Berlin, 14. Januar 2026. Die besonders hohen Medikamentenpreise in Deutschland belasten die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) und ihre Beitragszahlenden weit über Gebühr. Durch eine Angleichung der Preise der 30 umsatzstärksten Medikamente an das internationale Preisniveau könnten allein in Berlin rund 363 Millionen Euro gespart werden. Das ergibt eine aktuelle Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK).

Danach sind einzelne Medikamente in anderen Ländern wie Norwegen, Südkorea oder Japan viel günstiger, im Einzelfall um bis zu 76 Prozent.

Einen positiven Effekt auf den Produktionsstandort Deutschland haben die hohen Preise offenbar nicht. Trotz der hohen Arzneimittelausgaben von 721 Euro pro Kopf und Jahr erwirtschaftet die Pharmaindustrie in Deutschland nur 0,8 Prozent der gesamten nationalen Bruttowertschöpfung (BWS). Zum Vergleich: In Dänemark stehen Pro-Kopf-Ausgaben von 266 Euro einem BWS-Anteil von 4,9 Prozent gegenüber.

Die TK fordert vom Gesetzgeber daher drei schnell wirksame Maßnahmen, um die Arzneimittelausgaben zu senken und die GKV in Deutschland so jährlich um bis zu elf Milliarden Euro entlasten:

1.    Absenkung der Umsatzsteuer auf Arzneimittel von derzeit 19 Prozent auf den ermäßigten Satz von sieben Prozent. Mögliche Ersparnis: sieben Milliarden Euro im Jahr.
2.    Erhöhung des Herstellerabschlags für Patentarzneimittel von sieben auf 17 Prozent. Mögliche Ersparnis: drei Milliarden Euro im Jahr.
3.    Einführung von Arzneimittel-Fokuslisten. Mögliche Ersparnis: eine Milliarde Euro.

Weitere Information zu diesen Vorschlägen finden Sie hier. 

Facts­heet Arznei­mit­tel­aus­gaben

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Grafiken, unter anderem zum BWS, gibt es hier:

Hinweis für die Redaktion

Für die vorliegende Betrachtung hat die TK die Arzneimittel-Abgabemengen für das Jahr 2024 aus TK-Daten ausgewertet und auf GKV-Niveau hochgerechnet. 
Die internationalen Herstellerabgabepreise wurden mit der Preisdatenbank NAVLIN ermittelt (Preisstand: 1. Juli 2024) und nach deutscher Arzneimittelpreisverordnung auf den Apothekenverkaufspreis (AVP) umgerechnet, um eine Vergleichbarkeit herzustellen. Die Einsparpotenziale ergeben sich als Differenz zwischen den Ausgaben mit deutschem AVP und international günstigstem AVP.
Die Einsparpotenziale pro Bundesland wurden proportional zu den Abgabemengen im jeweiligen Bundesland bestimmt.