Dabei reicht das Spektrum vom Einsatz der Telemedizin über medizinischen Kinderschutz bis zur rationalen Antibiotika-Therapie. Allen Projekte gemeinsam sind die Grundideen, die Vernetzung zwischen den Sektoren zu stärken und den Einsatz innovativer Technologien zu fördern.

Der Innovationsfonds macht vieles richtig, aber er lässt zurzeit eine Frage offen: Wie kommen die sinnvollen Projekte anschließend in die Regelversorgung? Aus meiner Sicht sollten die Krankenkassen mit einem eigenen 'Innovationsbudget' direkt in gute Ideen investieren können.
Barbara Steffens, Leiterin der TK-Landesvertretung Nordrhein-Westfalen

Aktuell ist die TK in NRW an folgenden acht Innovationsfonds-Projekten beteiligt

  • Schlaganfall-Lotse in Ostwestfalen-Lippe: Eine sektorübergreifende optimierte Schlaganfall-Nachsorge mit Case- und Care Management ist das Ziel des Projekts. Der Schlaganfall-Lotse will beispielsweise die Vermeidung von Rezidiven, die Senkung und Verhinderung von stationären Aufenthalte, den Verbleib im häuslichen Umfeld sowie die Erhöhung der sozialen Teilhabe erreichen.
  • Me-KidS.best: Eine einrichtungsübergreifende Zusammenarbeit zur verbesserten Detektion und Versorgung beim medizinischen Kinderschutz im Ruhrgebiet. Das Projekt erprobt erstmalig eine standardbasierte und regelhafte, sektorenübergreifende und in Netzwerken flächendeckend realisierbare Versorgungsform. Dadurch werde die Leistungsfähigkeit des medizinischen Kinderschutzes als Partner der Jugendhilfe systematisch gestärkt und betroffenen Kindern, Jugendlichen und deren Familien ein niederschwellig zugängliches System von Medizin und Jugendhilfe eröffnet.
  • Familien-Scout: Ziel des Projekts ist ein sektorenübergreifendes Versorgungsmanagement zur Unterstützung von Familien mit minderjährigen Kindern, in denen ein Elternteil schwer an Krebs erkrankt ist. Der Familien-Scout will die psychischen Folgeerkrankungen der Familienmitglieder reduzieren. Es soll ein zeitgerechter Zugang zu Leistungen von verschiedenen Sozialversicherungsträgern, aus unterschiedlichen therapeutischen Bereichen, sektoren-übergreifend und über alle Phasen der Erkrankung hinweg erreicht werden.
  • isPO: Ein integriertes, sektorenübergreifendes psychoonkologisches Versorgungsprogramm für alle Patienten mit der Erstdiagnose Krebs. Durch eine gestufte, IT-gestützte Beratung, Begleitung und Behandlung in intersektoralen Versorgungsnetzwerken sollen die Patienten direkt angesprochen und betreut werden.
  • RESIST: RESISTenzvermeidung durch adäquaten Antibiotikaeinsatz bei akuten Atemwegsinfektionen in der vertragsärztlichen Versorgung sowohl in Bezug auf die Menge der eingesetzten Antibiotika als auch auf die eingesetzten Substanzen. Förderung der Behandlungsqualität für den einzelnen Patienten und Sicherung der Wirksamkeit von Antibiotika durch die Vermeidung weiterer Resistenzbildungen. Vorherige Qualifikation der teilnehmenden Ärzte durch eine interaktive Online-Schulung.
  • PIA - IT-gestütztes Fallmanagement in der Hypertonie-Therapie: Medizinische Fachangestellte betreuen Hypertoniker mit einem PC-gestützte Fallmanagement zur Implementierung einer Leitlinien-konformen Therapie. Dabei kommt ein individuell zugeschnittener Therapie-Logarithmus zum Einsatz, der für eine beschleunigte Kommunikation sorgen soll und hilft, unnötige Praxisbesuche zu vermeiden.
  • OPTIMAL@NRW - Akut- und Notfallversorgung Geriatrie: Aufbau eines telemedizinischen, intersektoralen Netzwerks, um die Notfallversorgung geriatrischen Patienten rund um die Uhr zu optimieren. Dazu werden in der Region Aachen die Arztnotrufzentrale und die Rettungsleitstellen als "virtueller Tresen" zusammengeführt. Zur Erstbewertung von Notfällen kommt die Software "SmED" zum Einsatz.
  • SoKo - Somatische Versorgung von Patienten mit psychischer Komorbidität: Menschen mit psychischen Störungen weisen ein erhöhtes Risiko auf, gleichzeitig von einer somatischen Erkrankung betroffen zu sein. Zumal sie Vorsorge-, Diagnostik- und Behandlungsangebote für somatische Erkrankungen seltener in Anspruch nehmen. Das Projekt SoKo untersucht in einem Mixed-Methods-Ansatz, die medizinische Versorgung von Patienten, die gleichzeitig an einer somatischen Erkrankung und psychischen Störung leiden.

Bundesweit ist die TK bei aktuell rund 50 Projekten des Innovationsfonds , beteiligt, bei sechs Projekten als verantwortliche Konsortialführerin.

Der beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) eingerichtete Innovationsausschuss legt die Schwerpunkte und Kriterien für die Förderung fest, führt Interessenbekundungsverfahren durch und entscheidet über die eingegangenen Anträge. 

Zum Start wurde der Fonds mit jährlich 300 Mio. € ausgestattet. Ab 2020 ist die Förderung auf ein Volumen von 200 Mio. € jährlich begrenzt worden. Auch soll gewährleistet werden, dass erfolgreiche Versorgungsansätze zügig in die Regelversorgung überführt werden.