Zur Sache: 'Leichte' Gesundheits-App "Glücklich"
Interview aus Hamburg
Häufig sind die vielen zur Verfügung stehenden Gesundheits-Apps nicht barrierefrei und für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen schwer zu bedienen und zu verstehen. Es fehlt an Sensibilität für diese Zielgruppe, und es gibt wenig Erfahrungswerte, wie Apps gestaltet sein müssen, damit sie für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen barrierefrei zugänglich sind.
Die 'leichte' Gesundheits-App "Glücklich" setzt hier an und vermittelt barrierefrei verhaltenstherapeutische Übungen für den Alltag, die depressive Verstimmungen reduzieren und das Selbstwertgefühl der Nutzenden stärken sollen. Die App wurde in den Jahren 2021 und 2022 durch die Lebenshilfe Hamburg gemeinsam mit dem Zentrum für Psychosoziale Medizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) entwickelt und durch die Techniker Krankenkasse (TK) in Hamburg gefördert. In einer neuen Förderperiode wird die Glücklich-App bis Ende 2026 weiterentwickelt und um neue Inhalte ergänzt.
Welche Themen die App anspricht, wie sie angenommen wird und welche Meilensteine bisher erreicht wurden, erklärt Teresa Weigand, Projektleiterin bei der Lebenshilfe Hamburg, im Interview.
TK: Frau Weigand, wie fällt das Feedback der Nutzerinnen und Nutzer der "Glücklich"-App aus?
Teresa Weigand: Das Feedback, das uns erreicht ist sehr positiv und zeigt zudem, dass die App tatsächlich einen kleinen Beitrag zur Schließung der vorhandenen Angebotslücke leisten kann.
In letzter Zeit haben sich vermehrt Menschen aus der Zielgruppe mit ihren eigenen Ideen und Vorschlägen zur Weiterentwicklung bei uns gemeldet, was uns besonders freut. Die Anregungen, zum Beispiel eine Tagebuch-Funktion und eine Video-Anleitung, versuchen wir jetzt zeitnah umzusetzen und einzubinden. Ein solches Feedback ist sehr wertvoll. Schließlich geht es darum, dass die App bestmöglich für unsere Zielgruppe nutzbar ist und das bieten kann was gebraucht wird. Da lassen wir uns gerne von ihren Wünschen und Ideen inspirieren.
Teresa Weigand
TK: Die "Glücklich"-App gibt es nun schon eine Weile. Über welche großen Meilensteine haben Sie sich gefreut?
Weigand: Die Wirkungsstudie des UKE im Jahr 2023 war nach der Veröffentlichung der App der erste große Meilenstein. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass Menschen unserer Zielgruppe durch regelmäßige Nutzung der App tatsächlich ihre depressiven Symptome verringern konnten. Das ist ein großer Erfolg, der uns natürlich zum Weitermachen motiviert hat.
Ein weiterer bedeutsamer Moment war die Auszeichnung mit dem 2. Platz des Digitalpreises vom Caritas Behindertenhilfe und Psychiatrie e.V. im September 2024. Wir sind sehr stolz, mit dieser Auszeichnung geehrt worden zu sein.
Jetzt freuen wir uns, dass die Glücklich-App für die Saison 2026 in das Inventar des "Trucks der Digitalisierung" - kurz "TruDi" - aufgenommen wurde. Der Truck TruDi ist ein Projekt von pulsnetz MuTiG und bringt verschiedene Digitalisierungsthemen zu Pflege- und Wohneinrichtungen in Berlin, Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Das bedeutet für uns eine zielgruppensensible Verbreitungsmöglichkeit der Glücklich-App und hoffentlich wird die App auch hier positiven Anklang finden.
Die Wirkungsstudie des UKE im Jahr 2023 hat gezeigt, dass Menschen unserer Zielgruppe durch regelmäßige Nutzung der App ihre depressiven Symptome verringern konnten.
TK: Welche Themen und Inhalte deckt die App genau ab und was ist künftig noch geplant?
Weigand: Neben den 39 Übungen des Initialpakets zur Verbesserung des Selbstwerts gibt es inzwischen noch zwei weitere Themenpakete. Die Übungen zum Thema "Essen" sollen helfen, das eigene Essverhalten zu hinterfragen und gegebenenfalls zu verändern. Im Paket "(sexuelle) Sicherheit" geht es zum einen um Tipps für einen sichereren Heimweg und zum anderen um Schutz vor sexuellen Übergriffen.
Das neue Themenpaket "Angst" steht kurz vor der Veröffentlichung. Hier haben wir eine neue Struktur innerhalb der App entwickelt: Zusätzlich zu den 17 Übungen zur Beruhigung bei akuter Angst und Techniken zur langfristigen Besserung wird es auch Erklärungen zu wichtigen Begriffen geben. Wir wollen unsere Zielgruppe hier auf leicht zugängliche Weise besser aufklären, da Verständnis oft der erste Schritt zur Besserung ist.
Das Thema "Stigma" befindet sich derzeit in Vorbereitung und auch ein Übungspaket zu "Sucht" ist in Planung.
Hintergrund
Die Entwicklung der 'leichten' Gesundheits-App "Glücklich" sowie deren inhaltliche Fortsetzung wird durch die Landesvertretung Hamburg der Techniker Krankenkasse (TK) aus Mitteln der Selbsthilfeförderung gefördert.