Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland jährlich 10.000 bis 15.000 Menschen an den Folgen einer solchen Infektion sterben. Eine Ursache für die Bildung resistenter Erreger ist, dass die sonst lebensrettenden Antibiotika nicht sachgerecht eingesetzt werden und so ihre Wirksamkeit verlieren.

Hauptindikation für eine Antibiotika-Therapie im ambulanten Bereich sind laut Arzneimittelverordnungsreport (AVR 2015) Atemwegsinfekte. TK-Zahlen zeigen, dass im Jahr 2017 in Hamburg jeder fünfte Beschäftigte, der aufgrund einer Erkältung krankgeschrieben war, Antibiotika verordnet bekommen hat. Dabei werden Atemwegsinfekte - im Unterschied zu Lungenentzündungen - in mehr als 90 Prozent der Fälle von Viren ausgelöst: Gegen eine Virus-Infektion aber helfen Antibiotika nicht.

Hamburg liegt im Vergleich zu anderen Bundesländern bei der Zahl der im ambulanten Bereich verordneten Antibiotika (550.000 Antibiotikarezepte pro Jahr) im Mittelfeld. In einer aktuellen Auswertung gibt es aber Hinweise darauf, dass in Hamburg weiterhin Handlungsbedarf hinsichtlich zielgerichteter Antibiotikaverordnungen insgesamt und insbesondere bei Reserveantibiotika besteht.

Daher haben die Mitglieder der Hamburger Landeskonferenz für gesundheitliche und pflegerische Versorgung einen Strategie- und Maßnahmenplan "Antibiotika gezielt einsetzen" entwickelt und am 18. April 2018 beschlossen, gemeinsam erforderliche Maßnahmen zu intensivieren. Ziel ist es, unnötige Antibiotikaverordnungen möglichst zu vermeiden und die Wirksamkeit von Antibiotika zu erhalten. Die vereinbarten Maßnahmen richten sich an Patienten, an Ärzte und andere Gesundheits- und Pflegeberufe sowie an die Politik.

Aufklärungskampagne "Antibiotika gezielt einsetzen"

Wann ist die Einnahme von Antibiotika sinnvoll, wann nicht? Welche Risiken hat eine unsachgemäße oder falsche Einnahme von Antibiotika, und was muss bei der Einnahme beachtet werden? Diese und andere Fragen sind Themen der neuen Aufklärungskampagne. Die TK unterstützt diese Kampagne: "Gut informierte Patienten können gestärkt in das Gespräch mit ihrem Arzt gehen. Sie sollten im Zweifelsfall mit ihrem Arzt auch über das Für und Wider der Einnahme von Antibiotika sprechen", sagt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg.

Gut informierte Patienten können gestärkt in das Gespräch mit ihrem Arzt gehen. 
Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

Maren Puttfarcken

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg

Aufgaben für Gesundheits-und Pflegeberufe und Politik

In Hamburg verordnen vor allem niedergelassene Ärzte Antibiotika. Deshalb setzt ein Bündel von zusätzlichen Maßnahmen hier an. So wird die Kassenärztliche Vereinigung Hamburg eine entsprechende Pharmako-Beratung anbieten. Auch die interdisziplinäre Aus- und Fortbildung zum Thema Antibiotika soll ausgebaut werden.

Der Strategie- und Maßnahmenplan zu einem verantwortungsvollen Einsatz von Antibiotika und zur Eindämmung von Antibiotikaresistenzen enthält auch eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Maßnahmen für einen rationalen Antibiotikaeinsatz.