Mit dieser herausfordernden Thematik hat sich Mitte März 2023 die 17. Internationale Kasseler Fortbildung "Basiskurs Kinderschutz in der Medizin" beschäftigt. Seit 2003 ist die TK in Hessen als Förderer dabei. Der Kurs richtet sich an alle im Kinderschutz tätigen Fachpersonen und plädiert für die multiprofessionelle Zusammenarbeit. 

Großes Interesse der Teilnehmenden 

Die Deutsche Gesellschaft für Kinderschutz in der Medizin (DGKiM) führt die Fortbildung zurzeit jährlich durch. Ziel der regelmäßigen Veranstaltung ist es, die Teilnehmenden zu sensibilisieren, wie sie Verletzungen des Kindeswohls in ihrem Alltag bewusst wahrnehmen und bei einem Verdacht auf Misshandlung oder Vernachlässigung die richtigen Schritte einschlagen können. 

Der Kurs bietet vor allem Fachkräften aus dem Gesundheitsbereich ein Basiswissen und dient als Grundlage für weitere, vertiefende Kurse für Ärztinnen und Ärzte zum Thema Kinderschutz. Seit 2021 haben gut 400 Medizinerinnen und Mediziner dieses Angebot wahrgenommen. Nach dem Basiskurs im März dieses Jahres wird im November 2023 erneut ein Aufbaukurs angeboten, der dieses Mal auch gezielt auf die Bedarfe von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten ausgeweitet wurde. Am Basiskurs im März haben überwiegend Ärztinnen und Ärzte, aber auch nichtärztliche Mitarbeitende des Gesundheitssystems beispielsweise aus den Bereichen Psychologie, Sozialarbeit oder Pflege teilgenommen; vereinzelt nahmen auch Juristinnen und Juristen teil.

Der zweitägige Basiskurs fand Mitte März 2023 in hybrider Form mit rund 300 motivierten Teilnehmenden statt. Davon waren rund 100 Personen vor Ort im Klinikum Kassel und weitere rund 200 Teilnehmende live zugeschaltet. Den Teilnehmenden wurden im Kurs Sicherheit und Fachlichkeit im Umgang mit den schwierigen Themen Vernachlässigung und Misshandlung vermittelt. Dazu gehört beispielsweise die Frage, welche Verhaltensweisen und Verletzungen darauf hinweisen, dass ein Kind Gewalt erfahren hat? Und welche Schritte müssen eingeschlagen werden, wenn Gewalt an Kindern entdeckt wird? Dabei sind mit Gewalt nicht nur Schläge oder sexueller Missbrauch gemeint. Das Wohl von Kindern ist auch gefährdet, wenn sie angeschrien, klein gemacht, sozial isoliert oder ihnen Kontakte verboten werden.

Dr. Barbara Voß, Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen: "Kindesmissbrauch spielt sich in der Regel hinter verschlossenen Türen ab. Personen aus dem sozialen Umfeld der Kinder müssen wissen, welche Verhaltensweisen der Kinder und welche Verletzungen auf eine Gewalterfahrung hinweisen können und wie sie bei einem Verdacht sinnvoll reagieren sollten."

Dr. Barbara Voß

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Leiterin der TK-Landesvertretung Hessen

Dr. Bernd Herrmann, Leiter des Bereichs Kinderschutz am Klinikum Kassel: 
"Befragungen von Erwachsenen haben ergeben, dass nahezu jeder Dritte im Laufe der Kindheit und Jugend von irgendeiner Form von Misshandlung, emotionaler oder körperlicher Vernachlässigung, körperlicher oder psychischer Gewalt oder sexuellem Missbrauch betroffen ist." 

Dr. Bernd Herr­mann

Portrait von Dr. Bernd Herrmann Das Bild ist noch nicht vollständig geladen. Falls Sie dieses Bild drucken möchten, brechen Sie den Prozess ab und warten Sie, bis das Bild komplett geladen ist. Starten Sie dann den Druckprozess erneut.
Oberarzt der Klinik für Neonatologie und allgemeine Pädiatrie sowie Leiter des Bereichs Kinderschutz am Klinikum Kassel

Aus Sicht von Dr. Herrmann ist es von essenzieller Bedeutung, dass Gewalt gegen Kinder in ihren vielfältigen Formen so frühzeitig wir nur irgend möglich erkannt und aufgedeckt wird. "Allerdings sind die körperlichen Hinweise auf Misshandlung und Gewalt oft nicht einfach diagnostizieren. Daher wollen wir den Teilnehmenden unserer Tagung mehr Sicherheit im zwingend multiprofessionellen Umgang mit dieser schwierigen Thematik geben", so Dr. Herrmann.

Corona und psychische Gesundheit

Die Fragen an die Referentinnen und Referenten waren zahlreich und zeigten wieder einmal, dass das interdisziplinäre Interesse an diesem Thema groß ist. In den Pausen war der Austausch rege und spannend. Auch die Frage, wie sich die Änderungen Lebenssituation durch die Pandemie auf die Kinder und Jugendlichen ausgewirkt hat, wurden diskutiert.

Aufgrund der hohen Resonanz und des positiven Feedbacks der Teilnehmenden wird der Basiskurs "Kinderschutz in der Medizin" voraussichtlich im Frühjahr 2024 erneut stattfinden.
 

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