TK: Herr Steffen, sie sind Projektmanager für Digitalisierung am Kreiskrankenhaus St. Ingbert. Warum spielt Digitalisierung im Krankenhaus eine so wichtige Rolle und wie sieht Ihre Arbeit aus?

Oliver Steffen: Die Digitalisierung im Gesundheitswesen bietet die große Chance, Informationen genau dort verfügbar zu machen, wo sie für die Behandlung benötigt werden. Als Projektmanager für Digitalisierung und Organisationsentwicklung begleite ich deshalb die gesamte digitale Patientenreise - von der Aufnahme über Diagnostik und Therapie bis hin zur Entlassung.

Unser Ziel ist es, digitale Lösungen so einzusetzen, dass sowohl unsere Patientinnen und Patienten als auch unsere Mitarbeitenden davon profitieren. Wenn wichtige Informationen schneller verfügbar sind, Abläufe einfacher werden und weniger Zeit für organisatorische Aufgaben aufgewendet werden muss, bleibt mehr Zeit für das Wesentliche: die Behandlung und Betreuung der Menschen.

TK: Mit der Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) sind neue Möglichkeiten entstanden. Warum ist die ePA aus Ihrer Sicht so wichtig?

Steffen: Die elektronische Patientenakte ist ein wichtiger Schritt hin zu einer modernen und vernetzten Gesundheitsversorgung. Sie ermöglicht es, medizinisch relevante Dokumente digital bereitzustellen und dort verfügbar zu machen, wo sie benötigt werden - unabhängig davon, ob die Behandlung in einer Arztpraxis, einem Krankenhaus oder einer anderen medizinischen Einrichtung stattfindet.

Davon profitieren vor allem die Patientinnen und Patienten: Befunde, Arztbriefe oder Medikationspläne sind zentral an einem Ort gespeichert und müssen nicht mehr mühsam zusammengesucht werden. Gleichzeitig können Ärztinnen und Ärzte schneller auf wichtige Informationen zugreifen. Das spart Zeit, verbessert die Zusammenarbeit zwischen den Behandelnden und kann dazu beitragen, die Qualität der Versorgung weiter zu steigern.

Ein weiterer Vorteil: Die ePA schafft mehr Transparenz. Patienten erhalten einen besseren Überblick über ihre Gesundheitsdaten und können aktiv an ihrer Behandlung mitwirken.

Unser Ziel ist es, digitale Lösungen so einzusetzen, dass sowohl unsere Patientinnen und Patienten als auch unsere Mitarbeitenden davon profitieren. Oliver Steffen

TK: Wie setzen Sie die ePA bereits heute ein und welchen Nutzen sehen Sie für das Krankenhaus sowie für die Patientinnen und Patienten?

Steffen: Die ePA ist im Kreiskrankenhaus St. Ingbert bereits fester Bestandteil wichtiger Behandlungsprozesse. Schon bei der Aufnahme prüfen wir, ob Patientinnen und Patienten eine elektronische Patientenakte nutzen. Liegen dort relevante Dokumente vor, können diese für die Behandlung bereitgestellt werden.

Ebenso wichtig ist der Weg nach dem Krankenhausaufenthalt: Nach der Entlassung wird der Arztbrief direkt in die ePA eingestellt. Damit können beispielsweise Hausärztinnen und Hausärzte oder weiterbehandelnde Fachärztinnen und Fachärzte zeitnah auf die Informationen zugreifen.

Für unsere Mitarbeitenden bedeutet das einen schnelleren Zugang zu wichtigen Vorbefunden, Untersuchungsergebnissen oder Medikationsplänen. Aufwendige Rückfragen oder die Anforderung von Unterlagen bei anderen Einrichtungen können häufig vermieden werden. Die dadurch gewonnene Zeit kommt unmittelbar den Patientinnen und Patienten zugute.

Für Versicherte liegt der größte Vorteil darin, dass ihre Gesundheitsinformationen an einem zentralen Ort verfügbar sind. Gerade bei mehreren Behandlungen oder verschiedenen Ärzten erleichtert dies den Überblick und unterstützt eine bessere Versorgung.

TK: Welche nächsten Schritte planen Sie beim Einsatz der ePA?

Steffen: Wir möchten den Nutzen der ePA in den kommenden Jahren kontinuierlich erweitern. Künftig sollen neben den Arztbriefen auch weitere medizinische Dokumente, etwa Laborbefunde oder Ergebnisse diagnostischer Untersuchungen, direkt in die elektronische Patientenakte eingestellt werden.

Besonders freuen wir uns auf ein innovatives Projekt, das wir gemeinsam mit der Organisation "Was hab' ich?" umsetzen. Dabei wird zusätzlich zum klassischen Arztbrief ein leicht verständlicher Patientenbrief erstellt. Medizinische Diagnosen, Untersuchungsergebnisse und Behandlungsschritte werden darin in verständlicher Alltagssprache erklärt.

Dieser Patientenbrief wird ebenfalls in der ePA verfügbar sein. So möchten wir Patientinnen und Patienten dabei unterstützen, ihre Erkrankungen und Behandlungen besser zu verstehen und ihre Gesundheitskompetenz weiter zu stärken.

TK: Wie wird die ePA die Gesundheitsversorgung in Zukunft verändern?

Steffen: Langfristig kann die elektronische Patientenakte ein zentrales Element einer vernetzten Gesundheitsversorgung werden. Wenn alle relevanten Informationen zum richtigen Zeitpunkt bereitstehen, profitieren davon sowohl die Behandelnden als auch die Patientinnen und Patienten.

Bereits heute zeigt sich das Potenzial: Doppeluntersuchungen können vermieden, Behandlungsentscheidungen besser unterstützt und die Patientensicherheit erhöht werden. Gleichzeitig wird die Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Leistungserbringern erleichtert.

Damit dieses Potenzial vollständig ausgeschöpft werden kann, sollte die ePA künftig noch einfacher nutzbar werden. Wichtig ist aus meiner Sicht insbesondere, den Zugang für Versicherte so unkompliziert wie möglich zu gestalten. Außerdem wäre es ein großer Fortschritt, wenn künftig auch bildgebende Untersuchungen wie Röntgen- oder MRT-Aufnahmen direkt in die ePA integriert werden könnten.

Je einfacher die Nutzung wird und je mehr Gesundheitsinformationen sicher verfügbar sind, desto größer wird der Nutzen für alle Beteiligten im Gesundheitswesen.