Die Gleichung geht auf. Das belegen zum einen wissenschaftliche Langzeitstudien. Zum anderen sprechen die guten Praxiserfahrungen und positiven Rückmeldungen der Teilnehmer für das Programm. Deshalb wurde das in Thüringen gestartete Programm nach drei erfolgreichen Jahren auf ganz Deutschland ausgeweitet. 

293 Thüringer Pädagogen geschult

Seit August 2015 haben sich 293 Thüringer Lehrer und andere Pädagogen, beispielsweise Sozialarbeiter, schulen lassen, um IPSY mithilfe eines Manuals in ihren fünften bis siebten Klassen zu unterrichten. 175 Sekundarschulen in ganz Thüringen wurden damit erreicht.

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Die Thüringenkarte zeigt, an welchen Orten IPSY-trainierte Personen tätig sind. Graue Punkte markieren Orte, an denen eine Schule teilgenommen hat. Grüne Punkte stehen für zwei oder drei Schulen, die vor Ort am Training teilgenommen haben, blauen Punkte hingegen weisen auf vier oder mehr teilnehmende Schulen hin.

Interessant für alle Schulformen

"Wir hatten Teilnehmer aus allen Schulformen - Regelschulen, Gymnasien, Gemeinschafts- und Gesamtschulen und auch aus einem Förderzentrum. Die geografische Verteilung der entsendeten Personen zeigt zudem, dass IPSY auch tatsächlich im ganzen Freistaat angenommen wurde und nicht an der typischen Jena-Weimar-Erfurt-Achse blieb. Das ist ein schöner Erfolg", sagt Prof. Dr. Karina Weichold. Die Jenaer Psychologin hat das Programm mit ihrem Team an der Friedrich-Schiller-Universität Jena entwickelt.

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Von links nach rechts: Christiane Haun-Anderle (TK), Dr. Anja Blumenthal (FSU Jena) und IPSY-Projektsleiterin Prof. Dr. Karina Weichold (Foto: Anne Günther/FSU Jena)

Ein weiterer Erfolg sei, dass die Trainings in den drei Jahren so verbessert werden konnten, dass nun fast 100 Prozent der Teilnehmer das Programm weiterempfehlen würden.

Von Thüringen für ganz Deutschland

Nach den positiven Erfahrungen in Thüringen haben Karina Weichold und ihr Team begonnen, IPSY allen Schulen mit Klassenstufen fünf bis sieben im gesamten Bundesgebiet zur Verfügung zu stellen.

Seit März 2018 können sich Pädagogen bundesweit für Schulungen anmelden. Das erste Training fand im Juni 2018 in Trier statt. Seitdem wurden 130 Pädagogen aus anderen Bundesländern geschult.  Die TK ist weiter Gesundheitspartner und unterstützt das Projekt bis ins Jahr 2022 mit insgesamt 750.000 Euro.

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Die Erweiterung auf das gesamte Bundesgebiet stößt auf großes Interesse: An neun Orten (blaue Punkte) außerhalb Thüringens fanden Trainingsworkshops statt bzw. sind geplant, an weiteren zehn Orten (graue Punkte) existieren Kontakte zu Interessierten. 

Suchtprävention durch Stärkung der Persönlichkeit

Eine Besonderheit von IPSY erklärt Weichold so: "Mit unserem primärpräventiven Programm setzen wir bei Schülern an, noch bevor sie anfangen zu rauchen und Alkohol zu trinken beziehungsweise bevor sich Konsummuster verfestigen."

Dabei geht es ihnen nicht nur darum, explizit vor Drogen zu warnen. "Wir gehen an die eigentlichen Ursachen für Drogenkonsum, die Aufklärungsprogramme oftmals höchstens am Rande behandeln. Jugendliche geraten meist in Abhängigkeit, weil sie sich erhoffen, mit Rauschmitteln unter Freunden Anerkennung und sozialen Status zu erlangen oder typische Probleme ihrer Lebensphasen zu lösen."

Mit IPSY können Lehrer ihren Schülern zum Beispiel helfen, selbstsicherer zu werden, informierte Entscheidungen zu treffen und ihre Kommunikationsfähigkeit zu stärken. "Das ist das Rüstzeug, das sie brauchen, um einfach "Nein" zu Drogen zu sagen und auch sonst gefestigter durchs Leben zu gehen", sagt Weichold.

"Ein positiver Nebeneffekt: Fast alle Teilnehmer haben viel Spaß und berichten von einem langfristig besseren Klima in der Klasse."

Aus der Wissenschaft in die Praxis - das Erfolgsrezept

Gesichert und verstärkt wird die Wirkung durch den langfristigen Aufbau des Programms. Nach den ersten und intensivsten Unterrichtseinheiten in Klassenstufe fünf gibt es Auffrischungen und Übungen in den Klassen sechs und sieben. Dieses Festigen der Inhalte ist eines der in der Forschung anerkannten Qualitätsmerkmale für Prävention.

Mit IPSY ist den Jenaer Wissenschaftlern ein eher seltener Schritt gelungen: Ein über Jahre wissenschaftlich entwickeltes und evaluiertes Projekt wurde allgemeinverständlich und für die Praxis anwendbar aufbereitet und wird nun systematisch verbreitet.

"Lehrer, die das Projekt in ihre Klassen bringen, müssen nicht mehr hoffen, dass sie damit etwas erreichen. Denn wir wissen einfach, dass es wirkt. Der zeitliche Aufwand zahlt sich somit aus, was weiter motiviert", sagt Weichold. "Für uns Wissenschaftler ist es toll, dass die breite Allgemeinheit so von unserer Arbeit profitieren kann."

Darüber hinaus können die Methoden, mit Stress und belastenden Situationen umzugehen, den jungen Menschen auch später helfen, beispielsweise im Studium oder im Berufsleben.

IPSY Flyer

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