Mainz, 14. April 2026. Nachdem CDU und SPD in Rheinland-Pfalz die Sondierungsgespräche erfolgreich abgeschlossen haben, stehen nun die Koalitionsverhandlungen bevor. Der rheinland-pfälzische Landeschef der Techniker Krankenkasse (TK), Jörn Simon, nimmt dies zum Anlass, an die Verhandlungsführer zu appellieren: "Jetzt gilt es, den Neustart zu nutzen und entschlossen die Weichen für eine zukunftsorientierte Gesundheitsversorgung im Land so zu stellen, dass medizinische Daseinsvorsorge flächendeckend für alle Menschen in Rheinland-Pfalz auf hohem Niveau gewährleistet ist."

TK-Landeschef sieht drei zentrale Handlungsfelder als prioritär an

Nach Einschätzung Simons gibt es dabei mehrere Herausforderungen. Aktuell sieht er jedoch drei zentrale Handlungsfelder als prioritär an. "Gerade vor dem Hintergrund der wirtschaftlich angespannten Lage vieler Kliniken in Rheinland-Pfalz, kommt es jetzt darauf an, die Krankenhausplanung konsequent am tatsächlichen Bedarf auszurichten und qualitätsorientierte Versorgungsschwerpunkte zu entwickeln."

Selbstverständlich müsse eine medizinische Grundversorgung flächendeckend gesichert sein. Allerdings sollten komplexe planbare Eingriffe, etwa in Bereichen der Onkologie und Endoprothetik, in Einrichtungen erfolgen, welche über die entsprechende Ausstattung und Erfahrung verfügen und somit nachweislich eine adäquate Behandlungsqualität gewährleisten können.

Simon ist überzeugt: "Entscheidend für den Erfolg ist gerade bei der Modernisierung der stationären Versorgung im Land, dass man sich konsequent am medizinischen Versorgungsbedarf und nicht an lokalpolitischen Einzelinteressen orientiert."

Chancen der Digitalisierung müssen stärker genutzt werden

Angesichts des demografischen Wandels bei zunehmend knappen personellen und finanziellen Ressourcen sollten die Chancen der Digitalisierung nach Ansicht des Landeschefs stärker genutzt werden.

Entlang des Prinzips ‚digital, vor ambulant, vor stationär‘ können Versorgungsstrukturen spürbar entlastet werden. Idealerweise erfolgt der Zugang über eine digitale Ersteinschätzung, die Patientinnen und Patienten gezielt in die für sie passende Versorgungsebene lenkt - sei es zu niedrigschwelligen Online-Angeboten, in eine Videosprechstunde mit qualifiziertem medizinischem Personal, eine gezielte Weiterleitung in die ambulante Versorgung, etwa Haus- oder Facharztpraxis oder in eine stationäre Einrichtung.  

Gerade für Rheinland-Pfalz ist Reform der Notfallversorgung zentral

Eine stärkere Versorgungssteuerung würde zudem dazu beitragen, die Strukturen der Notfallversorgung im Land maßgeblich zu entlasten. Für eine gute Krankenhausversorgung brauche es deutschlandweit einheitliche Qualitätsstandards und eine bessere Verzahnung der Versorgungsstrukturen, so Simon. Die Landespolitik wird dann vor der Herausforderung stehen, diese Notfallreform im Land konsequent auszugestalten. "Im Sondierungspapier heißt es noch vage, dass ein "flächendeckender Rettungsdienst" sichergestellt werden soll. Die Digitalisierung bietet hierfür auch großes Potential, beispielsweise beim Ausbau der telenotärztlichen Versorgung. Rheinland-Pfalz ist hier auch bereits ein gutes Stück vorangekommen, aber es geht um sehr viel mehr", betont TK-Landesvertretungsleiter Simon: "Das Land muss bei der Krankenhausplanung konsequent die Qualität der Versorgung in den Blick nehmen und darf die im Rahmen der Krankenhausreform geschaffenen neuen Qualitätsvorgaben nicht durch Ausnahmeregelungen außer Kraft setzen. Das Land ist hier gefordert, seine Verantwortung aktiv wahrzunehmen und die medizinische Versorgung aktiv zu gestalten." 

Hinweis an die Redaktion

Unter nachfolgendem Link finden Sie vertiefende Ausführungen zu der Frage, was das rheinland-pfälzische Gesundheitssystem braucht, um zukunftsfähig zu bleiben: Positionen der TK-Landesvertretung Rheinland-Pfalz (PDF, 115 kB)