Was braucht das rheinland-pfälzische Gesundheitssystem, um zukunftsfähig zu bleiben?
Position aus Rheinland-Pfalz
Am 22. März 2026 wird ein neuer Landtag gewählt. Gesundheitspolitik ist für die Menschen in Rheinland-Pfalz dabei ein Top-Thema. Dies zeigt eine aktuelle Forsa-Umfrage, die von derTechniker Krankenkasse (TK) in Auftrag gegeben wurde.
Die neue Landesregierung wird vor erheblichen gesundheitspolitischen Herausforderungen stehen: Die Krankenhauslandschaft muss bedarfsgerecht strukturiert werden, Versicherte klagen über lange Wartezeiten im ambulanten Bereich. Mut zur Veränderung ist nötig, um das Gesundheitssystem in Rheinland-Pfalz zukunftssicher aufzustellen.
Klinikreform konsequent umsetzen - Qualität sichern, Versorgung gewährleisten
In Rheinland-Pfalz ist ein Wandel der historisch gewachsenen Krankenhauslandschaft dringend notwendig, um langfristig eine qualitativ hochwertige Versorgung für alle Regionen des Flächenlandes zu gewährleisten.
Mehr Qualität durch Spezialisierung und Schwerpunktbildung
• Maßstab muss der tatsächliche Bedarf der Patientinnen und Patienten sein.
• Anspruchsvolle Operationen sollten ausschließlich in Kliniken durchgeführt werden, die über eine adäquate Ausstattung und Erfahrung verfügen.
Ambulantisierung als Chance
• Konsequente Ambulantisierung um Gesundheitsversorgung effizienter, patientenzentrierter und zukunftsfähiger zu gestalten.
Mehr Steuerung und Koordination zur Verbesserung der Versorgung
Um das System zu entlasten und effizienter zu gestalten, müssen Patientinnen und Patienten orientiert am medizinischen Bedarf zukünftig schneller in die richtige Versorgungsebene gesteuert werden. Hierfür sollte eine standardisierte möglichst digitale Ersteinschätzung des Behandlungsbedarfs verpflichtend eingeführt werden.
Digital vor ambulant vor stationär
• Es braucht ein Ersteinschätzungsinstrument, durch das Patientinnen und Patienten eine standardisierte Behandlungsempfehlung mit Dringlichkeitsstufe erhalten.
• Je nach Bedarf Weiterleitung in hausärztliche oder fachärztliche Versorgung, in ein integriertes Notfallzentrum oder in ein digital gestütztes Selbstmanagement beziehungsweise zu nicht ärztlichen Fachkräften.
Effizienzoffensive im Notfall- und Rettungsdienst
Die Notfallversorgung in Rheinland-Pfalz steht angesichts des demografischen Wandels, des Personalmangels, mangelnder Facharzttermine und diverser Standortschließungen zunehmend unter Druck. Bislang ist der Rettungsdienst in Deutschland Ländersache, mit 16 unterschiedlichen Regelungen zu Hilfsfristen, Qualität und Finanzierung. Einheitliche Qualitätsvorgaben und Anreize für wirtschaftliches Handeln sowie Digitalisierung müssen deshalb das Ziel sein:
• Klare und einheitliche Regelungen zur Preisbildung.
• Flächendeckende Etablierung von Integrierten Notfallzentren (INZ).
• Digitalgestützte Ersteinschätzung auch in der Notfallversorgung.
• Enge Verzahnung zwischen den Rettungsleitstellen (112) und dem ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117).
Digitalisierung konsequent ausbauen
Die elektronische Patientenakte (ePA) ist der zentrale Baustein in der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Sie bietet im Versorgungsalltag schon jetzt die Möglichkeit zur zentralen Speicherung und Distribution wichtiger Gesundheitsdaten:
• Möglichkeiten der ePA müssen voll ausgeschöpft werden.
• Bestehenden Bestandteile (z.B. elektronische Medikationsliste und der Medikationsplan) müssen weiter ausgebaut werden.
• Implementierung standardisierter und strukturierter Dokumente (Impf- und Mutterpass sowie U-Heft).
Zukunftssichere Pflege
Die pflegerische Versorgung steht angesichts des demografischen Wandels vor großen Herausforderungen. Insbesondere die steigende Eigenbeteiligung in der stationären Pflege bringt Betroffene an die Grenzen ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit:
• Das Land Rheinland-Pfalz sollte sich an den Investitionskosten für Bau und Instandhaltung der Pflegeheime beteiligen.
• Potenzial der Digitalisierung muss genutzt werden.
• Neustrukturierung der Pflegestützpunkte ist dringend notwendig.
Nachhaltige Finanzierung der Gesundheitsversorgung
Die Ausgaben der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) steigen jedes Jahr viel stärker als die Einnahmen. Gleichzeitig bleiben wirksame Gegenmaßnahmen seitens der Politik aus, obwohl zahlreiche Vorschläge auf dem Tisch liegen:
• Die GKV braucht ein Sofortprogramm, das schnell für finanzielle Entlastung sorgt.
• Staatliche Aufgaben muss der Staat finanzieren, versicherungsfremde Leistungen in der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung müssen vollständig und kostendeckend aus Steuermitteln des Bundes finanziert werden.