Innovationen haben Potenzial für die Versorgung
Position aus Saarland
Im deutschen Gesundheitswesen ist vieles historisch gewachsen. Das ist zwar nicht der alleinige Grund für den steigenden Druck im System, aber trägt sicher dazu bei. Innovationen können mehr Geschwindigkeit, Transparenz und andere Erleichterungen bringen, wovon letztlich alle profitieren. Dazu müssen Zugangswege vereinfacht und beschleunigt werden. Außerdem müssten diese Möglichkeiten wieder mehr als Chance wahrgenommen werden, erläutert Daniel Konrad, interimistischer Leiter der LV Saarland, in seinem Standpunkt.
Das deutsche Gesundheitswesen steht 2026 vor großen Herausforderungen. Neben den nötigen Reformen muss aber endlich auch das Potenzial von Innovationen, Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz ausgeschöpft werden. Ein stärkerer Fokus auf digitale Innovationen hat großes Potenzial für die Versicherten, die Leistungserbringer und das gesamte System!
Daniel Konrad
Potenzial der ePA noch nicht ausgeschöpft
Die elektronische Patientenakte (ePA) für alle, die vor etwas mehr als ein Jahr eingeführt wurde, ist ein Beispiel dafür. Bei der TK nutzen bereits 900.000 Versicherte aktiv ihre Akte. Die Akten müssen jetzt erstmal gefüllt werden, denn wenn darin relevante Informationen über längere Zeit zusammenlaufen, werden sie zur wertvollen Unterstützung für die Gesundheit. Das Gute ist: Auch ohne aktive Nutzung unterstützt sie die Versicherten. Alle Befunde, Laborergebnisse und Verordnungen laufen ein und können im Bedarfsfall abgerufen werden. Dadurch liegen Ärzten vollständige Informationen für die Behandlung vor. Dass die ePA in der Versorgung angekommen ist, zeigt aber noch eine andere Zahl. Rund 85 Prozent der Arztpraxen haben schon auf Akten zugegriffen. Die ePA wird ihrer Ursprungsidee also gerecht, die medizinischen Informationen eines Patienten oder einer Patientin an einem Ort zu speichern und so die Behandlung zu unterstützen. Das gesamte Potenzial ist aber noch lange nicht ausgeschöpft.
Chancen von KI besser nutzen
Auch die Chancen Künstlicher Intelligenz (KI) müssen endlich schneller und gezielter genutzt werden. Dass die Möglichkeiten riesig sind, zeigt auch saarländische Forschung. Beispiele dafür sind eine elektronische Nase, die Krankheiten an Botenstoffen erkennen kann, intelligente Implantate oder smarte Brillen bei Operationen. KI wird zu einer Art Co-Pilot für Ärztinnen und Ärzten, die bei Eingriffen, Diagnostik oder Therapie unterstützt. Das kann die Qualität und die Geschwindigkeit steigern sowie zu mehr Patientensicherheit beitragen.
Showpraxis zeigt, was heute schon möglich ist
Wie digitale Möglichkeiten schon heute in moderne Arztpraxen integriert werden können, zeigt die DEMO E-Health Showpraxis in Berlin. Unsere Kollegin Anne Kraemer hat sich diese mal genauer angesehen und erklärt auf WirTechniker , welche Vorteile Telefonassistenten, Self-Check-Ins und Anamnese-Assistenten für den Praxisalltag bieten.
Politik muss Beitrag leisten
Damit Innovationen zukünftig schneller im System gelangen, muss sich aber auch politisch einiges verändern. So müssen den Krankenkassen mehr vertragliche Freiheiten in der Zusammenarbeit mit Unternehmen und Startups eingeräumt werden. Darüber hinaus bräuchte aus unserer Sicht der Innovationsfonds neue Impulse . So sollten bürokratische Hürden abgebaut und das Instrument insgesamt flexibilisiert werden. Damit könnte schneller und besser auf Veränderungen während der Projektlaufzeit reagiert werden und Innovationen so praxistauglich in die Versorgung gelangen.