Die Personalsituation in der Kranken- und Altenpflege ist angespannt. Die Pflege zu stärken und einen Pflegenotstand abzuwenden, gehören zu den wichtigsten Aufgaben in der Zukunft. Dazu setzt die Regierung auf eine bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf. Des Weiteren sollen die gesetzlichen Krankenkassen stärker in die Finanzierung eingebunden und digitale Lösungen zur Entlastung im Pflegealltag etabliert werden. Die durchschnittliche Verweildauer einer ausgebildeten Kraft liegt zwischen 8,4 Jahren (Altenpflege) und 13,7 Jahren (Krankenpflege). Zudem übt rund die Hälfte aller Pflegekräfte in Krankenhäusern ihren Beruf nur in Teilzeit aus.

Attraktivität der Pflege stärken - Pflegekräfte zurückgewinnen

Neben der besseren Vergütung bietet eine höhere Attraktivität des Pflegeberufs große Chancen für das Gewinnen von mehr Personal. Dazu müssen der in der täglichen Arbeit empfundenen Arbeitsverdichtung und der Qualitätsverschlechterung entgegengewirkt werden. Beschäftigte sollen länger in ihrem Beruf arbeiten können, weniger in Teilzeit arbeiten müssen und die Möglichkeit haben, einfacher wieder in ihren früheren Beruf zurückzukehren. All dies erfordert eine gesamtgesellschaftliche Anstrengung. Für einen Masterplan Pflegeberufe müssen Bund, Länder und Kommunen, aber auch öffentliche und private Kostenträger sowie die Leistungserbringer eingebunden werden - ebenso die Tarifpartner. Sie alle müssen gemeinsam handeln, um eine höhere Lohnspreizung, mehr Anreize zur Weiterbildung, attraktive Rückkehrangebote in die Pflege sowie mehr Karrierewege und eine altersgerechte Arbeitsorganisation zu schaffen.

Zwei Seiten einer Medaille - Finanzierung der Pflege

13.000 neue Pflegestellen sollen mit dem Pflegepersonalstärkungsgesetz geschaffen werden. Und das vollständig finanziert durch die gesetzliche Krankenversicherung. Mit der Finanzierung zusätzlicher Pflegestellen muss jedoch sichergestellt sein, dass die finanzierte Pflege auch bei den Patienten ankommt und die Verwendung der Mittel transparent gestaltet wird.

Digitale Lösungen zur Entlastung der Pflege

Neben den beruflich Pflegenden dürfen die pflegenden Angehörigen nicht aus dem Blick geraten. Im Alter wollen viele Menschen möglichst lange und möglichst selbstbestimmt in den eigenen vier Wänden leben und zu Hause gepflegt werden. Für über 70 Prozent der Pflegebedürftigen ist die Pflege durch Angehörige zu Hause Realität. Die Digitalisierung birgt das Potenzial, die Autonomie im eigenen Heim zu unterstützen. So können beispielsweise smarte Technologien ("Smart Home") für Sicherheit bei Pflegebedürftigen und deren Angehörigen sorgen. Leider werden solche Smart-Home-Lösungen derzeit nicht im Leistungskatalog der Pflegversicherung berücksichtigt. Der Leistungskatalog der Pflegeversicherung sollte deshalb entsprechend erweitert werden. Die Leistungen für "wohnumfeldverbessernde Maßnahmen" sollten im Bereich der technischen Hilfen im Haushalt auch für technische Assistenz- und Überwachungssysteme eingesetzt werden dürfen.