Arzneimittelpreise: Jährliches Einsparpotenzial von knapp 180 Millionen Euro in Hamburg
Pressemitteilung aus Hamburg
Hamburg, 11. Februar 2026. Arzneimittel sind ein großer Kostentreiber für die gesetzliche Krankenversicherung: Nach den Ausgaben für den Krankenhausbereich stehen Arzneimittel auf Platz zwei der größten Kostenblöcke. Dabei wird in Deutschland für die gleichen Medikamente deutlich mehr gezahlt als in anderen Ländern. Eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt: Bei einer Anpassung der Arzneimittelpreise an das internationale Preisniveau könnte jährlich allein in Hamburg eine Summe von 179,8 Millionen Euro eingespart werden. Bundesweit liegt das jährliche Einsparpotenzial bei knapp 4,73 Milliarden Euro.
"Mit Hinblick auf die finanzielle Lage der GKV können wir es uns einfach nicht mehr leisten, Arzneimittelpreise zu zahlen, die weit über dem internationalen Niveau liegen", sagt Maren Puttfarcken, Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg. "In anderen Ländern sind einzelne Arzneimittel bis zu 76 Prozent günstiger als bei uns in Deutschland. Eine Anpassung an Preise, wie sie beispielsweise in Norwegen, Japan oder Südkorea gezahlt werden, könnte die Beitragszahlenden merklich entlasten."
Hohe Kosten, wenig Wirtschaftsvorteil
Die Kosten für Arzneimittel sind 2024 bundesweit auf einen Rekordwert von 55 Milliarden Euro angestiegen. Damit ist Deutschland mit jährlich durchschnittlich 721 Euro für Arzneimittelausgaben pro Kopf Spitzenreiter in Europa. Zugleich erwirtschaftet die Pharmaindustrie in Deutschland nur rund 0,8 Prozent der gesamten nationalen Bruttowertschöpfung (BWS) und liegt damit im europäischen Vergleich lediglich auf Platz sieben. Im Gegensatz dazu steht Dänemark: Bei jährlichen Arzneimittelausgaben von gerade einmal 266 Euro pro Kopf erwirtschaftet die Pharmaindustrie 4,9 Prozent der BWS. "Diese Diskrepanz verdeutlicht, dass hohe Arzneimittelpreise nicht automatisch einen Wirtschaftsvorteil bedeuten", erläutert Puttfarcken.
Senkung der Arzneimittelpreise zugunsten der Beitragszahlenden
Um die Arzneimittelpreise zu senken und damit die Beitragszahlenden zu entlasten, schlägt die TK drei konkrete Maßnahmen vor: "Durch eine Herabsetzung der Umsatzsteuer von 19 auf sieben Prozent könnten jährlich bis zu sieben Milliarden Euro bei Arzneimitteln gespart werden. Eine Erhöhung des Herstellerabschlags für Patentarzneimittel brächte weitere drei Milliarden Euro jährlich ein", sagt Puttfarcken. Außerdem spricht sich die TK für sogenannte Fokuslisten bei patentgeschützten Arzneimitteln aus. Dafür sollte der Gemeinsame Bundesausschuss ermächtigt werden, Gruppen pharmakologisch-therapeutisch vergleichbarer Arzneimittel zu definieren, aus denen die Krankenkassen bevorzugte Präparate für ihre Versicherten festlegen können. Dies würde jährlich eine weitere Milliarde Euro einsparen, ohne die Qualität der Versorgung zu verschlechtern. Durch die Umsetzung dieser drei Maßnahmen könnte die GKV jährlich um bis zu elf Milliarden Euro entlastet werden.
Hinweis für die Redaktion
Für die vorliegende Betrachtung hat die TK die Arzneimittel-Abgabemengen für das Jahr 2024 aus TK-Daten ausgewertet und auf GKV-Niveau hochgerechnet. Die internationalen Herstellerabgabepreise wurden mit der Preisdatenbank NAVLIN ermittelt (Preisstand: 1. Juli 2024) und nach deutscher Arzneimittelpreisverordnung auf den Apothekenverkaufspreis (AVP) umgerechnet, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Die Einsparpotenziale ergeben sich als Differenz zwischen den Ausgaben mit deutschem AVP und international günstigstem AVP.
Die Einsparpotenziale pro Bundesland wurden proportional zu den Abgabemengen im jeweiligen Bundesland bestimmt.
Weitere Informationen zum Thema Arzneimittelausgaben und Vorschläge für kostensparende Maßnahmen hat die TK in einem Factsheet Arzneimittelausgaben (PDF, 272 kB) zusammengefasst.