Bremen, 15. Januar 2026. Die deutschen Arzneimittelpreise sind im Vergleich zu anderen Ländern zu hoch. Das zeigt eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK). So besteht allein im Land Bremen bei den 30 umsatzstärksten Medikamenten ein jährliches Einsparpotenzial von rund 25 Millionen Euro an Arzneimittelausgaben für die gesetzliche Krankenversicherung (GKV). Heben lässt sich dieses Potenzial durch eine Angleichung an das internationale Preisniveau.

"Eine gute Versorgung braucht sichere und wirksame Medikamente. Im internationalen Vergleich sind die deutschen Arzneimittelpreise allerdings zu hoch. Im Vergleich zu anderen Industriestaaten wie Japan, Südkorea oder Norwegen zahlen wir viel mehr für dieselben Medikamente", sagt Sabrina Jacob, Leiterin der TK-Landesvertretung Bremen. Der Gesetzgeber sei gefragt, insbesondere bei patentgeschützten Arzneimitteln Ausgabensenkungen in den Blick zu nehmen, so Jacob weiter. "Am Ende geht es bei den dringend notwendigen Einsparungen im Bereich der Arzneimittel um eine finanzielle Entlastung für die Mitglieder und Arbeitgeber, die die Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung tragen."

Kostentreiber patentgeschützte Arzneimittel

Bei patentgeschützten Arzneimitteln handelt es sich um Medikamente, für die ein Unternehmen zeitlich begrenzte exklusive Rechte auf Herstellung und Verkauf besitzt. Solange das Patent gilt, gibt es keinen Wettbewerb. Dies treibt die Preise oft deutlich nach oben.

Mit mehr als 55 Milliarden Euro bundesweit erreichten die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen für Arzneimittel 2024 einen Rekordwert. Bei einem Anteil von knapp sieben Prozent der abgegebenen Packungen verursachen die patentgeschützten Arzneimittel fast 54 Prozent der Ausgaben. Ein Beispiel ist das neue Demenz-Therapeutikum Leqembi® mit Jahrestherapiekosten von über 40.000 Euro.

Arzneimittelausgaben senken - mit wirksamen Maßnahmen

Drei Maßnahmen können die GKV bereits kurzfristig um bis zu elf Milliarden Euro entlasten: Ein Absenken der Umsatzsteuer auf Arzneimittel von 19 auf sieben Prozent bietet ein Einsparpotenzial von bis zu sieben Milliarden Euro. Die Erhöhung des Herstellerabschlags für patentgeschützte Arzneimittel auf 17 Prozent könnte bis zu drei Milliarden Euro jährlich einbringen. Eine Milliarde Euro ließe sich durch die Einführung von sogenannten Arzneimittel-Fokuslisten einsparen. Diese Fokuslisten würden es den Krankenkassen ermöglichen, unter (pharmakologisch)-therapeutisch vergleichbaren Arzneimitteln eine wirtschaftliche Auswahl zu treffen.

Hinweis für die Redaktion

Für die vorliegende Betrachtung hat die TK die Arzneimittel-Abgabemengen für das Jahr 2024 aus TK-Daten ausgewertet und auf GKV-Niveau hochgerechnet. Die internationalen Herstellerabgabepreise wurden mit der Preisdatenbank NAVLIN ermittelt (Preisstand: 1. Juli 2024) und nach deutscher Arzneimittelpreisverordnung auf den Apothekenverkaufspreis (AVP) umgerechnet, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Die Einsparpotenziale ergeben sich als Differenz zwischen den Ausgaben mit deutschem AVP und international günstigstem AVP.

Die Einsparpotenziale pro Bundesland wurden proportional zu den Abgabemengen im jeweiligen Bundesland bestimmt.

Weitere Informationen zum Thema Arzneimittelausgaben und Vorschläge für kostensparende Maßnahmen hat die TK in einem Factsheet Arzneimittelausgaben (PDF, 272 kB) zusammengefasst.