Die jüngste Pilotierung im "Pflege-Kontext"  ist beendet. Getestet wurden die digitalen Kommunikationswege zwischen Pflegeeinrichtungen und Arztpraxen, Apotheken sowie Krankenhäusern. Welche Erfahrungen die Akteure in der TIMO bei der Anbindung von Pflegeeinrichtungen an die TI gemacht haben, und welche Vorteile und Herausforderungen diese mit sich bringt, berichtet Markus Habetha, Projektleiter der TIMO Hamburg & Umland, im Interview.

TK: Herr Habetha, eine TI-Anbindung ist seit dem 1. Juli 2025 für Pflegeeinrichtungen sowie Anbieter für häusliche Krankenpflege und außerklinische Intensivpflege verpflichtend. Warum ist es wichtig, dass auch Pflegeeinrichtungen die TI nutzen, und sind nun in Hamburg alle "TI-ready"?

Markus Habetha: Mit unseren Pflegeeinrichtungen in der TIMO stehen wir seit Jahresbeginn 2025 in einem intensiven Austausch. Bereits zum Start der ePA zum 15. Januar 2025 wurde deutlich, dass die Pflegedienstleister und -einrichtungen bei der digitalen Gesundheitsversorgung ihrer Patientinnen und Patienten eine wichtige Rolle spielen. Sowohl in der ambulanten, also der häuslichen Krankenpflege, als auch in der stationären Langzeitpflege übernehmen die Einrichtungen neben den Pflegetätigkeiten regelmäßig auch organisatorische Aufgaben, zum Beispiel bei der Medikamentenversorgung, der Koordination von Arztbesuchen und am Versorgungsübergang zwischen Aufnahme in und Entlassung aus dem Krankenhaus. Deshalb war die gesetzlich vorgesehene Anbindung an die Telematikinfrastruktur (TI) zum 1. Juli 2025 für die Pflege ein wichtiger Meilenstein und konnte so eine bis dahin noch bestehende Lücke schließen. Es war beeindruckend zu erleben, wie engagiert die Pflegeanbieter und -einrichtungen auf diesen Stichtag hingearbeitet und sich die Digitalisierung aktiv auf die Agenda gesetzt haben. 

Sowohl die Teilnahme der Pflegeeinrichtungen an "KIM - Kommunikation im Medizinwesen" für den bilateralen Austausch mit (Zahn-)Arztpraxen, Apotheken und Kliniken, als auch der Zugriff auf die elektronische Patientenakte (ePA), kann die Kommunikation untereinander verbessern und damit effizientere Versorgungsprozesse ermöglichen.

Nach unseren Erfahrungen aus der TIMO ist die Mehrzahl der Pflegeeinrichtungen inzwischen an die TI angebunden und auf die zunehmend digitalen Versorgungsprozesse vorbereitet, beispielsweise bei der Abrechnung oder bei Anträgen für die häusliche Krankenpflege und den Ausbau der ePA. 
 

Markus Habetha

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Projektleiter der TI-Modellregion Hamburg & Umland

Der Ausbau der ePA muss nun zügig weitergehen, um im Versorgungsalltag für alle erlebbaren Nutzen zu stiften. Markus Habetha, Projektleiter der TI-Modellregion Hamburg & Umland.

TK: Auf welche Herausforderungen sind Sie bei der Pilotierung im Pflege-Kontext gestoßen, und was muss perspektivisch noch passieren?

Habetha: Auch die Pflegeeinrichtungen und -anbieter haben beim Anschluss an die TI ihre Lernkurven durchlaufen, so wie es vor ein paar Jahren die Arztpraxen, Apotheken und Kliniken tun mussten. Die technische und organisatorische Komplexität war auch für die Pflegeeinrichtungen eine Herausforderung. Das fing an bei der Beantragung der elektronischen Heilberufs- (eHBAs) und Institutsausweise (SMC-Bs), und reichte über das Verständnis der funktionalen Besonderheiten und prozessualen Zusammenhänge der verschiedenen TI-Anwendungen, bis hin zu den Herausforderungen des Projektmanagements. Die verschiedenen internen und externen technischen Dienstleister mussten koordiniert werden.

