Die ambulante Versorgung benötigt Rückenwind - zum Wohle der Patientinnen und Patienten, des medizinischen Personals und des gesamten Gesundheitssystems. Mit einer neuen Internetplattform soll dem Fachkräftemangel gezielt entgegengewirkt und positive Anreize gesetzt werden: Unter praxisstart-bremen.de beziehungsweise praxisstart-bremerhaven.de finden Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten Unterstützung rund um die Themen Niederlassung oder Anstellung in einer Praxis.

Die Website bündelt relevante Informationen zu Kassenzulassung, Weiterbildung und Förderprogrammen und zeigt konkrete Perspektiven in der Region auf. Über eine Beratungshotline haben Interessierte die Möglichkeit, direkt mit den relevanten Ansprechpartnerinnen und -partnern in Kontakt zu treten, die sie auf ihrem Weg unterstützen.

Hinter der Initiative steht ein breites Bündnis: Die Kassenärztliche Vereinigung Bremen, die gesetzlichen Krankenkassen, die Ärztekammer Bremen, die Psychotherapeutenkammer Bremen sowie Bremen und Bremerhaven sind entschlossen, die Versorgungsprobleme aktiv anzugehen. Die Partner wollen nicht nur informieren, sondern aktiv den Weg ebnen mit konkreten Förderprogrammen, individueller Beratung und einem klaren Bekenntnis zur Unterstützung junger Medizinerinnen und Mediziner sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.

Faire und transparente Regeln bei Ersteinschätzung und Terminvergabe

Um zu mehr Effizienz und Bedarfsgerechtigkeit in der ambulanten Versorgung zu gelangen, sind aus Sicht der Techniker Krankenkasse (TK) zudem neue Wege für den Zugang der Patientinnen und Patienten zur vertragsärztlichen Versorgung wie auch zur Koordination innerhalb der Regelversorgung notwendig. Wir fordern die Umsetzung eines Primärversorgungssystems nach dem Prinzip "Digital vor ambulant vor stationär" sowie die Etablierung einer verbindlichen Ersteinschätzung des Versorgungsbedarfs für neue Behandlungsanlässe, neben der Notfall- auch für die Regelversorgung, als neuen Standard. Das Ersteinschätzungsverfahren muss unabhängig vom Einsatzort - ob online, telefonisch über die 116 117, am Praxistresen oder im neu zu schaffenden Integrierten Notfallzentrum (INZ) - standardisiert ablaufen. Die Terminservicestellen steuern bereits heutzutage Termine auf der Basis einer strukturierten medizinischen Ersteinschätzung ("SmED"). Auf diesen Erfahrungen kann aufgebaut werden.

Wir befürworten überdies eine zentrale digitale Terminplattform als Konkretisierung des Sicherstellungsauftrags der KVen. Grundlage für die Terminvergabe muss stets die medizinische Dringlichkeit der Behandlung sein, die aus der Ersteinschätzung hervorgeht.

Schon heute gibt es ein zentrales bundeseinheitliches Terminsystem bei der KBV (gemäß § 370a SGB V), an das Ärztinnen und Ärzte freie Termine melden. Parallel gibt es diverse private Anbieter, die Termine aus den Praxisverwaltungssystemen auf ihren kommerziellen Terminplattformen anbieten. Hierzu zählen neben GKV-Terminen auch Privattermine. Diese Anbieter stehen jüngst in der Kritik, Termine nicht bedarfsgerecht und chancengleich anzubieten, sondern Privat- oder Selbstzahler-Leistungen zu bevorzugen. In diesem unregulierten, freien Terminmarkt fehlt es derzeit an einheitlichen Vorgaben oder Standards.

Für Patientinnen und Patienten sowie Ärztinnen und Ärzte bietet das Modell deutliche Mehrwerte. Auf systemischer Ebene führt der TK-Vorschlag zu effizienteren Abläufen und einer besseren Ressourcenverteilung, wodurch bei gleichbleibenden Kosten die Versorgungsqualität gesteigert werden kann. Für Patientinnen und Patienten gestaltet sich der Einstieg ins System einfacher und transparenter. Die Informationen der Ersteinschätzung sowie die Überleitung in weiterführende Unterstützungsangebote bieten Klarheit über die weitere Steuerung durch die Versorgung.

Starke Strukturen für eine zukunftsfeste ambulante Versorgung

Die neue Internetplattform für Bremen und Bremerhaven unterstützt gezielt Ärztinnen, Ärzte und Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten beim Einstieg in die Versorgung vor Ort, während ein Primärversorgungssystem mit einem verbindlichen Ersteinschätzungsverfahren und einer zentralen digitalen Terminvergabe, wie es die TK vorschlägt, zugleich sowohl für Patientinnen und Patienten als auch für Ärztinnen und Ärzte für mehr Fairness, Transparenz und Effizienz sorgt. Eine Zusammenführung der Aspekte der Fachkräftesicherung mit klaren Zugangsregeln und digitalen Lösungen stärkt die ambulante Versorgung, bietet Rückenwind für die Praxis und adressiert den Reformbedarf im System.