In der Gesundheitspolitik steht die neue Landesregierung in Rheinland-Pfalz vor einer großen Herausforderung: Angesichts soziodemografischer Entwicklungen sowie zunehmend knapper personeller und finanzieller Ressourcen, muss sie jetzt die richtigen Weichen für eine zukunftsfeste Gesundheitsversorgung im Land stellen. Aus Sicht der Techniker Krankenkasse (TK) sind für diese Erfolgsformel insbesondere drei Themen prioritär anzugehen: die konsequente Umsetzung der Krankenhausreform, eine mutige und bedarfsorientiere Weiterentwicklung der Versorgungsstrukturen sowie ein stärkerer Einsatz digitaler Lösungen im Gesundheitswesen.

Jörn Simon

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Leiter der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz

 

Richtiges Duo: Bekenntnis zur Krankenhausreform und Erhöhung der Investitionen

Ein erster entscheidender Schritt ist das klare und richtige Bekenntnis der Landesregierung zur Umsetzung der Krankenhausreform des Bundes, wie es im Koalitionsvertrag vermerkt ist. Damit die stationäre Versorgung der Menschen im Land auch künftig auf hohem Niveau sichergestellt ist und die Kliniken wirtschaftlich arbeiten können, braucht es eine klare Orientierung am tatsächlichen Bedarf, Qualitätskriterien und Spezialisierung.

Dass die Landesregierung die Investitionsförderung für die Krankenhäuser erhöhen und zugleich eine Anhebung der pauschalen Investitionsförderung prüft, entspricht einer langjährigen Forderung der TK und ist ausdrücklich zu begrüßen. Bislang liegt die Investitionsquote des Landes lediglich bei 2,6 Prozent und damit weit unter dem von Expertinnen und Experten geforderten Mindestniveau von acht Prozent.

Um die medizinische Grundversorgung flächendeckend sicherzustellen, kann das Modell der so genannten "Regio-Klinik" sinnvoll sein. Zukunftsfähig ist ein solches Modell allerdings nur dann, wenn es sich konsequent am tatsächlichen Bedarf vor Ort orientiert und sektorenübergreifend organisiert wird. Regio-Kliniken dürfen jedoch nicht zu einer Umgehungsstrategie werden, indem überholte Strukturen unter einem neuen Etikett erhalten werden oder gar zusätzliche Kapazitäten in überversorgten Räumen geschaffen werden. Ein "Rebranding" ist schließlich noch keine Reform.

Intelligente Steuerung zentral - auch bei der Notfallreform

Wie wichtig bessere Vernetzung und intelligente Steuerung sind, zeigt sich besonders deutlich in einem zweiten wichtigen Reformfeld: der Notfallversorgung. Auch hier muss die Umsetzung des Bundesvorhabens schnell erfolgen.

Jetzt kommt es darauf an, im Land bedarfsgerecht integrierte Notfallzentren (INZ) aufzubauen. Durch eine bessere Verzahnung der Rettungsleitstellen (112) und des ärztlichen Bereitschaftsdienstes (116117) sowie einer systematischen Ersteinschätzung können Patientinnen und Patienten entsprechend ihres Bedarfs schneller und passgenau an die richtige Stelle in der Versorgung weitergeleitet werden. Außerdem sollen bessere Standards beim Rettungsdienst gelten. Die Reform organisiert die Notfallversorgung für Hilfesuchende neu, entlastet die Notaufnahmen, reduziert Fehleinsätze und stärkt das Personal.

Klar ist dabei auch: Eine stärkere Steuerung der Patientenströme wird künftig insgesamt unverzichtbar sein. Starre Modelle, bei denen der Zugang zur Versorgung grundsätzlich zunächst über die Hausarztpraxis erfolgen soll, sieht die TK allerdings kritisch. Ein solcher Ansatz birgt das Risiko neuer Engpässe und noch höherer Arbeitslast. Stattdessen braucht es eine flexible, intelligente und möglichst digital unterstützte Führung, die Patientinnen und Patienten abhängig von ihrem individuellen Bedarf gezielt in die passende Behandlung lenkt.

Digitalisierung als Chance nutzen - ePA als Herzstück

Ein dritter zentraler Baustein der Erfolgsformel ist die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Gerade in einem Flächenland wie Rheinland-Pfalz bieten digitale Lösungen große Chancen, Versorgung moderner, effizienter und patientenorientierter zu gestalten. Bereits heute zeigen telemedizinische und -notärztliche Konzepte, welches Potential die Digitalisierung bietet, wenn es etwa darum geht, medizinische Expertise schnell verfügbar zu machen. Entscheidend wird künftig sein, die elektronische Patientenakte (ePA) als Herzstück einer modernen und optimal koordinierten Gesundheitsversorgung zu etablieren und Informationen sicher und sektorenübergreifend bereitzu- stellen.

Summa summarum enthält der Koalitionsvertrag viele richtige Hebel, um die Gesundheitsversorgung in Rheinland-Pfalz zukunftsfest weiterzuentwickeln. Jetzt kommt es darauf an, aus ihnen eine echte Erfolgsformel für eine moderne, verlässliche und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung zu machen, die sich konsequent am tatsächlichen Bedarf der Menschen orientiert.