Pflegeeinrichtungen, die das erfolgreich gemeistert haben, wünschen sich einen raschen Ausbau der Digitalisierung. Das betrifft zum einen die Kommunikation über KIM im Rahmen der täglichen Versorgung mit den kooperierenden (Zahn-)Arztpraxen, Kliniken und Apotheken, und zum anderen den Austausch von Abrechnungs- und Antragsdokumenten mit den Krankenkassen. Damit soll auf das Faxgerät möglichst bald ganz verzichtet werden.

In der Arzneimittelversorgung wird die ePA mit dem Medikationsplan auch in der Pflege Mehrwerte liefern, wenn Pflegekräfte dadurch über Änderungen der Medikation frühzeitig informiert sind.

Aus unserer Perspektive als TIMO kann hervorgehoben werden, dass standardisierte und niederschwellig nutzbare Kommunikationsprozesse die Rolle der Pflegeeinrichtungen in der Wahrnehmung ihrer koordinierenden Aufgaben für Patientinnen und Patienten stärken. Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag zu Verbesserung der Versorgungsqualität.

TK: Noch eine persönliche Frage zum Abschluss: Man hört in der Öffentlichkeit oft die Kritik, dass alles bei der ePA "viel zu langsam" gehe. Wie ist Ihr Fazit nach einem Jahr ePA-Nutzung in Hamburg? 

Habetha: Als TIMO Hamburg & Umland ziehen wir nach einem Jahr ePA-Nutzung ein positives Fazit. Die ePA ist bundesweit im Einsatz, liefert mit der Medikationsliste erstmals eine Übersicht aller verordneten und eingelösten E-Rezepte und steht als Austauschplattform für medizinische Dokumente allen am Behandlungsprozess Beteiligten zur Nutzung offen, also den Leistungserbringenden genauso wie den Versicherten. Das ist ein beachtlicher Erfolg, den wir nicht kleinreden sollten. Der Ausbau muss nun zügig weitergehen, um im Versorgungsalltag für alle erlebbaren Nutzen zu stiften. Ab Sommer wird der digitale Medikationsplan eingeführt und in den Modellregionen intensiv getestet werden. Damit sind wir auf einem guten Weg. 

Dennoch gibt es Herausforderungen: Insgesamt muten wir den Leistungserbringenden eine Vielzahl von Details in Aufgaben und Entscheidungen zu, bis die TI-Anwendungen im Versorgungsalltag zuverlässig funktionieren. Da können wir noch besser werden und die Qualität und Zuverlässigkeit der Anwendungen erhöhen. 

Mit Blick auf verfügbare Medikationsinformationen in der ePA gibt es ebenfalls noch Ausbaumöglichkeiten. Derzeit können noch nicht alle Verordnungen als E-Rezept erfolgen, darunter fallen beispielsweise starke Schmerzmedikamente oder Heil- und Hilfsmittel. Hier entfaltet die Telematikinfrastruktur noch nicht ihr volles Potenzial, und die Komplexität im Versorgungsalltag ist noch deutlich zu hoch. Die Digitalisierung weiterer Rezepttypen ist enorm wichtig, darüber sind sich alle Beteiligten einig. Dazu haben die Erkenntnisse aus den beiden Modellregionen einen wertvollen Beitrag geleistet. 

Hintergrund

Als eine von zwei TI-Modellregionen in Deutschland hat "Hamburg und Umland" im März 2023 als erste den Zuschlag der gematik erhalten. Das Bewerber-Konsortium rund um das ÄrzteNetz Hamburg e. V. vereint neben Arztpraxen, Apotheken, Kliniken und vielen weiteren Versorgungseinrichtungen des Gesundheitswesens auch weitere Netzwerk-Partner aus Industrie sowie von Verbänden und Krankenversicherungen. Die zweite Modellregion ist in Franken angesiedelt. Beide Modellregionen stehen über die gematik in intensivem Austausch.