Saarbrücken, 23. Februar 2026. Im internationalen Vergleich sind deutsche Arzneimittelpreise zu hoch. Das ergibt eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK). Bereits bei den 30 umsatzstärksten Medikamenten ließen sich durch Angleichungen an das internationale Preisniveau allein im Saarland jährlich rund 44,9 Millionen Euro an Arzneimittelausgaben für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) einsparen. 

 "Wir bezahlen im Vergleich zu anderen Industrieländern wie Norwegen, Japan oder Südkorea viel zu hohe Preise für dieselben Produkte. Je nach Medikament bezahlen andere Staaten bis zu 76 Prozent weniger", sagt Daniel Konrad, interimistischer Leiter der TK-Landesvertretung Saarland. Er fordert: "Die Politik muss den Mechanismus der Preisgestaltung besonders bei patentgeschützten Arzneimitteln überarbeiten. Es kann nicht sein, dass diese Art Medikamente 54 Prozent der GKV-Ausgaben im Bereich Arzneimittel ausmachen - aber nur sieben Prozent der abgegebenen Packungen." 2024 betrugen die Ausgaben der GKV für Arzneimittel mehr als 55 Milliarden Euro - ein Rekordwert. 

Hohe Arzneimittelpreise sichern keinen Produktionsstandort 

Häufig werden die hohen Arzneimittelpreise in Deutschland damit gerechtfertigt, dass so die Produktion vor Ort gestärkt würde. Der Blick auf die Daten verrät, dass das nicht stimmt. Obwohl die Bundesrepublik pro Kopf die höchsten Arzneimittelausgaben in Europa hat, erwirtschaftet die Pharmaindustrie nur etwa 0,8 Prozent der gesamten nationalen Bruttowertschöpfung (BWS). Damit liegt sie im europäischen Vergleich lediglich auf Platz sieben.

Drei schnellwirksame Maßnahmen, um Arzneimittelausgaben zu senken

Schon drei kurzfristige Maßnahmen würden die GKV jährlich um bis zu elf Milliarden Euro entlasten: Ein Absenken der Umsatzsteuer auf Arzneimittel von derzeit 19 Prozent auf den ermäßigten Satz von sieben Prozent könnte bis zu sieben Milliarden Euro einsparen. Den Herstellerabschlag für Patentarzneimittel auf 17 Prozent zu erhöhen, brächte bis zu drei Milliarden Euro jährlich ein. Eine weitere Milliarde Euro könnte durch die Einführung von sogenannten Arzneimittel-Fokuslisten eingespart werden. Diese würden Krankenkassen ermöglichen, unter (pharmakologisch)-therapeutisch vergleichbaren Arzneimitteln eine wirtschaftliche Auswahl zu treffen.

Hinweis für die Redaktion

Für die vorliegende Betrachtung hat die TK die Arzneimittel-Abgabemengen für das Jahr 2024 aus TK-Daten ausgewertet und auf GKV-Niveau hochgerechnet. Die internationalen Herstellerabgabepreise wurden mit der Preisdatenbank NAVLIN ermittelt (Preisstand: 1. Juli 2024) und nach deutscher Arzneimittelpreisverordnung auf den Apothekenverkaufspreis (AVP) umgerechnet, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Die Einsparpotenziale ergeben sich als Differenz zwischen den Ausgaben mit deutschem AVP und international günstigstem AVP.

Die Einsparpotenziale pro Bundesland wurden proportional zu den Abgabemengen im jeweiligen Bundesland bestimmt. Weitere Informationen zum Thema Arzneimittelausgaben und Vorschläge für kostensparende Maßnahmen hat die TK in einem  Factsheet Arzneimittelausgaben (PDF, 272 kB) zusammengefasst.