Zur Sache: Tschüss, Herr Schäfer!
Interview aus Hamburg
Am 1. Oktober 2025 war es so weit: Nach fast 41 Jahren hat Klaus Schäfer, u.a. langjähriger Vorsitzender des Hamburger Hausärzteverbands und aktuell Ehrenvorsitzender, seine Hausarztpraxis in Langenhorn abgegeben. Schäfer, Jahrgang 1944, blickt auf eine lange Geschichte im Hamburger Gesundheitswesen zurück.
Im Interview mit ihm geht es um seine persönlichen Highlights, seine wichtigsten politischen Themen, aber auch um die Frage, ob er dem Gesundheitswesen nun wirklich gänzlich den Rücken kehren wird.
TK: Herr Schäfer: Nach 41 Jahren als Hausarzt in Langenhorn haben Sie zum 1. Oktober ihren Kittel endgültig an den Nagel gehängt. Nun räumen Sie zuhause Ihren Schreibtisch auf und sortieren Unterlagen aus Ihrem langen Berufsleben. Wie geht es Ihnen damit?
Klaus Schäfer: Darüber könnte ich Bücher schreiben! Das Aufräumen im Homeoffice ist sowohl physisch als auch psychisch eine Herausforderung. Aber ich bin froh, dass ein Papiercontainer vor dem Haus steht. Allerdings tut es einem schon weh, dass die Bücher, die man für sich einst für die Arbeit anschaffte, heute nichts mehr wert sind.
Maren Puttfarcken und Klaus Schäfer
TK: Kaum jemand in Hamburg kann auf eine so lange berufspolitische Vita zurückblicken wie Sie: 10 Jahre Vorsitz des Hausärzteverbands und zuvor 10 Jahre lang Stellvertretung; 12 Jahre lang waren Sie Vizepräsident der hiesigen Ärztekammer, Sie saßen in verschiedenen Gremien der KV Hamburg und waren 6 Jahre Mitglied im Landesvorstand des Marburger Bundes. Was waren Ihre persönlichen Highlights, vielleicht aber auch Tiefpunkte in dieser Zeit?
Schäfer: Zum Thema "persönliche Highlights" fällt mir die Notfallversorgung an der Asklepios Klinik Heidberg ein. In den 1990er Jahren haben wir mit dem damaligen Ärztlichen Direktor die Versorgung hausärztlicher Patienten neu gedacht und eine hausärztliche Notfallversorgung am Krankenhaus gegründet. Zwar mussten erst einige Widerstände überwunden werden, aber dann lief es und wurde zum Grundstein für die neue Zentrale Notaufnahme. Hier im Anfang mitgestaltet zu haben, das macht mich schon ein bisschen stolz. Dass diese funktionierende Einheit dann von der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg ohne unser Wissen an die KV Schleswig-Holstein abgetreten wurde, ist dann auf den dunkleren Seiten der Annalen zu verzeichnen.
Natürlich erinnere ich mich auch gern an die Treffen mit den Kollegen auf den Ärzte- und Hausärztetagen mit den Diskussionen über Medizin und Politik. Hierbei ist für mich besonders erinnerungswürdig, der internationale Hausärztetag in Bonn mit der Tagung im ehemaligen Bundestags-Plenarsaal. Ein wahrhaft historischer Tagungsort!
TK: Ein wichtiges Thema war für Sie immer die Anerkennung des Hausarztberufs als gleichwertig mit den Fachärzten. Deshalb haben Sie, als der "Facharzt für Allgemeinmedizin" eingeführt wurde, auch mit 60 Jahren noch eine komplette Facharztprüfung abgelegt - begonnen hatten Sie seinerzeit ja als "Praktischer Arzt". Was konnten Sie aus Ihrer Sicht erreichen?
Schäfer: Das ist schwer zu sagen, denn der Erfolg hat immer viele Väter, und ich war stets nur "primus inter pares". Beim Berufsverband ist es das Vorstandsteam mit einer hochengagierten Geschäftsführerin, das die Präsenz hausärztlicher Fragestellungen in den Medien und dadurch gewissermaßen auch die Anerkennung hausärztlicher Leistung verbessert hat.
Leider ist bei vielen noch immer nicht die Differenzierung zwischen Generalisten und Spezialisten angekommen. Inzwischen ist es ja schon seit mehreren Jahrzehnten so, dass ein Hausarzt immer ein Arzt mit durch Prüfung abgeschlossener Facharztweiterbildung ist. Es geht also um die Zusammenarbeit auf Augenhöhe, schließlich sind wir ja - siehe oben - jetzt selbst auch geprüfte Fachärztinnen und Fachärzte. Das immer wieder klarzustellen, bleibt auch in Zukunft eine wichtige Aufgabe - nicht zuletzt, weil es wichtig ist, den Beruf für die nachfolgende Generation attraktiv zu halten.
TK: Wenn Sie Ihren Schreibtisch aufgeräumt haben - werden Sie dem Gesundheitswesen wirklich komplett den Rücken zuwenden?
Schäfer: Den Rücken zuwenden, das ist schlichtweg nicht möglich. Die Leistungsfähigkeit des Systems hat ja auch für mich selbst Bedeutung - denn mit dem Alter kommen ja auch die Reparaturen. Aber auch sonst gehe ich nicht davon aus, dass es mir wie Max Raabe im Lied "Kein Schwein ruft mich an" gehen wird - dafür kennen zu viele Personen meine Telefonnummer oder E-Mail-Adresse und fragen nach dem "Müntefering". Das ist ja auch gut so.
Zudem habe ich genügend Hobbys, die bislang zurückgestellt werden mussten. Jetzt kann ich, als bekennender "Bewegungs-Fetischist", endlich meinen Club-Beitrag in geruderte Kilometer umsetzen und mich auch meinen Hobbys widmen.