Mehr Transparenz für faire Arzneimittelpreise
Position aus Saarland
Die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen steigen stetig an. Dabei gibt Deutschland bereits deutlich mehr Geld für Arzneimittel aus als andere Industriestaaten. Besonders die Preisgestaltung bei patentgeschützten Arzneimitteln muss angegangen werden. Welche sofortwirksamen Maßnahmen die TK vorschlägt, beschreibt Daniel Konrad, interimistischer Leiter der LV Saarland, in seinem Standpunkt.
Die Finanzlage der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist seit Jahren ein Dauerthema in der deutschen Gesundheitspolitik. Die Ausgaben steigen immer weiter an und haben in den vergangenen Jahren für große Sprünge bei den Zusatzbeiträgen der Krankenkassen gesorgt. Ein Problem: die Kosten für Arzneimittel. Mittlerweile sind sie nach den Krankenhausausgaben der zweitgrößte Kostenblock der GKV und ein Ende bei der Kostenentwicklung ist nicht in Sicht - zumindest nicht ohne politische Eingriffe.
Daniel Konrad
Milliarden-Einsparungen durch Preisanpassungen möglich
Derzeit bezahlt Deutschland im internationalen Vergleich nämlich deutlich mehr Geld für Arzneimittel als vergleichbare Industriestaaten. Bereits bei den 30 umsatzstärksten Medikamenten ließen sich durch Angleichungen an das internationale Preisniveau allein im Saarland jährlich rund 44,9 Millionen Euro an Arzneimittelausgaben für die GKV einsparen. Bundesweit wären es rund 4,37 Milliarden Euro. Besonders die Preisgestaltung bei patentgeschützten Arzneimitteln muss von der Politik angegangen werden. Es kann nicht sein, dass diese Art Medikamente nur sieben Prozent der abgegebenen Packungen ausmachen, aber mit 54 Prozent mehr als die Hälfte der GKV-Ausgaben im Bereich Arzneimittel.
Neuer Mechanismus nötig
Dabei ist ein großes Problem die fehlende Transparenz bei der Preisgestaltung. Bisher dürfen Pharmaunternehmen einen beliebigen Einstiegspreis für patentgeschützte Medikamente festlegen. Erst im Anschluss durchläuft das Arzneimittel das sogenannte AMNOG-Verfahren. Nach einer Nutzenbewertung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) wird dann ein Erstattungspreis verhandelt. Das Problem: Der gilt nur rückwirkend bis zum 7. Monat der Markteinführung, das erste halbe Jahr müssen die Kassen den Einstiegspreis zahlen. Inwiefern Forschungs- und Produktionskosten diesen rechtfertigen, kann nicht transparent nachvollzogen werden. Arzneimittelhersteller sollen an innovativen Therapien gut verdienen, aber die Preise müssen angemessen sein. Hier ist die Politik gefordert, faire Rahmenbedingungen für beide Seiten zu schaffen.
Drei sofortwirksame Maßnahmen möglich
Um die Ausgaben im Bereich Arzneimittel generell in den Griff zu bekommen, fordert die TK drei sofortwirksame Maßnahmen. Zum einen sollte die Mehrwertsteuer auf Arzneimittel von 19 Prozent auf den reduzierten Steuersatz von sieben Prozent abgeändert werden. Das könnte den Kassen sieben Milliarden Euro jährlich einsparen. Durch eine Erhöhung des Herstellerabschlags für Patentarzneimittel auf 17 Prozent könnten weitere drei Milliarden Euro eingespart werden. Eine weitere Milliarde Euro könnte durch die Einführung von sogenannten Arzneimittel-Fokuslisten eingespart werden. Diese würden Krankenkassen ermöglichen, unter (pharmakologisch)-therapeutisch vergleichbaren Arzneimitteln eine wirtschaftliche Auswahl zu treffen
Rabattverträge als Faktor für Resilienz und Vorräte
Auch bei Nachahmer-Präparaten zu biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln (Biologika) gilt es, Sparpotenziale zu nutzen und die Liefersicherheit langfristig sicherzustellen. Schon 2019 war gesetzlich angedacht worden, dass Biologika und Biosimilars in der Apotheke ausgetauscht werden dürfen. Dass dieses Vorhaben 2026 endlich umgesetzt wird, hilft Krankenkassen in der angespannten GKV-Finanzlage, Ausgaben zu senken bei gleichbleibender Versorgungsqualität.
Wichtig bleibt dabei, alle verfügbaren Mittel von Rabattverträgen nutzen zu können, um auf verschiedene Entwicklungen des Marktes reagieren zu können. Exklusive Ausschreibungen sind dabei nicht nur mit höheren Einsparungen, sondern vor allem auch mit festen Vertragslaufzeiten und verpflichtenden Vorräten verbunden. Sie helfen, die Versorgung nachhaltig und resilient zu gestalten.