"Der TK-Vorschlag ist darauf angelegt, effizientere Abläufe und eine bessere Ressourcenverteilung zu erzielen"
Artikel aus Bremen
Zu oft ist das Design der Versorgungslandschaft, das wir als gegeben hinnehmen, ursächlich dafür, den Patientinnen und Patienten die Orientierung im Gesundheitssystem zu erschweren. Zu häufig folgen Behandlungspfade einer schlechten Organisation oder gar dem Zufallsprinzip. Um dem entgegenzutreten, haben wir als Techniker Krankenkasse (TK) den Ansatz einer standardisierten, digitalgestützten Ersteinschätzung des Behandlungsbedarfs entwickelt. Ein Kommentar von Sabrina Jacob, Leiterin der TK-Landesvertretung Bremen.
"Every system is perfectly designed to get the result it gets." (Dr. Paul Batalden, Professor für Health Policy und Clinical Practice, Dartmouth Institute). Diese Beobachtung von Dr. Paul Batalden lenkt die Aufmerksamkeit auf ein System, dessen Funktionalität unumgänglich mit seiner Ausgestaltung, seinem Design, verknüpft ist. Blicken wir auf die aktuelle Ausgestaltung des Zugangs zur Versorgung, befinden wir uns in einer Sackgasse, in einem System, das genau darauf ausgelegt ist, jene Ineffizienzen, Vergütungsanreize und Fehlsteuerungen zu erzeugen, die es nun einmal "by design" erzeugt.
Zu oft ist das Design der Versorgungslandschaft, das wir als gegeben hinnehmen, ursächlich dafür, den Patientinnen und Patienten die Orientierung im Gesundheitssystem zu erschweren. Zu häufig folgen Behandlungspfade einer schlechten Organisation oder gar dem Zufallsprinzip. Aber die Beobachtung Bataldens lädt ebenso dazu ein, die Entstehung der gegenwärtigen Situation zu reflektieren und eine mögliche Neugestaltung des Zugangs zur Versorgung zu entwerfen.
Zu oft ist das Design der Versorgungslandschaft, das wir als gegeben hinnehmen, ursächlich dafür, den Patientinnen und Patienten die Orientierung im Gesundheitssystem zu erschweren.
Sabrina Jacob
Als Techniker Krankenkasse haben wir den Ansatz einer standardisierten, digitalgestützten Ersteinschätzung des Behandlungsbedarfs entwickelt. Diese soll nach der Prämisse "digital vor ambulant vor stationär" erfolgen, bevor überhaupt ein Arzttermin vereinbart wird. Unser Ziel ist es, die Patientinnen und Patienten, orientiert am medizinischen Bedarf, schneller in die jeweils geeignete Versorgungsform zu leiten.
Ein neuer Zugangsweg mit einer zielgerichteten Steuerung
Bei leichten Fällen wie Erkältungskrankheiten könnte eine Empfehlung der Ersteinschätzung etwa sein, sich zunächst zu Hause zu schonen oder digitale Angebote wie telemedizinische Chats oder Krankenkassen-Apps zu nutzen. Wenn eine ärztliche Betreuung notwendig ist, wird über eine zentrale digitale Terminplattform ein zeitnaher Termin in einer Arztpraxis vermittelt. In der Regel werden das die Hausarztpraxen sein. Diese Ärztinnen und Ärzte übernehmen dann - wenn nötig - eine stärkere Steuerungsfunktion für die benötigte Weiterbehandlung. Bei akuten Notfällen erfolgt die direkte Empfehlung zum sofortigen Besuch eines Integrierten Notfallzentrums (INZ) oder zur Nutzung des Rettungsdienstes über das Ersteinschätzungstool.
Wenn eine ärztliche Betreuung notwendig ist, wird über eine zentrale digitale Terminplattform ein zeitnaher Termin in einer Arztpraxis vermittelt.
Viele Ärztinnen und Ärzte klagen zurecht, dass ihre Praxen überlaufen sind. Eine bessere Koordination der Patienten und Patientinnen zur Behandlung in der individuell passenden Versorgungsstufe und zur Vermeidung langer Wartezeiten ist daher in ihrem Interesse. Mit einem digitalgestützten Ersteinschätzungstool ließe sich dies erreichen. Inhaltlich muss das Tool von der Ärzteschaft entwickelt werden und unabhängig vom Einsatzort - ob per App oder am Praxistresen, am Telefon der 116 117 oder in der Notaufnahme - standardisiert ablaufen und für die gleichen Symptome die gleiche Antwort geben.
Dass sich hinsichtlich des Zugangs zur Versorgung dringend etwas bewegen muss und es zwingend notwendig ist, eine zielgenauere Steuerung der Patientinnen und Patienten zur Behandlung in der angemessenen Versorgungsstufe sicherzustellen, untermauern auch die Ergebnisse der aktuellen Forsa-Befragung zum "TK-Meinungspuls" . So gab ein Drittel der Menschen in den norddeutschen Bundesländern Bremen, Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern im Rahmen der Umfrage Anfang des Jahres an, nicht zufrieden mit dem Gesundheitssystem zu sein. Im Vergleich zur Befragung im Jahr 2021 hat sich die Unzufriedenheit mehr als vervierfacht. Zwei Drittel beklagten ferner die langen Wartezeiten auf Facharzttermine.
Mehrwerte für alle durch eine bessere Ressourcenverteilung
Der TK-Vorschlag ist systemisch darauf angelegt, effizientere Abläufe und eine bessere Ressourcenverteilung zu erzielen, wodurch bei gleichbleibenden Kosten die Versorgungsqualität gesteigert werden kann.
Für Patientinnen und Patienten sowie Ärztinnen und Ärzte bietet das strukturierte Ersteinschätzungsmodell deutliche Mehrwerte. Folgt man der Beobachtung von Dr. Paul Batalden und geht davon aus, dass jedes System perfekt dafür gemacht ist, genau die Resultate zu erzielen, die es nun mal erzielt, können wir sagen: Der TK-Vorschlag ist systemisch darauf angelegt, effizientere Abläufe und eine bessere Ressourcenverteilung zu erzielen, wodurch bei gleichbleibenden Kosten die Versorgungsqualität gesteigert werden kann. Es wird ein System entworfen, das darauf ausgelegt ist, den Zugang zur Versorgung für die Patientinnen und Patienten einfacher und transparenter zu gestalten. Die Informationen der Ersteinschätzung sowie die Überleitung in weiterführende Unterstützungsangebote bieten von Beginn an Klarheit über die weitere Steuerung durch die Versorgung.