Die Facharztquote für Thüringer Krankenhäuser - seit fünf Jahren beschäftigt sie das Thüringer Gesundheitswesen. Es wurde um ihre Einführung gestritten. Dann gab es 2017 ein Übergangsjahr, damit Fragezeichen und Schwierigkeiten gelöst werden konnten. Danach war nicht klar, ob es die Rechtsverordnung nur auf dem Papier gibt oder ob sie auch Wirkung entfaltet. Welche Ausnahmen gibt es? Was passiert mit bestehenden Abteilungen, die die Quote nicht erfüllen? Wie wird die Quote zukünftig kontrolliert? Und in jüngster Vergangenheit wurde im Landtag heftig über ihre Abschaffung debattiert, statt sie als Element einer aktiveren, sektorenübergreifenden Versorgungsplanung zu nutzen.

Damit ist die Facharztquote zu einem guten Beispiel dafür geworden, wo die Fallstricke der Thüringer Krankenhaus- und Versorgungsplanung liegen.

Die Landesärztekammer Thüringen hat die Umsetzung der Quote von Anfang an fachlich unterstützt. Mit der Kammerpräsidentin Dr. med. Ellen Lundershausen haben wir über die aktuellen Entwicklungen und ihre Ideen für die Zukunft der Rechtsverordnung gesprochen.

Facharztquote

Gemeinsam mit dem 7. Thüringer Krankenhausplan trat zum 1. Januar 2017 die Thüringer Verordnung über Qualitäts- und Strukturanforderungen (ThürQSVO) in Kraft. In ihr ist unter anderem festgeschrieben, dass Fachabteilungen mit mindestens 5,5 Vollzeitstellen für Ärzte ausgestattet sein müssen. Drei dieser Stellen müssen auf Fachärzte der jeweiligen Fachrichtung entfallen. Die TK ist ausdrücklich für diese Verordnung.

TK: Was war Ihr letztes Erlebnis zum Thema Facharztquote?

Dr. Ellen Lundershausen: Das kann ich so nicht sagen - sicher der Vorschlag der CDU zur Abschaffung, den ich im Grunde nicht nachvollziehen konnte. Und dann werde ich durchaus auch von Kolleginnen und Kollegen diesbezüglich wiederholt angesprochen. Eines ist klar, diese Vorgabe ist für die Krankenhäuser sicher nicht immer einfach zu händeln. Da habe ich durchaus Verständnis. Andererseits dürfen sowohl bei der Patientensicherheit als auch bei der Sicherheit von uns Ärztinnen und Ärzten - die ist ja letztlich mit zu wenig Personal auch gefährdet - keine Abstriche gemacht werden.

Dr. Ellen Lunders­hausen

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Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen

TK: Den jüngsten Vorschlag der CDU-Fraktion in Thüringen haben Sie ja schon angesprochen. Zentrales Argument für die Abschaffung der Facharztquote war: Die starre Personalvorgabe durchkreuze die Ergebnisqualität und führe zu einer zunehmenden Überregulierung durch die Nachweis und Dokumentationspflicht. Wie stehen Sie dazu? 

Lundershausen: Die Landesärztekammer Thüringen ist vom Antrag der CDU an den Thüringer Landtag beziehungsweise vom Gesetzesentwurf zur Abschaffung der Personaluntergrenzen mehr als überrascht. Bekanntlich hat die Landesärztekammer das Thüringer Gesundheitsministerium bei der Umsetzung der Thüringer Verordnung über Qualitäts- und Strukturanforderungen (ThürQSVO) fachlich unterstützt. Konkret haben wir das Ministerium zu möglichen Ausnahmegenehmigungen bei der Personaluntergrenze für Ärztinnen und Ärzte in Krankenhäusern beraten. Dadurch erhielten wir einen Einblick in die Personalsituation verschiedener Krankenhausabteilungen, die teilweise eine qualitätsgerechte Versorgung nicht mehr in vollem Umfang ermöglicht. Darüber hinaus lehnen alle medizinischen Fachgesellschaften mit Blick auf die Patientensicherheit eine Unterschreitung der Mindestvorgaben und Mindestfacharztquoten, wie sie in Thüringen festgelegt sind, ab. Unabhängig davon sind ja auch schon jetzt Unterschreitungen der Mindestvorgaben in sehr kleinen Abteilungen zulässig.

Alle medizinischen Fachgesellschaften lehnen mit Blick auf die Patientensicherheit eine Unterschreitung der Mindestvorgaben für Krankenhauspersonal und Mindestfacharztquoten ab. Dr. Ellen Lundershausen

TK: Welchen Weg oder welche Wege gibt es aus Ihrer Sicht, die Quote konstruktiv zu nutzen? 

Lundershausen: Wir meinen, dass eine sinnhafte Weiterentwicklung der ThürQSVO einen größeren Erfolg für die Qualität der stationären ärztlichen Versorgung aufweisen wird als zum Beispiel der Wechsel auf die planungsrelevanten Qualitätsindikatoren (Plan. QI) des Gemeinsamen Bundesausschusses. Über die Plan. QI die Ergebnisqualität zu ermitteln, ist sehr komplex. Sie eignen sich hervorragend, um Krankenhäuser durch den strukturierten Dialog zu begleiten oder um Sanktionsmaßnahmen zu finden. Als Kriterium der Krankenhausplanung nach dem Krankenhausgesetz sind sie jedoch unserer Auffassung nach nicht ansatzweise so geeignet wie zum Beispiel eine Strukturqualität der Personaluntergrenzen. Wir halten es deshalb für sinnvoll, die bisherigen Instrumente der ThürQSVO gemeinsam mit allen Beteiligten weiterzuentwickeln, und bieten einen Dialog zu diesen Fragen an. 
 

Zur Person

Dr. med. Ellen Lundershausen ist seit Juni 2015 Präsidentin der Landesärztekammer Thüringen. Im Jahr 2019 wurde sie erneut als Kammerpräsidentin und neu zur Vizepräsidentin der Bundesärztekammer gewählt. Dr. Lundershausen praktiziert als Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde in einer Gemeinschaftspraxis in Erfurt.