Es gibt viel zu tun, wenn ein Kind nach der Geburt nicht gleich nach Hause darf, weil es zu früh geboren wurde oder unmittelbar nach der Geburt operiert und intensivmedizinisch versorgt werden muss.

Bald kann Lisa das Krankenhaus verlassen. Damit ihre Eltern daheim weiterhin engmaschig betreut werden können, bietet das LMU Klinikum Familien mit Früh- und Reifgeborenen mit erhöhtem pflegerischen Nachsorgebedarf eine zusätzliche telemedizinische Nachsorge an. Das Projekt WELCOME wird vom Innovationsausschuss gefördert. Konsortialpartner sind die Berliner Charité, die TK, das Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie der LMU in München und die Firma Cliniserve. 

Tele Care Modell für eine verbesserte Nachsorge

WELCOME möchte zeigen, wie ein pflegewissenschaftlich geleitetes, interdisziplinäres Tele Care Modell die Nachsorge von frühgeborenen Kindern verbessern kann. Viele Familien leben in ländlichen Regionen, in denen pädiatrische Pflegedienste und sozialmedizinische Nachsorge nicht immer verfügbar sind. Ohne gezielte Unterstützung laufen Eltern Gefahr, medizinische Geräte wie Sonden oder Katheter nicht korrekt zu handhaben und bei Fragestellungen zur Nachsorge ihres Babys auf sich allein gestellt zu sein. 

Prof. Dr. Uli Fischer

Prof. Dr. Uli Fischer, Leiter Stabsstelle Klinische Pflegeforschung und Qualitätsmanagement des LMU Klinikums Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Leiter Stabsstelle Klinische Pflegeforschung und Qualitätsmanagement des LMU Klinikums

Durch gezielte Technologieeinsätze, strukturierte Sprechstunden und die Einbindung von Fachärztinnen und -ärzten wird nicht nur die Wiederaufnahme im Krankenhaus reduziert, sondern auch die Gesundheitskompetenz der Eltern gesteigert - ein klarer Schritt zu einer patientenzentrierten, nachhaltigen Versorgung.

Prof. Dr. Uli Fischer, Leiter Stabsstelle Klinische Pflegeforschung und Qualitätsmanagement des LMU Klinikums, leitet das Projekt. Er sagt: "Frühgeborene, die bereits ab der 23. Schwangerschaftswoche intensivmedizinisch betreut werden, verlassen das Krankenhaus nicht immer mit einer spezialisierten Nachsorge. Sowohl das Neugeborene als auch seine Eltern befinden sich in einer besonders vulnerablen Situation und benötigen eine verlässliche, niedrigschwellige Betreuung, um sich möglichst rasch zu stabilisieren. Mit WELCOME möchten wir das erreichen und wissenschaftlich belegen, dass eine lückenlose Nachsorge, welche auch video-basiert ablaufen kann, die Wiederaufnahmequote innerhalb von 30 Tagen deutlich reduziert."

Weiterbetreuung durch speziell ausgebildete E-Nurses

Für die telemedizinische Nachsorge erhalten Lisas Eltern eine Box mit einem Tablet, einer Waage mit integriertem Maßband, einem Tabletständer, Ladekabel und einer Elterninformationsmappe - einschließlich Einweisung in das Equipment. Das Tablet funktioniert über Mobilfunk oder WLAN. Am Tag der Entlassung haben Lisas Eltern bereits einen ersten Gesprächstermin mit einer so genannten E-Nurse vereinbart, einer der sechs speziell auf Telesprechstunden ausgebildeten neonatologischen Intensivpflegekräfte am LMU Klinikum. 

WELCOME Team

Das WELCOME Team Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Vanessa Schwarze, Laura Sehn, Dr. Mona Schmid, Melina Kaiser und Tabea Pohlmeyer (von links nach rechts) sind neben drei weiteren Interventionskräften aus der Pflege und zwei Ärztinnen für die Umsetzung des WELCOME Projektes am LMU Klinikum zuständig. 

Lisas Eltern werden somit nicht nur bequem vom heimischen Sofa aus und zu flexiblen Zeiten weiter betreut, die Gesprächspartnerin am anderen Ende der Leitung kennt auch Lisas Geschichte und ihre speziellen Herausforderungen in der Nachsorge. "Die besondere Bindung aufgrund der langen gemeinsamen Zeit auf der Intensivstation erleichtert die Kommunikation zwischen den Eltern und den E-Nurses. Das erhöht wiederum die Qualität der Nachsorge", erklärt Prof. Fischer.

Ist der Alltag gut zu bewältigen?

In den kommenden sechs Wochen nehmen Lisas Eltern an zwölf Videosprechstunden teil. Die E-Nurse befragt sie dabei zu fünf verschiedenen Themengebieten: Wie stellt sich Lisas allgemeine Versorgung dar? Wie ist die Umgebung daheim gestaltet? Klappt es mit der Ernährung und dem Stillen? Wie fühlen sich Lisas Eltern und ist der Alltag für sie zu bewältigen? Benötigen sie weiterführende Hilfsangebote? Gleichzeitig werden Lisas Gewicht, Größe, Temperatur und Kopfumfang übermittelt und ausgewertet - sobald ein Wert nicht passt, können die Neonatologinnen und Neonatologen des LMU Klinikums hinzugezogen werden. Zum Angebot gehören außerdem ein Chat sowie eine virtuelle Lernplattform: Hier finden die Eltern multimediales Informationsmaterial zu den fünf Themenschwerpunkten und Entscheidungshilfen, zum Beispiel Video-Anleitungen zum Stillen oder zur Pflege einer Sonde.

WELCOME Box

Die WELCOME Box für die telemedizinische Nachsorge erhalten Eltern bei der Entlassung. Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Die Box für die telemedizinische Nachsorge erhalten Eltern bei der Entlassung. 

Konzept auch auf andere Zielgruppen übertragbar

"Unser Projekt basiert auf einer 100 Prozent datenschutzkonformen Lösung für telemedizinische Sprechstunden", erklärt Prof. Fischer. "Chatverläufe können archiviert werden und wir können Dolmetscherdienste anbieten." WELCOME kann nicht nur wegweisend für Eltern mit Frühgeborenen oder Reifgeborene mit intensivmedizinischer Nachsorge sein. "Die digitale Überleitung von der Klinik in die nachstationäre Versorgung lässt sich auch für andere Zielgruppen adaptieren, zum Beispiel für pflegebedürftige Kinder und Erwachsene mit seltenen Erkrankungen, Krebs- oder Stoffwechselerkrankungen, aber auch für Seniorinnen und Senioren oder Menschen mit Behinderungen", so Prof. Fischer. WELCOME läuft noch bis 2028.