Zwei Tage bevor die Landesvertretung Hamburg der Techniker Krankenkasse (TK) am 1. April zu ihrem diesjährigen Jahresempfang geladen hatte, präsentierte die FinanzKommission Gesundheit (FKG) ihre Vorschläge, um die GKV-Finanzen zu stabilisieren. "Am Montag haben sicherlich viele von uns gespannt auf die Ergebnisse der FinanzKommission Gesundheit gewartet. Die Kommission hat mit ihren 66 Vorschlägen zahlreiche gute Ideen geliefert. Nun muss die Politik die Kraft aufbringen, diese Vorschläge auch zügig in ein Gesetz zu gießen, damit die Krankenkassenbeiträge zum Jahreswechsel stabil gehalten werden", sagte Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung, bei der Begrüßung der rund 80 geladenen Gäste aus Politik, Gesundheitswesen und Gesundheitswirtschaft. Ein Treiber für die dynamische Ausgabenentwicklung der GKV waren in den vergangenen Jahren die Preise für Arzneimittel, so Puttfarcken. Daher habe man sich dieses Thema - auch als "kleine Fortbildung" - für den Nachmittag vorgenommen. Zudem wolle man diskutieren, wie die Apotheke der Zukunft aussehen könnte. 

Maren Puttfarcken

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

Die Politik muss die Kraft aufbringen, die 66 Vorschläge zügig in ein Gesetz zu gießen, damit die Krankenkassenbeiträge stabil gehalten werden. Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

In seinem Grußwort verdeutlichte Tim Angerer, Staatsrat für Gesundheit der Sozialbehörde Hamburg, dass die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) ein Herzstück des Sozialstaates sei. Mit Blick auf die Vorschläge der FinanzKommission Gesundheit und dem nun anstehenden politischen Prozess erwarte er, dass dieser so gestaltet werde, dass Mut und Vertrauen entstehe. An die Akteure im Gesundheitswesen appellierte Angerer, dass alle ihren Beitrag leisten. Die Stabilisierung der GKV-Beiträge sei eine gemeinsame Aufgabe. 

Tim Angerer

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Staatsrat Gesundheit der Hamburger Sozialbehörde

Alle Akteure im Gesundheitswesen müssen einen Beitrag leisten. Die Stabilisierung der GKV-Beiträge ist eine gemeinsame Aufgabe. Tim Angerer, Staatsrat Gesundheit der Hamburger Sozialbehörde

Tim Steimle, Apotheker und Fachbereichsleiter Arzneimittel bei der TK, führte in seinem Kurzvortrag ins Thema Arzneimittel ein - einen der wesentlichen Kostentreiber für die GKV. Denn mittlerweile übersteigen die Ausgaben für Arzneimittel die Ausgaben für die ambulante Versorgung deutlich und sind nach den Kliniken der zweitgrößte Kostenblock. Elf Prozent der GKV-Gesamtausgaben würden von den 10 umsatzstärksten Arzneimittelpräparaten verursacht, erklärte Steimle. Und im Vergleich zu anderen Ländern seien die gleichen Arzneimittel in Deutschland deutlich teurer: Bei einer Anpassung an das internationale Preisniveau sei eine Ausgabenreduktion um 50 Prozent möglich. Zudem sei es ein Mythos, dass hohe Arzneimittelpreise den Produktionsstandort Deutschland retten könnten. Deutschland gebe pro Kopf europaweit am meisten Geld für Arzneimittel aus; wenn es um den Beitrag der Pharmaindustrie an der Gesamtwirtschaftskraft gehe, liege Deutschland aber lediglich im Mittelfeld. 

Tim Steimle

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Fachbereichsleiter Arzneimittel bei der Techniker Krankenkasse

Im internationalen Vergleich sind die gleichen Arzneimittel bei uns deutlich teurer. Bei einer Anpassung könnten die Ausgaben um 50 Prozent sinken. Tim Steimle, Fachbereichsleiter Arzneimittel bei der TK
 

Wie die Apotheke der Zukunft aussehen könnte, beschrieb Holger Gnekow, Präsident der Apothekerkammer Hamburg, in der anschließenden Diskussionsrunde mit Tim Steimle, die in bewährter Weise von Dirk Schnack moderiert wurde. Gnekow selbst betreibt die Adler Apotheke in Wandsbek, die sich seit mehreren Generationen im Familienbesitz befindet, und konnte daher aus erster Hand berichten, welchen Gestaltungsspielraum die inhabergeführte Apotheke insbesondere in Zeiten der Digitalisierung hat. Gnekow sagte mit Blick auf die hochpreisigen Arzneimittel, dass auch die Apothekerinnen und Apotheker ihren Beitrag leisten können. So müssten sie Patientinnen und Patienten umfassend beraten und Ängste abbauen, um die richtige Anwendung von Medikamenten zu unterstützen. 

Holger Gnekow

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Präsident der Hamburger Apothekerkammer

Auch Apotheken können sich stärker bei hochpreisigen Arzneimitteln einbringen, indem umfassend zur richtigen Anwendung von Medikamenten beraten wird. Holger Gnekow, Präsident Hamburger Apothekerkammer
 

In der Diskussion ging es auch um Lieferengpässe. Steimle verdeutlichte dabei, dass eine bessere Transparenz darüber, wo Medikamente vorhanden sind, auch ihre Verfügbarkeit gewährleisten und verbessern würde. Er betonte jedoch auch, dass das Problem von Lieferengpässen in Deutschland nicht so gravierend sei, wie es in den Medien häufig dargestellt werde: 99,7 Prozent der Arzneimittel seien sofort verfügbar.

Podi­um­s­­dis­kus­­sion auf dem Oster­em­p­­fang 2026 der TK-Landes­­ver­­­tre­­tung Hamburg

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Tim Steimle, Fachbereichsleiter Arzneimittel der TK, Dirk Schnack, Freier Journalist und Moderator, und Holger Gnekow, Präsident der Hamburger Apotheker Kammer (v.l.n.r.)

Der inhaltliche Parte des Empfangs endete mit einem erneuten Blick auf die Vorschläge der FinanzKommission:  Man war sich einig, dass viele Vorschläge auf dem Tisch lägen, die man nun nicht kaputt reden dürfe, und dass man stattdessen in die Umsetzung kommen müsse. Mit einem kleinen Imbiss und angeregten Gesprächen konnte der Abend bei bestem Aprilwetter ausklingen. 

Im Interview " Zur Sache: Fakten, Mythen, Standortpolitik bei Arzneimitteln "  beleuchtet Tim Steimle, Fachbereichsleiter Arzneimittel bei der TK, das Thema Arzneimittelpreisbildung und Standortpolitik.