Digital vernetzt: Was das Innovationsfondsprojekt NeTKoH bewirkt hat
Artikel aus Mecklenburg-Vorpommern
Das Innovationsfondsprojekt "NeTKoH - Neurologisches TeleKonsil mit Hausärzten zur Stärkung der fachärztlichen Versorgung in Vorpommern" zeigt, wie digitale Vernetzung die neurologische Versorgung auf dem Land revolutioniert. Kurze Wege, schnelle Diagnosen und zufriedene Patientinnen und Patienten: Die Ergebnisse sprechen für sich - Telekonsile gehören in die Regelversorgung.
In Mecklenburg-Vorpommern hat das Projekt NeTKoH gezeigt, wie Telemedizin die neurologische Versorgung im ländlichen Raum effizienter gestalten kann. Statt wochenlang auf einen Facharzttermin zu warten, erhalten Teilnahmende dank Videokonsil kurzfristig eine neurologische Einschätzung. Im Artikel erfahren Sie, welche Ergebnisse die Evaluation liefert und weshalb Telekonsile sinnvoll in der neurologischen Versorgung sind.
Ausgangslage und Ziel des Projekts
Im Rahmen des Projekts wurden 33 Hausarztpraxen in ländlichen Regionen digital mit der Neurologie der Universitätsmedizin Greifswald vernetzt. Das Ziel des Vorgangs war es, Patientinnen und Patienten mit Schwindel, Kopfschmerzen oder Sensibilitätsstörungen schneller zu versorgen. Statt Überweisungen und Terminanfragen bei Neurologen konnten sich die teilnehmenden Hausärztinnen und Hausärzte sowie Patientinnen und Patienten direkt mit Fachärztinnen und Fachärzten für Neurologie per Videokonferenzsystem zusammenschalten.
Anamnese, kurze Untersuchung, Sichtung der Befunde und eine fachärztlich-neurologische Behandlungsempfehlung - alles an einem Tag und in einem Prozessschritt. Insgesamt 986 Menschen mit neurologischen Beschwerden nahmen am Projekt teil. Die zentrale Fragestellung der Evaluation war, ob dieser digitale Behandlungspfad die Versorgung neurologischer Patientinnen und Patienten verbessert.
Wartezeit verkürzt sich stark: 1,5 Stunden statt 43,5 Tage
Die Wartezeit bis zum ersten fachärztlich-neurologischen Kontakt sank durch den digitalen Versorgungsvorgang erheblich. In der Regelversorgung vergehen im Schnitt 43,5 Tage bis zu einem Termin bei einer Neurologin bzw. bei einem Neurologen. Mit dem NeTKoH-Ansatz betrug die Zeit bis zum Telekonsil durchschnittlich rund 1,5 Stunden. Für die teilnehmenden Patientinnen und Patienten mit unklaren Lähmungen, Schwindel oder heftigem Kopfschmerz ist das eine echte Versorgungsverbesserung.
Gezielte Steuerung und Versorgung effizienter
Die durchschnittliche Verweildauer im Krankenhaus für die tatsächlich aufgenommenen Patientinnen und Patienten war in der Interventionsgruppe kürzer als in der Vergleichskohorte. Gleichzeitig offenbarte die Evaluation, dass die Anzahl der Krankenhausaufenthalte an sich im Projekt nicht reduziert wurde. Stattdessen deuten die Ergebnisse daraufhin, dass durch eine bessere Steuerung die Patientinnen und Patienten frühzeitig in die richtige Versorgungsstruktur gelangen und so lange Aufenthalte, schwere Verläufe und Komplikationen vermieden werden.
Telemedizin als Versorgungsweg akzeptiert
Telemedizin funktioniert nur, wenn Menschen sie akzeptieren. Genau hier sind die Erfahrungen aus NeTKoH vielversprechend:
- über 90% der Patientinnen und Patienten würden Telekonsile erneut nutzen und empfanden sie als akzeptablen Weg der Versorgung
- mehr als 90% sagten, dass Zeit und Wege gespart wurden
- rund 95% der Hausärztinnen bzw. Hausärztinnen fanden Telekonsile hilfreich und akzeptabel für die Versorgung ihrer Patientinnen bzw. Patienten
Auch technisch funktionierte das System verlässlich: Fast alle geplanten Telekonsile wurden durchgeführt, Internet- oder Softwareprobleme führten meist nur zu einer leichten Verlängerung der Sitzung.
Fazit - eine Blaupause für unterversorgte Regionen
Der Evaluationsbericht kommt zu einem klaren Fazit:
- neurologische Telekonsile sind technisch umsetzbar - mit einer sehr hohen Reichweite, fast vollständiger Umsetzung in den Praxen und stabil laufender Technik
- neurologische Telekonsile sind wirksam - nicht im Sinne von "alles bleibt beim Hausarzt", sondern im Sinne einer schnelleren, fachlich differenzierten Steuerung von neurologischen Patientinnen und Patienten
- neurologische Telekonsile sind ökonomisch vorteilhaft - insbesondere, wenn man die massive Verkürzung der Wartezeiten auf Termine bei Neurologinnen bzw. Neurologen mitdenkt
Genau deswegen empfehlen alle Projektbeteiligten ausdrücklich, neurologische Telekonsile wie landes‑ und bundesweit in unterversorgten Regionen auszurollen - und nicht als Projekt, sondern als Baustein der Regelversorgung.
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