. Ein gesunder Umgang mit digitalen Medien ist jedoch kein Selbstläufer. Junge Menschen, die frühzeitig lernen, souverän und selbstbestimmt mit digitalen Medien umzugehen, erwerben eine Lebenskompetenz, die sie in Beruf und Alltag unterstützt. Dabei zeigt sich, dass es ein fortwährender Prozess ist, digitale Medienkompetenz zu entwickeln. Eine Kompetenz, bei der man nie auslernt, weil es immer neue digitale Entwicklungen geben wird. Es bleibt die Herausforderung, sich in der digitalen Welt zurechtzufinden und zu behaupten.