Für sieben komplizierte Operationen gelten deutschlandweit Mindestmengen. Das bedeutet: Krankenhäuser müssen bestimmte Fallzahlen erreichen, damit sie die Eingriffe durchführen dürfen. 40 Prozent der Thüringer Kliniken, also 14 der 35 Einrichtungen im Freistaat, erreichen eine oder mehrere dieser Mindestmengen nicht. 
Dies geht aus einer Analyse der Weissen Liste der Bertelsmann-Stiftung und des wissenschaftsjournalistischen Dienstes Science Media Center hervor. Ausgewertet wurden die aktuellsten Qualitätsberichte aller Krankenhäuser in Deutschland aus dem Jahr 2017. 

132 Operationen unterhalb der Mindestmenge

Im Jahr 2017 wurden in Thüringen 132 Eingriffe unterhalb der Mindestmenge erbracht, das entspricht 2,4 Prozent aller Eingriffe im Freistaat. Das mag wenig klingen, allerdings sind die Patienten deutlich höheren Risiken ausgesetzt, wenn die vorgeschriebene Routine bei komplexen Operationen fehlt. "Viele Anbieter für bestimmte Operationen bedeuten niedrige Fallzahlen an den einzelnen Standorten. Ausreichend Erfahrung zu sammeln fällt dann schwerer, als wenn die Eingriffe auf wenige hoch qualifizierte Kliniken konzentriert sind", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen. 

Neues Verfahren ab Juni in Kraft

Ab Juni 2019 gilt eine Überarbeitung der Mindestmengenregelung, die Vorgaben sollen besser durchsetzbar werden. Deutsche Kliniken müssen nach einem neuen Verfahren via Software-Modul darlegen, ob sie die geforderten Mengen einhalten. Zudem ist es zukünftig leichter, neue Mindestmengen-Bereiche festzulegen, wenn es wissenschaftliche Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Fallzahl und Ergebnisqualität gibt.
"Das neue Verfahren wird zu mehr Transparenz und tatsächlichen Konsequenzen führen. Notwendig sind aber auch eine Ausweitung der Indikationen und die Übernahme als krankenhausplanerisches Steuerungselement durch das Land", sagt Guido Dressel, Leiter der TK-Landesvertretung Thüringen. 

Hintergrund 

Die Mindestmengenregelung trat erstmals 2004 in Kraft und gilt derzeit für sieben Bereiche. Dazu zählt der Einsatz von künstlichen Kniegelenken (50 Fälle/Jahr) sowie komplexe Eingriffe an der Speiseröhre und an der Bauchspeicheldrüse (je 10 Fälle/Jahr). Außerdem gelten Mindestmengen für die Transplantation von Stammzellen (25 Fälle/Jahr), Leber (20 Fälle/Jahr) und Nieren (25 Fälle/Jahr). Zudem ist festgelegt, dass für die Versorgung von Frühgeborenen mit einem Geburtsgewicht unter 1.250 Gramm 14 Fälle/Jahr nachzuweisen sind.